SZ + Zittau
Merken

Einzelhändler im Ehrenamt

Seit 30 Jahren halten Enthusiasten Zittaus Weltladen am Laufen. Im Jubiläumsjahr ist ihre Arbeit schwerer denn je.

Von Jan Lange
 3 Min.
Teilen
Folgen
Anett Seeliger im Zittauer Weltladen.
Anett Seeliger im Zittauer Weltladen. ©  Archivfoto: Matthias Weber

In dem kleinen Laden in der Reichenberger Straße in Zittau trifft die Welt auf wenigen Quadratmetern zusammen. Hier hängen Taschen aus Nepal neben Honig aus Mexiko. Daneben findet man in den Regalen Tee aus Indien und dem Kosovo, Schokolade und Kakao vom afrikanischen Kontinent, Weine aus Chile und italienische Marmeladen. Nicht zu vergessen Kaffee aus Bolivien, Ruanda, Nicaragua und Mexiko. Letzterer hat einen großen Anteil am Umsatz - der sogenannte Maya-Kaffee gehört zu den meistverkauften Produkten des Zittauer Weltladens, der jetzt sein 30-jähriges Bestehen begeht.

Nicht nur das Sortiment unterscheidet den Weltladen von anderen Geschäften, sondern auch die Art, wie er betrieben wird. Die Öffnungszeiten werden ausschließlich von ehrenamtlichen Helfern abgedeckt, Träger ist der Eine-Welt-Verein Zittau, den es seit 2003 gibt. Ins Leben gerufen hat den Weltladen der Verein "Frauen helfen Frauen". Als dieser das Projekt abgeben wollte, gründeten Helfer aus dem Laden und andere Enthusiasten einen neuen Verein, der das Geschäft ab 2004 weiterführte.

Im Kreis Görlitz gibt es drei Weltläden, die anderen sind in Herrnhut und Görlitz.

Seit 2011 in der Reichenberger Straße 16 zu finden

Auch der Standort änderte sich in den 30 Jahren. Von 1991 bis 1999 wurden die fair gehandelten Produkte in der Friedensstraße 8 verkauft. 1999 zog der Laden auf die Reichenberger Straße, war dort zuerst in der Nummer 56 - Eckgeschäft gegenüber der Schauburg - zu finden. Seit zehn Jahren ist er in der Reichenberger Straße 16 zu Hause.

Anett Seeliger ist Gründungsmitglied und wacht heute noch über die Finanzen des 22 Mitglieder zählenden Vereins. Sie engagierte sich schon bei "Frauen helfen Frauen". Viele Jahre gehörte sie zu den zuverlässigsten Helfern. Nun ist sie in einem Lebensmittelmarkt tätig und kann bei der Absicherung der Ladenöffnung nicht mehr helfen.

Das setzt den Trägerverein unter Druck, denn bereits vor einigen Jahren hatte eine Helferin einen festen Job in Berlin bekommen. Neue ehrenamtliche Unterstützer sind kaum zu finden. Man sei dankbar für jeden, der helfen will, meint Anett Seeliger. Sie findet aber auch, dass die, die helfen wollen, Interesse am Fairen Handel mitbringen sollten. Sie weiß, dass man mit dem Weltladen die Welt nicht verändern kann, aber ein kleines Stück dazu beiträgt, dass es gerechter zugeht.

Der Eine-Welt-Verein ist zum einen froh, dass die Helferinnen einen festen Job finden konnten, zum anderen hat der Ausfall Konsequenzen: Der Weltladen kürzte in seinem Jubiläumsjahr die Öffnungszeiten. Vorerst ist er nur Dienstag, Donnerstag und am Samstagvormittag offen. Weniger Verkaufstage - das bedeutet geringeren Umsatz. Keine einfache Situation im Jahr des 30-jährigen Bestehens.

Schon die Vorjahre waren nicht leicht, mal sorgte der Bau der Reichenberger Straße für Einbußen, mal der Corona-Lockdown. Anett Seeliger ist froh, dass Stammkunden nach der Kürzung der Öffnungszeiten nicht auf andere Geschäfte oder den Online-Handel ausgewichen sind, sondern weiter ihre Produkte im Zittauer Weltladen kaufen.

Das ist nicht selbstverständlich, mittlerweile bieten auch Supermärkte fair gehandelte Waren an. Durch die großen Margen erzielen sie günstigere Einkaufspreise als die kleinen Händler. Aber die ehrenamtlichen Helfer vom Zittauer Weltladen haben in den 30 Jahren immer wieder kämpfen müssen - und wollen das auch jetzt tun.