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Fabrikanten-Villa ist heute Gemeindeamt

In der Oberlausitz gibt es Häuser, die viele Menschen kennen – aber nicht deren Geschichte. Die SZ stellt einige in loser Folge vor, wie dieses Haus in Großschönau.

Historische Ansicht der Haebler-Villa in Großschönau. Überliefert ist auch eine andere Schreibweise des Namens: Der Chronist Friedrich August Czischkowsky verwies darauf, dass „Häbler“ die ursprüngliche Schreibweise sei.
Historische Ansicht der Haebler-Villa in Großschönau. Überliefert ist auch eine andere Schreibweise des Namens: Der Chronist Friedrich August Czischkowsky verwies darauf, dass „Häbler“ die ursprüngliche Schreibweise sei. © Rolf Hill

Der Name Haebler ist untrennbar mit Großschönaus Geschichte verbunden. Seit dem 17. Jahrhundert in Großschönau ansässig, erlangte die Familie besonders durch die aufkommende Textilherstellung einen guten Ruf.

Ein Vertreter der recht verzweigten Sippe war der 1786 geborene Johann Gottfried Haebler. Mit 26 Jahren gründete er eine Firma für die Fabrikation und den Handel von Garnen. Die dazugehörige Baumwollspinnerei ließ er im benachbarten böhmischen Varnsdorf (Warnsdorf) errichten. Offensichtlich liefen seine Geschäfte gut, er kam zu Wohlstand und Ansehen, sodass er sich bereits elf Jahre später an der Großschönauer Hauptstraße eine prachtvolle Villa errichten lassen konnte. Auf dem Grundstück standen sowohl das Haupthaus als auch Hof- und Nebengebäude.

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Nach seinem Tode 1846 erbte sein Sohn Carl August den gesamten Familienbesitz. Er übernahm auch die Leitung der Firma. Carl August verlegte 1873 das Kontor in das Hintergebäude und begann zwei Jahre später mit der Anpflanzung eines ausgedehnten Parks. Dieses Werk wurde ab 1882 von seinem Sohn, dem Rittmeister Carl Oskar Haebler, zielstrebig fortgesetzt. In dieser Zeit dürfte auch ein Wildgehege entstanden sein, von dem noch heute der Name „Hirschgässel“ zeugt. Das Haupthaus der Haebler-Villa erhielt eine neue Fassade mit Balkon und Säulen. Außerdem wurde ein neues Kontorgebäude erbaut und ein Verbindungsgang zum Haupthaus geschaffen. Dieses erhielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts schließlich seine heutige, endgültige Gestalt. Carl Oskar Haeblers unternehmerisches Geschick zahlte sich indessen aus und blieb auch der sächsischen Obrigkeit nicht verborgen. Als Lohn für seine Tüchtigkeit wurde er im Jahre 1910 geadelt.

Nächster Hausherr der Villa und gleichzeitig Besitzer der Firma J. G. Haebler war der 1870 geborene Hans von Haebler. Wie schon sein Vater war er Reserveoffizier und hatte es bis zum Major gebracht. Er war im Großschönauer Schützenverein aktiv und hatte auch gewissen Erfolg als Schriftsteller. Aus seiner Feder stammten unter anderem die Romane „Käthe Trenck“, „Die Einzige und die Anderen“ sowie „Die Aussaat“. Allerdings identifizierte er sich frühzeitig mit den Ideen des Nationalsozialismus und blieb ihnen bis zum „bitteren Ende“ treu. Das bestand für ihn darin, dass er sich am 9. Mai 1945 mit seiner Ehefrau in den Park begab, wo er erst sie und dann sich selbst erschoss. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der dominante Gebäudekomplex zunächst als sowjetische Militärkommandantur genutzt. 1947 schließlich zog hier die Gemeindeverwaltung ein. Und so blieb es bis zum heutigen Tag.

Zur Geschichte des Hauses gehört leider auch dieser unliebsame Zwischenfall: Im März 2005 wurden durch noch immer unbekannte Täter die drei vor der Bibliothek stehenden Statuen der Götter Merkur, Vulkan und Mars enthauptet. Ein Motiv war in allen drei Fällen nicht erkennbar. Der angerichtete finanzielle Schaden wurde allein für die Restaurierung einer einzigen Figur auf 1.300 bis 1.500 Euro geschätzt. Doch es gelang der Gemeinde, die entsprechenden Mittel aufzubringen. Die Arbeiten übernahm die Großschönauer Steinmetz- und Restaurierungsgesellschaft Dünnbier.

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