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Baden verboten im Olbersdorfer See?

Geht es nach der Corona-Schutzverordnung, darf bei einer Inzidenz über 100 niemand schwimmen gehen. Auch Wasserretter können nicht arbeiten.

Am Olbersdorfer See herrscht bei schönem Wetter Hochbetrieb - so wie hier am Montag.
Am Olbersdorfer See herrscht bei schönem Wetter Hochbetrieb - so wie hier am Montag. © Matthias Weber

Olbersdorfs Bürgermeister sieht nicht mehr durch. Und gibt das auch ganz unumwunden zu: "Ich weiß nicht mehr, was ich sagen soll", sagt Andreas Förster (FDP). "Ich fühle mich inzwischen nicht mehr in der Lage, die Corona-Schutzverordnung, die sich gefühlt auch noch stündlich ändert, zu verstehen und rechtlich zu bewerten."

Wenn Olbersdorfs Bürgermeister das Infektionsschutzgesetz und die jüngste Fassung der Verordnung richtig versteht, dann ist das Baden im See verboten - zumindest solange im Landkreis Görlitz mehr als 100 von 100.000 Einwohnern mit dem Coronavirus infiziert sind. So liest das neben Förster auch Karl Ilg, der Kommunalamtsleiter des Landkreises Görlitz, den der Bürgermeister um Rat gefragt hatte, und der das Badeverbot bestätigt.

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Solange die Inzidenz im Landkreis über 100 liegt, braucht sich Andreas Förster auch keinen Kopf um die Absicherung der Wasserrettung am See zu machen. Die ist in dem Fall nämlich auch verboten. Denn die Anwesenheit von Rettungsschwimmern könnte badebegeisterten Menschen ja suggerieren, dass man am Olbersdorfer See auf den Badebetrieb vorbereitet ist - was als Einladung zum Baden verstanden werden könnte.

Wer soll ein Badeverbot kontrollieren?

Aber wer, fragt sich Olbersdorfs Bürgermeister, soll und kann das Badeverbot am See kontrollieren? Der einzige Vollzugsbedienstete des Ordnungsamts? "Nein", sagt Förster klipp und klar: "Wir als Gemeinde werden das nicht tun, weil wir dazu schlichtweg nicht in der Lage sind."

Ratlosigkeit und Verdruss herrschen auch bei den Rettungsschwimmern von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Zittau und der Wasserwacht des DRK Zittau. Eigentlich sollte die Wache am See ab Pfingsten wieder jedes Wochenende und die gesamten Sommerferien über von 10 bis 18 Uhr besetzt sein. Der dreiseitige Vertrag, den die Gemeinde 2020 mit den beiden Vereinen geschlossen hatte, hat sich gut bewährt und läuft weiter. Die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien sponsert den Wasserrettungsdienst auch in dieser Saison wieder mit 12.500 Euro. Davon werden alle Sachkosten und eine Aufwandsentschädigung für die Rettungsschwimmer bezahlt.

"Es ist alles vorbereitet", sagt DRK-Sprecherin Grit Lobstein. "Stattdessen werden wir aber nun ein Schild an die Wache hängen, dass wegen der geltenden Corona-Schutzverordnung kein Rettungsschwimmer vor Ort sein kann." So könne wenigstens jeder lesen, dass er bei einem Notfall im Wasser keine schnelle und professionelle Hilfe bekommt. Es sei schließlich illusorisch zu glauben, alle würden sich an ein Badeverbot halten.

Sorge um ausreichend Rettungsschwimmer

Grit Lobstein sorgt sich aber auch noch aus einem anderen Grund um die Wasserwacht am See. "Was nützt der ganze Vertrag, wenn wir nicht mehr genügend Rettungsschwimmer haben, die für die Dienste zur Verfügung stehen", fragt die Zittauer DRK-Sprecherin. Schon in den vergangenen Jahren sei es schwierig gewesen, die Dienste an den Wochenenden und in den Sommerferien vollständig abzusichern. Jetzt aber wird das noch schwieriger.

Wegen Corona gibt es seit einem Jahr keine Rettungsschwimmer-Ausbildung mehr. Es ist also kein neuer Rettungsschwimmer zum Team hinzugekommen. Und bei mehreren Aktiven laufen die Lizenzen aus, die aller zwei Jahre aufgefrischt werden müssen. "Unsere Aktiven haben ein ganzes Jahr lang nicht trainiert", sagt Lobstein. "Da könne man es dem einen oder anderen auch nicht verübeln, der sagt, unter diesen Bedingungen traut er sich den Dienst am See nicht mehr zu. "Es ist ja auch eine große Verantwortung."

Ob und unter welchen Bedingungen es in diesem Sommer eine Badesaison am Olbersdorfer See - wie überhaupt an allen großen, öffentlichen Badeseen im Freistaat - geben kann, dazu steht auch in der neuesten Fassung der Sächsischen Corona-Schutzverordnung, die am Montag in Kraft getreten ist, nichts Definitives. Auch der Kommunalamtsleiter des Landkreises kann dazu nichts Konkretes finden: "Leider hat auch die jüngste Fassung der Verordnung keine anderen Erkenntnisse gebracht. Für den Freizeitbereich gibt es demnach erst einmal bis zum 30. Mai keine Öffnungsperspektive", teilt Karl Ilg mit.

Die SZ hat beim Sächsischen Sozialministerium angefragt, wie sich der Freistaat die Sache mit dem Badeverbot an öffentlichen Gewässern vorstellt. Eine Antwort aus Dresden stand bei Redaktionsschluss noch aus.

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