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Der staatenlose Student

Ezzat Manaa studiert in Zittau Molekulare Biotechnologie. Als Palästinenser war das nicht so einfach. Er hat eine lange Odyssee hinter sich und würde gern bleiben.

Ezzat Manaa studiert an der Hochschule in Zittau.
Ezzat Manaa studiert an der Hochschule in Zittau. © Matthias Weber/photoweber.de

Während auf dem Ausweis seiner Mitstudenten bei Staatsangehörigkeit "Deutsch" steht, sind bei Ezzat Manaa drei Kreuze vermerkt. Der 27-Jährige ist staatenlos. Dabei weiß er genau, woher er kommt. Ezzat Manaa ist in Syrien geboren und aufgewachsen. Und dennoch ist er kein Syrer im klassischen Sinne. Da Ezzats Großvater aus Palästina stammt und nach Syrien geflüchtet ist, sind für die dortige Regierung auch seine Nachkommen Flüchtlinge.

Auch wenn er noch nie in der Heimat seines Großvaters war, so gilt er für die syrischen Herrscher als Palästinenser mit ungeklärter Nationalität. In den vergangenen über sieben Jahrzehnten sind viele Palästinenser nach Syrien, in den Libanon und nach Jordanien geflüchtet. "Wir sind ein Spielball zwischen den Ländern des Nahen Ostens", findet Ezzat Manaa mit Blick auf die fehlende Anerkennung.

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Seit drei Jahren in Zittau

Für sich selbst möchte er diesen Zustand beenden, der 27-Jährige hat die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt und bereits den notwendigen Einbürgerungstest absolviert. Mit einem deutschen Pass würde er am liebsten in Zittau bleiben. Hier lebt er seit drei Jahren.

Nach einer Flüchtlings-Odyssee über die Türkei, Bulgarien und Dänemark kam er 2015 nach Deutschland. Auch hier wurde er von einer Stadt zur nächsten gereicht, kam zuerst in Leipzig an, musste sich als Flüchtling dann in Chemnitz melden, kam später nach Görlitz, Boxberg, Löbau und schließlich nach Zittau. "Zuerst dachte ich, dass man als Flüchtling hier nicht studieren darf", sagt der junge Mann, der inzwischen sehr gut Deutsch spricht.

Die Lehrerin seines Deutschkurses fragte ihn, was er künftig machen möchte. Er will arbeiten, antwortete Ezzat Manaa. Doch seine Lehrerin fand, dass er auch ein Studium aufnehmen könne. Schnell war der Kontakt zur Hochschule Zittau/Görlitz hergestellt. Seit Herbst 2018 ist er hier eingeschrieben - im Studiengang Molekulare Biotechnologie.

Anfangs hat er überlegt, Chemie zu studieren. Schon in Syrien beschäftigte er sich vier Semester mit organischer und anorganischer, analytischer und physikalischer Chemie. Das Studium musste er wegen des Bürgerkrieges abbrechen. "Ich habe bei einer Demonstration fotografiert und ein Video gemacht, wurde deshalb von der Polizei verhaftet. Die Polizisten drohten mir, dass sie mich umbringen, wenn sie mich noch mal festnehmen", berichtet Ezzat Manaa. Er wollte daraufhin nicht länger in Syrien bleiben.

Molekulare Biotechnologie statt Chemie

An der Hochschule Zittau/Görlitz lief der Studiengang Chemie jedoch aus, neue Studenten wurden nicht mehr immatrikuliert. Und so entschied sich Ezzat Manaa für die Molekulare Biotechnologie. Auch das Fach hat viel mit Chemie zu tun. Die Absolventen sind unter anderem in der Molekulargenetik, der Zellbiologie, der Immunologie, der Toxikologie und der Mikrobiologie im Einsatz.

Bis es für Ezzat Manaa so weit ist, wird noch Zeit vergehen. Der 27-Jährige ist derzeit im sechsten Semester. Es ist das Praxissemester, das die Studenten in der Regel in einem Unternehmen verbringen. Auch Ezzat Manaa schrieb zahlreiche Bewerbungen, doch wegen der Corona-Pandemie klappte es bei keinem der auswärtigen Betriebe. Professor Karin Fester bot ihm deshalb an, sein Praxissemester im Hochschullabor zu absolvieren.

Nach dem Bachelorabschluss will er seinen Master machen - ebenfalls an der hiesigen Hochschule. "Die Professoren sind sehr nett", findet Ezzat Manaa und schieb hinterher, dass ihm auch die Stadt gefalle.

Mit dem deutschen Pass kann er künftig problemlos reisen, was ihm in Syrien früher verwehrt war. Und er könnte auch Palästina, die Heimat seines Großvaters, besuchen.

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