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Sieht so unbürokratische Corona-Hilfe aus?

Der Corona-verordnete Totalausfall der Skisaison hat den Liftbetreiber-Verein an der Lausche in Existenznot gebracht. Dabei wollte sogar der Ministerpräsident helfen.

Wird das Skifahren an der Lausche weiter möglich sein? Tilo Knöbel, Chef des Liftbetreiber-Vereins, kämpft dafür seit Monaten um finanzielle Hilfe.
Wird das Skifahren an der Lausche weiter möglich sein? Tilo Knöbel, Chef des Liftbetreiber-Vereins, kämpft dafür seit Monaten um finanzielle Hilfe. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Inzwischen kann Tilo Knöbel nur noch mit dem Kopf schütteln: Seit Monaten schon schreibt und telefoniert sich der Chef des alpinen Skivereins an der Lausche die Finger wund, verfasst E-Mails, stellt Anträge, füllt seitenweise Formulare aus. Seit Monaten ohne Erfolg. Dabei hatte ihm Sachsens Ministerpräsident doch höchstpersönlich "unbürokratische Hilfe" versprochen.

Doch das, was Tilo Knöbel seit Monaten erlebt, ist von "unbürokratisch" weit entfernt. Aber der Reihe nach: Der Alpine Skiverein Lausche, kurz ASVL, betreibt das kleine Skigebiet am höchsten Berg des Zittauer Gebirges. Die Einnahmen aus dem Liftbetrieb müssen die Kosten decken. Doch im vergangenen Winter hat der Verein keinen einzigen Cent eingenommen. Als Corona-Schutzmaßnahme hatte die Landesregierung jeglichen Liftbetrieb an Sachsens Skihängen untersagt. Tourismusministerin Barbara Klepsch (CDU) hatte das mit den großen Liftbetreibergesellschaften aus dem Vogtland und dem Erzgebirge vereinbart und ihnen finanzielle Unterstützung zugesichert.

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Das Skigebiet in Waltersdorf wird aber nicht von einer privaten Gesellschaft, sondern eben von einem Verein betrieben. "Und als Verein", erklärt Knöbel, "fallen wir durch alle Raster und passen in kein Förderprogramm. Niemand kann uns sagen, wo und wie wir die entgangenen Einnahmen abrechnen könnten, auf die wir dringend angewiesen sind.

Tilo Knöbel steht am Fuße des Skihangs und grübelt: Rund 60.000 Euro braucht der Verein für eine Skisaison, für den Liftbetrieb, die Pistenraupe, die Schneekanonen, das Kassensystem, für notwendige Reparaturen und Instandhaltungsmaßnahmen. Aber die Kasse ist so gut wie leer. Auch eine noch so großartige Spendenaktion bringt so viel Geld nicht zusammen. Der Verein hatte den ganzen Winter über den Hang präpariert. Schlittenfahrer, Skiläufer und Tourengeher hatten das gern angenommen und zum Dank insgesamt mehr als 3.000 Euro gespendet. "Das war großartig", freut sich Knöbel.

Und nicht nur das: Familie Hüttl, die Betreiber der Rübezahl- und der Hubertusbaude, hatten die Einnahmen aus dem Parkplatzbetrieb mit dem Verein geteilt - 500 Euro. Der TSV Großschönau hatte auf das Startgeld zur großen Radtouristiktour verzichtet und stattdessen Spendenboxen aufgestellt: 1.500 Euro für den ASVL. "Das alles hat uns sehr gefreut", sagt Tilo Knöbel. "Es hilft uns auch sehr. Aber das Grundproblem bleibt."

Im Januar hatte der Ministerpräsident angerufen. "Es war ein sehr gutes Gespräch", erinnert sich Knöbel. Michael Kretschmer (CDU) habe ihm finanzielle Hilfe zugesichert, es müsse nur noch geklärt werden, wie. Das war, wie gesagt, im Januar. Im Februar, März und April ist Tilo Knöbel von Pontius zu Pilatus gelaufen, ist von einem Mitarbeiter in Staatskanzlei und Wirtschaftsministerium zum nächsten verbunden worden. Immer nur, um zu hören, dass entgangener Gewinn aus einem totalen Betriebsausfall für einen Verein nicht förderfähig sei.

Im Mai schließlich hatte das Wirtschaftsministerium eine Förderrichtlinie zum "Neustart im Tourismus" erarbeitet. "Mehrere Seiten Papier, auf denen aber nirgendwo steht, was genau ich nun wie beantragen kann", sagt Knöbel zerknirscht. Dabei kennt sich der Bauingenieur hauptberuflich eigentlich gut aus mit dem Beantragen von Fördermitteln. "Wenn ich nicht auf Arbeit ständig damit zu tun hätte, wüsste ich hier überhaupt nicht mehr weiter", muss er gestehen.

Also hat er - wieder nach mehrmaligen Telefonaten, diesmal mit Mitarbeitern der Sächsischen Aufbaubank - jetzt einfach mal einen Fördermittelantrag verfasst. "Ich habe alles einzeln aufgelistet, was für den Neustart im Tourismus und die kommende Saison nötig ist", erklärt er. "Ob das so anerkannt wird, weiß ich nicht."

Wissen wird er das frühestens Ende August. Die zuständige Mitarbeiterin sei jetzt erstmal im Urlaub, hat man ihm vorige Woche auf seine telefonische Nachfrage gesagt. Sollte der Antrag der Waltersdorfer Liftbetreiber diesmal tatsächlich förderfähig sein, was Tilo Knöbel inständig hofft, ist die letzte Hürde aber immer noch nicht genommen. Das Programm für den "Neustart im Tourismus" läuft nur bis zum Jahresende. "Das Geld müsste also bis zum 31. Dezember ausgegeben sein", erklärt der Vereinschef. "Da fehlt mir ein bisschen der Optimismus, ob wir das schaffen." Was passiert, wenn das Geld nicht kommt, will Tilo Knöbel gar nicht aussprechen: Dann war's das womöglich mit dem Skifahren an der Lausche.

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