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Wird künftig in Hirschfelde geforscht?

Die Oberlausitz soll ein Großforschungszentrum bekommen. Auch die Hochschule Zittau/Görlitz hat dafür einen Vorschlag eingereicht.

In Hirschfelde könnte ein Großforschungszentrum entstehen.
In Hirschfelde könnte ein Großforschungszentrum entstehen. © Archivfoto: Matthias Weber

Kohle baggern und fördern - das wird in der Lausitz in 17 Jahren vorbei sein. Durch den Kohleausstieg fallen im hiesigen Revier Tausende Jobs weg. Gleichzeitig sollen neue entstehen - in anderen Branchen. Der Bund hat zugesichert, dass im Rahmen des Strukturwandels zwei Großforschungszentren in Sachsen entstehen werden - eines in der Lausitz und eines im Mitteldeutschen Revier. Beide Forschungseinrichtungen sollen jeweils 170 Millionen Euro im Jahr erhalten.

Für die geplanten Zentren konnten die Regionen inhaltliche Vorschläge machen. Etwa 100 Projekte wurden laut Sachsens Wissenschaftsministerium eingereicht. Auch die Hochschule Zittau/Görlitz hat sich zusammen mit weiteren Partnern beworben. Zu den Partnern gehören unter anderem die Fraunhofer-Gesellschaft und die Technischen Universitäten Dresden und Freiberg.

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In dem von der Hochschule angedachten Forschungszentrum sollen Technologien und Prinzipien der Kreislaufwirtschaft entwickelt werden, um den Verbrauch von Wasser, Energie und Nutzflächen drastisch zu senken. Die Wasserressourcen effizient zu nutzen, werde zum Kernthema des 21. Jahrhunderts, so die Antragsteller.

Das gewählte Thema ist auch top-aktuell für die Lausitz. Wassermanagement und Kreislaufwirtschaft/Recycling seien wichtige Technologietreiber, findet Rektor Professor Alexander Kratzsch. Insbesondere das Thema Recycling ermögliche es der heimischen Industrie, sich allmählich umzuwandeln. "Wir haben schon einige Recyclter vor Ort, zum Beispiel die Firma RTT. Ferner bewegt sich auch die Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) in diese Richtung", weist der Hochschulchef hin.

Bis zu 1.500 Arbeitsplätze sind in der sogenannten "Zukunftsfabrik Lausitz" geplant. Der Hauptstandort könnte Knappenrode bei Hoyerswerda sein, deutet Burkhardt Faßauer vom Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS in Dresden an. „Man kann davon ausgehen, dass der Standort der Hochschule Zittau/Görlitz als prominenter Mit-Antragsteller positiv betroffen sein wird“, fügt er hinzu. Im Gespräch für die Ansiedlung in der Nähe der Hochschule ist Hirschfrelde.

Möglicher Standort: altes Kraftwerksgelände

Die Hochschule hat dafür das Gelände des früheren Hirschfelder Kraftwerkes im Blick, wie Rektor Kratzsch erklärt. "Damit bringen wir die erforderliche Infrastruktur in die Bereiche der Lausitz, an denen diese benötigt wird und die meisten Synergien mit bestehenden Aktivitäten entfalten können", findet der Hochschulchef.

Der Standort Hirschfelde eignet sich laut Rektor zur Entwicklung und Demonstration „grüner“ Rekultivierungstechnologien. Ferner gebe es ausreichend Platz für die entsprechende Infrastruktur. Die Nähe zu Polen ermögliche, den Strukturwandel auch grenzüberschreitend zu denken. Ferner liegt der Standort zwischen den beiden Hochschulstädten Zittau und Görlitz und bietet die Chance, die Stiftung Kraftwerk Hirschfelde sowie die Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) einzubinden.

Die genauen Standorte sollen in Stufe 2 des Verfahrens festgelegt werden.

Nach einer Runde wurden kürzlich 50 Vorschläge ausgewählt. Dass das Projekt "Zukunftsfabrik Lausitz" weitergekommen ist, dafür gibt es keine Bestätigung. Aber die Chancen stehen nicht schlecht. Wie die SZ vom Fraunhofer-Institut erfuhr, bekam das Projekt ein offizielles Aktenzeichen.

Für die "Zukunftsfabrik Lausitz" spreche, dass die hiesige Hochschule Mit-Antragsteller ist. Das sei laut Rektor Kratzsch bei keinem anderen Projekt der Fall. "Die gute Zusammenarbeit mit der Fraunhofer-Gesellschaft, die wir an den Standorten Zittau und Görlitz haben, konnten wir nun auch mit dem IKTS fortsetzen", erklärt er.

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