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Fällt die Skisaison an der Lausche zum dritten Mal aus?

Der Schlepplift ist repariert, das Wetter für die Schneekanonen ideal. Die Wintersaison an der Lausche könnte starten - wenn da nicht die Corona-Verordnung wäre.

Von Jana Ulbrich
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Skifahren an der Lausche mit Liftbetrieb war zuletzt im Winter 2018/19 möglich. Fällt die Saison jetzt zum dritten Mal aus?
Skifahren an der Lausche mit Liftbetrieb war zuletzt im Winter 2018/19 möglich. Fällt die Saison jetzt zum dritten Mal aus? ©  Archivfoto: Rafael Sampedro

Tilo Knöbel hat - gelinde gesagt - die Nase voll. "Eigentlich steht's mir bis hier", sagt der Chef des Alpinen Skivereins an der Lausche (ASVL) und zieht in dieser eindeutigen Geste die Handkante über die Nasenwurzel. Vor ihm auf dem Schreibtisch in seinem Arbeitszimmer stapelt sich Papier: Anträge, Angebote, Kostenpläne, Verträge, Rechnungen, Hygienekonzepte, Schriftverkehr, Aktennotizen: Dutzende Seiten. Ein ganzes Jahr Arbeit. Für nichts?

Draußen rieseln die ersten Flocken vom Himmel. Die Temperaturen sind auf den Gefrierpunkt gefallen. Tilo Knöbel blickt aus dem Fenster: "Das Wetter wäre jetzt ideal für die Schneekanonen", sagt er. Doch die Schneekanonen bleiben in der Garage. Und der Skilift an der Lausche bleibt aus.

Zumindest erst einmal bis zum dritten Advent. So lange gilt in Sachsen die aktuelle Corona-Schutzverordnung. Die zählt einen Skilift zu den Freizeiteinrichtungen - und untersagt den Betrieb. "Da kann man doch nur den Kopf schütteln", sagt der Chef des Waltersdorfer Skivereins. "Wie hoch ist denn ein Infektionsrisiko beim Skifahren an der frischen Luft?"

Dabei haben Knöbel und die Vereinsmitglieder, die überhaupt noch zur Stange halten, auch für diese Saison wieder alles vorbereitet, um den Skilift betreiben zu können. Ein ganzes Jahr lang haben sie dafür gearbeitet - und auch wieder privates Geld in die notwendigen Investitionen und Verbindlichkeiten gesteckt. "Hätten wir das nicht gemacht, dann wär's das gewesen mit dem Skibetrieb an der Lausche", sagt Knöbel. "So deutlich muss man das sagen!"

Versprochene Fördermittel sind da

Denn in den letzten beiden Wintern ist die Skisaison im Zittauer Gebirge komplett ausgefallen, hatte der Verein keinen einzigen Cent an Einnahmen und stand am Rande der Existenz. Vor zwei Jahren lag kein Krümel Schnee, voriges Jahr ist der Liftbetrieb der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Steht der Skilift in diesem Winter womöglich zum dritten Mal komplett still? Tilo Knöbel zuckt mit den Schultern: "Wir wollen ja nicht den Optimismus verlieren", sagt er, "aber ich muss zugeben, das fällt uns immer schwerer."

Im letzten Lockdown hat Sachsens Kultur- und Tourismusministerin Barbara Klepsch (CDU) den Liftbetreibern eine finanzielle Unterstützung für die ausgefallenen Einnahmen zugesichert. Doch das extra aufgelegte Programm "Neustart im Tourismus" ist schnell überzeichnet. Den ganzen Frühling und Sommer über liefert sich Tilo Knöbel einen regen Schriftverkehr mit dem Klepsch-Ministerium und Mitarbeitern des Regierungspräsidiums. Das spezielle Problem der Waltersdorfer: Sie sind die einzigen in Sachsen, die einen Skilift als Verein betreiben, und passen deswegen nicht genau in die Förderrichtlinien.

Am 6. Juli schließlich ist der Fördermittelantrag aus Waltersdorf so weit, dass er allen Vorgaben entspricht und eingereicht werden kann. Doch es dauert wieder Monate. Erst am 23. September bekommt Knöbel die Förderzusage - Mit einem Geltungszeitraum bis zum 31. Dezember. "Das heißt, bis zum Jahresende müssen alle Aufträge ausgelöst und abgerechnet sein", sagt der Vereinschef. "Mach das mal bei der gegenwärtigen Auftragslage und den Lieferschwierigkeiten beim Material."

Der Skiverein hat es trotzdem geschafft: Der Lift ist instandgesetzt und hat neue Schleppbügel bekommen, die Schneekanonen sind repariert, das Pistengerät ist generalüberholt, die Flutlichtanlage ist erweitert, das Kassensystem auf den neuesten Stand gebracht. Auch die laufenden Kosten für den Liftbetrieb können jetzt gedeckt werden - wenn der Lift denn betrieben werden kann.

"Wir werden alles versuchen, den Lift zu betreiben, sobald wir das dürfen und die Rahmenbedingungen das auch zulassen", versichert der Vereinsvorsitzende. Er mag nicht daran denken, was passiert, wenn der ganze Aufwand der letzten Wochen und Monate auch in diesem Winter wieder umsonst gewesen wäre. "Immer mehr Mitstreiter resignieren", sagt er. "Das gesamte Vereinsleben liegt am Boden. Und die Belastungsgrenze für alle, die sich hier bemühen, ist längst überschritten."

Vorhin hat er gerade wieder eine E-Mail aus dem Kultur- und Tourismusministerium bekommen: "Skisport hat als körperliche Betätigung an der frischen Luft grundsätzlich positive Auswirkungen auf die individuelle Gesundheit und die Abwehrkraft", schreibt ein Referatsleiter. Es käme aber auch nach dem 12. Dezember - dem Auslaufen der gegenwärtig geltenden Corona-Verordnung - darauf an, "das moderate Infektionsrisiko zu berücksichtigen". Tilo Knöbel ahnt, was das heißen könnte.