merken
PLUS Zittau

Hirschfelder stemmen sich gegen Schwimmhallen-Aus

Der Ortschaftsrat votiert einstimmig gegen die Schließung - und denkt dabei auch an den Erhalt des Schulschwimmens.

Elf Grundschulen nutzen die Halle in Hirschfelde für ihren Schwimmunterricht.
Elf Grundschulen nutzen die Halle in Hirschfelde für ihren Schwimmunterricht. © Matthias Weber (Archiv)

Hoffnung, jemanden umstimmen zu können, hatte sich Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) nicht gemacht. Dennoch wollte er am Donnerstagabend den Hirschfelder Ortschaftsräten noch mal die Gründe der Stadt Zittau erklären, warum die Schwimmhalle in Hirschfelde geschlossen werden soll. Zu wenige Nutzer, zu hohe Verluste - rund 160.000 Euro im Jahr -, ein Sanierungsstau. Angesichts der eigenen schwierigen finanziellen Situation müsse sich die Stadt fragen, ob sie sich dies noch leisten kann.

Nein, so die Antwort der Verwaltung. Sie schlägt deshalb die Schließung der Halle in diesem Sommer vor. Nächstes Jahr soll das Gebäude dann abgerissen werden.

Anzeige
Ausschreibung der Gemeinde Lohsa
Ausschreibung der Gemeinde Lohsa

Wir suchen zur Betreibung der Kindertagesstätten in Lohsa einen Träger.

Die Hirschfelder Ortschaftsräte sehen das anders: Sie lehnten am Donnerstag die Pläne der Stadtverwaltung einstimmig ab. Unterstützung erhalten sie laut Ortsbürgermeister Bernd Müller (FUW) von anderen Ortsteilen, die sich ebenfalls gegen eine Schließung aussprechen. Die Ortschaften verweisen auch auf den Eingemeindungsvertrag zwischen Hirschfelde und Zittau, in dem der Erhalt der Schwimmhalle vereinbart wurde.

Stadtrat stimmt am Donnerstag ab

Am kommenden Donnerstag muss sich nun der Zittauer Stadtrat zur Schwimmhalle positionieren. Bereits 2019 hat er das getan. Damals wurde ein Konzept zur Haushaltskonsolidierung beschlossen, in dem auch die Schließung der Hirschfelder Schwimmhalle vorgeschlagen wird. Nach diesem Beschluss gab es allerdings eine Stadtratswahl, durch die sich die Sitzverteilung veränderte.

Außerdem regt sich seither Protest gegen den Schließungsplan. Stadtrat Wolfgang Wauer (FUW) initiierte beispielsweise vor einem Jahr eine Aktion zur Rettung der Schwimmhalle. Die Besucher sollten damals Bahnen für den Erhalt der Einrichtung schwimmen, über 360 beteiligten sich. Darüber hinaus sammelte die Dittelsdorferin Petra Koziol mehr als 6.000 Unterschriften für die Rettung der Schwimmhalle.

Bernd Müller ist sich bewusst, dass nur ein Bruchteil derer, die unterschrieben haben, tatsächlich in der Halle schwimmen gehen. Laut Stadt nutzen im Durchschnitt 191 Gäste pro Woche die öffentlichen Schwimmzeiten, das entspreche etwa fünf Gästen und knapp über zehn Euro Umsatz pro Stunde. "Da ist klar, dass das nicht wirtschaftlich sein kann", so OB Zenker.

Mehr Schwimmzeiten für Vereine, Schulen und Kurse

Müller kritisiert, dass viele der vorgelegten Zahlen über Auslastung und Nutzer erst mit der jetzigen Vorlage bekannt wurden. Er hätte sich gewünscht, dass sich die Stadt mal mit allen Beteiligten an einen Tisch setzt und überlegt, was verbessert werden könnte. Das komplette Jahr 2020 sei mit den Ortschaftsrat nicht darüber gesprochen worden, ärgert sich Müller.

Dabei haben die Hirschfelder Räte durchaus alternative Vorschläge, wie am Donnerstag deutlich wurde. Der Anteil der öffentlichen Schwimmzeiten könnte reduziert und die Zeiten für Vereine, Schulen und Gesundheitskurse erhöht werden, findet Wilfried Rammelt (Freie Bürger). Einen technischen Umbau des Schwimmbeckens kann er sich ebenso vorstellen - zwei Bahnen mit tiefem und zwei mit flachem Wasser. Ortschaftsrat Alexander Sterz (FUW) schlug vor, das öffentliche Schwimmen zu verschieben. Stunden, wo wenige Gäste da sind, streichen und dafür abends mal eine Stunde länger öffnen.

Seit Jahren werde überlegt, wie das Schwimmen attraktiver gestaltet und die Kosten reduziert werden können, betont OB Zenker. Durch die Umrüstung auf LED konnte viel eingespart werden, nennt er ein Beispiel. Dass es seit dem Beschluss des Sparkonzeptes keine Gespräche gab, wollte Zenker so nicht stehenlassen. Zum einen gab es ein Treffen mit den Gemeinden, deren Schwimmunterricht in Hirschfelde stattfindet. Dabei sei deutlich geworden, dass sich der Umfang des Schulschwimmens nicht erweitern lasse. Auch die Vereine, mit denen es ebenfalls ein Treffen gab, hätten keinen Bedarf an weiteren Schwimmzeiten angemeldet. Die Gespräche sind nicht so verlaufen, dass sie etwas gebracht haben, findet Zittaus OB.

Die Entscheidung sei jetzt zu überhastet, findet Bernd Müller. Er schlägt vor, dass alle Beteiligten das Jahr 2021 noch mal nutzen, die Auslastung der Halle zu optimieren. Wenn sie bis Ende des Jahres nicht besser ist, müsse eben dann über eine Schließung diskutiert werden.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen die wichtigsten Nachrichten aus Löbau und/oder Zittau direkt aufs Smartphone gesendet bekommen? Dann melden Sie sich für Push-Nachrichten an.

Weiterführende Artikel

Hallen zu: Kindern fehlt Schwimmunterricht

Hallen zu: Kindern fehlt Schwimmunterricht

In Sachsen können Tausende derzeit nicht Schwimmen lernen. Verbände sehen kaum Chancen, das schnell nachzuholen - und warnen vor Badeunfällen.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Mehr zum Thema Zittau