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Gegenwind für XXL-Windräder

Die Firma Enercon will größere Windkraftanlagen bei Oberseifersdorf errichten. Doch das gefällt nicht allen.

Drei der acht Windräder auf Eckartsberger Flur sollen vergrößert werden. Sie sind dann gut 230 Meter hoch.
Drei der acht Windräder auf Eckartsberger Flur sollen vergrößert werden. Sie sind dann gut 230 Meter hoch. © Foto: Matthias Weber

Das ist so nicht zu erwarten gewesen. Heiß diskutiert wurden am Montagabend im Gemeinderat Mittelherwigsdorf die Pläne für den Ausbau des Windparks hinter der Miku Agrarprodukte GmbH in Oberseifersdorf. Die Firma Enercon betreibt hier acht Windräder. Enercons Pläne sehen nun vor, drei der Anlagen abzubauen und dafür drei etwa doppelt so hohe zu errichten. Die neuen Windräder haben eine Nabenhöhe von 160 Metern - bisher haben sieben Nabenhöhen von 85 beziehungsweise 86 Meter und eines ist 44 Meter hoch. Einschließlich Rotor sollen die drei geplanten neuen Windräder sogar 230 Meter hoch sein.

Die größeren Anlagen könnten reichlich doppelt so viel Leistung bringen und 10.300 Haushalte mit Strom beliefern. Die fünf anderen sollen vorerst weiter betrieben werden. Das stößt auf Widerstand. Einfach durchwinken wollten die Mittelherwigsdorfer Räte den Beschluss nicht. Sieben stimmten dafür, sieben dagegen. Damit gilt er als abgelehnt.

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Gegenwind gegen die XXL-Windräder gibt es ebenso aus Wittgendorf. Der Ortschaftsrat sprach sich - ähnlich knapp mit zwei Ja-, drei Nein-Stimmen und einer Enthaltung - dagegen aus. Noch seien für die Wittgendorfer die Lärm- und Schattenbelastungen der Windräder hinter der Miku gering, meint Ortschaftsrat Mike Härtelt. Das kann sich mit den deutlich höheren Anlagen ändern, glauben die Wittgendorfer.

Dieser Annahme liegen die Erfahrungen mit den Windrädern bei Dittelsdorf zugrunde. Bei ungünstigem Wind sei das eintönige Geräusch der Rotoren zu hören, so Mike Härtelt. Die Nabenhöhe der Dittelsdorfer Windräder liegt bei rund 100 Metern. Sie sind vor einigen Jahren auch aufgestockt worden. Dieser Schritt wurde von den Wittgendorfern ebenfalls kritisiert. Die neuen Anlagen bei Oberseifersdorf wären um einiges höher.

Die Befürchtungen der Wittgendorfer sind nicht unberechtigt. Nachts dürfen die Windräder maximal 40 Dezibel Lärm erzeugen. Auf dem Grundstück Hauptstraße 294 sind es laut Schallgutachten aber 41 Dezibel. Laut den Planern gibt es für geringfügige Überschreitungen Ausnahmeregelungen. An anderen Standorten wurde einer Überschreitung der Richtwerte durch die Drosselung der Drehgeschwindigkeit in der Nachtzeit entgegengewirkt.

Richtwerte überschritten

Gemäß der Schattenwurfprognose werden die Richtwerte für die Beschattung an vier Standorten in Wittgendorf überschritten. Die darf jährlich maximal 30 Stunden und täglich maximal 30 Minuten betragen. Mit technischen Abstelleinrichtungen an den Anlagen könnte die Beschattung auf die geltenden Richtwerte beschränkt werden. So empfiehlt es der Gutachter.

Die Zittauer Stadtverwaltung schließt sich dieser Empfehlung an. Das gemeindliche Einvernehmen wird unter der Voraussetzung erteilt, dass die Richtwerte für Lärm und Schattenwurf an allen Punkten in Wittgendorf durch technische Maßnahmen eingehalten werden. Das beschloss jetzt der Technische und Verwaltungsausschuss der Stadt Zittau und erteilte seinerseits das gemeindliche Einvernehmen.

Da der Windpark schon seit einigen Jahren als Vorranggebiet anerkannt ist, können die angrenzenden Orte nur noch ein sogenanntes gemeindliches Einvernehmen für das Projekt erteilen. Das gemeindliche Einvernehmen ist kein Veto-Recht, sondern nur ein Puzzleteil der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange durch den Landkreis.

"Versagt die Gemeinde das Einvernehmen, ist zu prüfen, ob es durch die zuständige Behörde zu ersetzen ist. Dies ist dann der Fall, wenn das Einvernehmen widerrechtlich versagt wurde", antwortet die Pressesprecherin des Landkreises Julia Bjar auf Anfrage der SZ. Das heißt zum Beispiel, wenn andere als durch die Gemeinde zu vertretende Belange als Versagungsgründe angegeben werden und das Vorhaben ansonsten planungsrechtlich zulässig ist.

Bisher liegt der Genehmigungsbehörde noch keine Stellungnahme der Gemeinde Mittelherwigsdorf vor, so Julia Bjar. Sollte das gemeindliche Einvernehmen versagt werden, liegt die weitere Entscheidung damit beim Bauaufsichtsamt des Landkreises.

Über den Bau der drei Windenergieanlagen wird wiederum im vereinfachten Genehmigungsverfahren nach Bundes-Immissionsschutzgesetz beim Kreisumweltamt entschieden.

600 Transporte sind notwendig

Für den Rück- und den Neubau der Windräder sind etwa 600 Transporte notwendig. "Wir haben von vornherein gesagt, dass die Schwertransporte nicht durch die Orte führen dürfen", sagte Bürgermeister Markus Hallmann (Freier Wählerverein). Deshalb wird geprüft, ob eine Zufahrt zu dem Windpark über die B178 möglich ist.

Er ist froh, dass der Bund entschieden hat, dass Kommunen, die von Windparks betroffen sind, Geld von den Betreibern erhalten. Über 60.000 Euro wären das jährlich für diesen Standort. 40.000 Euro würde Mittelherwigsdorf bekommen und der Rest an Zittau gehen. Hier soll das Geld den Betroffenen in Wittgendorf zur Verfügung gestellt werden, verspricht Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm).

Markus Hallmann stimmte seinerseits den Plänen zu. Dadurch, dass die der Miku am nächsten stehende Anlage abgebaut wird, werde auch die in Sachsen geltende Abstandsregel von 1.000 Metern zur nächsten Wohnbebauung eingehalten. Der Windpark verschiebt sich etwas in Richtung Radgendorf. "In Bayern ist man da vorgeprescht. Dort wird beim Abstand etwa das Zehnfache der Höhe verlangt. Damit dürfte im gesamten Freistaat in ein paar Jahren kaum noch eine Windkraftanlage stehen", vermutet er.

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