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Nach 30 Jahren: Zittau wieder im Fernsehen

Regisseur Wolfgang Ettlich fuhr 1990 nach Ostdeutschland - und kam auch ins Dreiländereck. Jetzt war er wieder da. Das Ergebnis ist am Mittwoch zu sehen.

Auch der Blick vom Johannisturm auf den Zittauer Markt darf in Wolfgang Ettlichs Dokumentation nicht fehlen.
Auch der Blick vom Johannisturm auf den Zittauer Markt darf in Wolfgang Ettlichs Dokumentation nicht fehlen. © Archivfoto: Matthias Weber

Anfang 1990 ist Wolfgang Ettlich das erste Mal durch den Osten - damals gab es die DDR noch - gefahren. Für den Münchner Filmemacher ist es ein unbekanntes Land gewesen. Aber eines, das er entdecken wollte. Mit seinem Mercedes machte er unter anderem in Zschopau, Dresden und Forst Station - und auch in Zittau. 

Begleitet wurde er von dem Kameramann Hans-Albert Lusznat, den er zuvor nicht kannte. "Ich hatte einen Kameramann gesucht, der mit mir durch den Osten fahren wollte", blickt Ettlich zurück. Und Hans-Albert Lusznat meldete sich. 

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Auf die Frage, warum er ausgerechnet nach Zittau gefahren sei, antwortet Wolfgang Ettlich: "Es hat mich gereizt, an das Ende der DDR zu fahren." Hier erwarteten ihn eine graue Fassade an der anderen, Robur-Lkw - aber auch ein hilfreicher Reifenhändler. Denn sein Mercedes hatte genau hier eine Reifenpanne. Wolfgang Ettlich, der damals fast nichts über den Osten wusste, bezweifelte, dass ihm jemanden helfen könne und neue Westreifen hat. Er täuschte sich. Ein Reifenhändler in der Lindenstraße konnte ihm helfen und neue Reifen aufziehen.

Nach 30 Jahren Reise wiederholt

Diesen Reifenhändler gibt es nicht mehr, wie der Filmemacher bei seiner neuerlichen Reise feststellen musste. 30 Jahre nach seiner ersten Entdeckungsreise in den "unbekannten" Osten ist er noch einmal zu den Orten und den Menschen von damals gefahren. Ihn interessierten Fragen wie: Welche Veränderungen und welche Kontinuitäten werden sichtbar? Haben sich die Hoffnungen der Menschen erfüllt, waren ihre Ängste begründet?

Der dabei entstandene Film "Deutschlandreise", eine Mischung aus Original-Material der ersten und der jüngsten Reise, ist am Mittwoch, dem 28. Oktober, im Fernsehen zu sehen. Der Sender RBB zeigt die Dokumentation um 22.45 Uhr. Nach der Ausstrahlung ist der Film auch in der Mediathek verfügbar.

Auch die ersten Aufnahmen von 1990 sind seinerzeit im Fernsehen gelaufen - auch wenn er sich damals ohne offiziellen Drehauftrag in den Osten aufgemacht hatte. Schon damals sei aber klar gewesen, so Ettlich, dass es nicht bei diesem ersten Eindruck bleiben soll, sondern dass er wiederkommen wird. 

Manche Protagonisten des Films, wie Familie Schütze aus Zschopau, besuchte er in den Folgejahren regelmäßig und drehte über sie weitere Filme wie "Die Schützes - Helden zwischen Bananen und Kohl" (1994) und "Die Schützes - Leben nach der Wende 1990-2010" (2010). 1994 erhielt er für seinen Film über die Familie Schütze den Adolf-Grimme-Preis.

In Zittau sind 1990 noch alle Fassaden grau
In Zittau sind 1990 noch alle Fassaden grau © Repro: Film
Diese Aufnahme machte Wolfgang Ettlich 1990 auf dem Markt.
Diese Aufnahme machte Wolfgang Ettlich 1990 auf dem Markt. © Repro: Film

Abschluss der Langzeitbeobachtung

Die Reise 2020 durch den Osten sei nun der Abschluss der Langzeitbeobachtung gewesen, erklärt der 73-Jährige. Die persönlichen Kontakte und Beziehungen - so auch zu Karin Schütze - werden aber bleiben, fügt Wolfgang Ettlich hinzu.

Den Zittauer Reifenhändler von 1990 hat er bei seiner jüngsten Reise zwar nicht wieder getroffen, dafür aber das ehemalige Bierhaus "Germania", dessen Fassade noch genauso aussieht wie vor 30 Jahren. Der Münchner Dokumentarfilmer kommt mit jüngeren und älteren Zittauern in Gespräch. Die einen erzählen ihm, dass es sich sehr günstig in der Stadt wohnen lässt, die anderen, dass der Westen, wo man zeitweise hingezogen ist, nie zur Heimat wird.

Diese und andere Aussagen bleiben bei dem Filmemacher nicht ohne Wirkung. Schon 1990 hatte er Menschen kennengelernt, die befreit von Zwängen und Autoritäten "hungrig" nach Westprodukten waren. In Zittau fragten ihn damals viele Leute, ob sie mal eine Runde mit dem Mercedes fahren oder sich einfach nur reinsetzen dürfen. Wolfgang Ettlich erfüllte ihnen diesen Wunsch.

"Deutschlandreise", der Dokumentarfilm von Wolfgang Ettlich, ist am 28. Oktober um 22:45 Uhr im RBB zu sehen.

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