merken
PLUS Zittau

Der Zug für ein wanderbares Wochenende

Der Trilex bringt Touristen jetzt ohne Umstieg von Zittau in die Böhmische Schweiz. Praktisch und unschlagbar günstig.

Günter Höhne (r.) und Hans Günter Kruse planen schon vor der Abfahrt des Zuges in Zittau ihre Route.
Günter Höhne (r.) und Hans Günter Kruse planen schon vor der Abfahrt des Zuges in Zittau ihre Route. © Markus van Appeldorn

Das Zittauer Gebirge und das angrenzende Tschechien sind nicht nur ein gemeinsamer Kulturraum. Mit der Böhmischen Schweiz und der daran anschließenden Sächsischen Schweiz bildet es auch einen gemeinsamen Naturraum. Und dieser Raum ist jetzt noch besser miteinander verbunden. An Wochenenden verkehrt jetzt ein Tourismuszug von Trilex, der von Liberec kommend erstmals Zittau umsteigefrei bis Mikulášovice (Nixdorf) verbindet - und von dort aus geht's mit einem Anschlusszug sogar weiter bis Bad Schandau an der Elbe. SZ begab sich für einen Tag mit auf Tour.

Anzeige
Mit uns können Sie voll durchstarten
Mit uns können Sie voll durchstarten

Wer sportliche Erfolge erzielen will, sollte bestens ausgestattet sein. Im Görlitzer Muskelkater wartet Equipment zum Durchstarten.

Wer in der Böhmischen Schweiz zum Wandern gehen will, muss auch am Wochenende recht zeitig aufstehen. Sonnabends und sonntags verlässt der Trilex der Linie T9 um 8.26 Uhr den Bahnhof Zittau. Die Anzeigetechnik am Bahnhof ist scheinbar noch nicht auf dieses neue Angebot umgestellt - denn der Zuganzeiger kündigt den nächsten Zug an diesem Morgen an Bahnsteig 1 erst um irgendwann nach zehn Uhr an. Günter Höhne und seine Freunde Hans Günter Kruse und Willi Vock aus Zittau lassen sich nicht verunsichern. Schon gut eine Viertelstunde vor der Zugabfahrt stehen sie wohlpräpariert am Bahnsteig - in robuster Freizeitkleidung und mit ihren drei Fahrrädern. "Heute geht's auf Radtour", sagt Günther Höhne.

Per Rad den Nationalpark erkunden

Beinahe jedes Wochenende machen sich die drei 80-Jährigen gemeinsam auf Tour - mal als Wanderer, mal mit den Rädern. Günter Höhne war bis zum Schluss 1991 als Konstrukteur bei Robur. "Früher waren wir ja noch eine viel größere Freizeittruppe", erzählt er. Damals sei man im Winter auch noch gemeinsam Ski gefahren. "Aber das muss man dann halt irgendwann lassen", sagt er. Aber Wandern und Fahrradfahren, das klappt noch prima. "Bis zu 90 Kilometer am Tag schaffen wir noch", erzählt Höhne.

An das neue Angebot des Tourismuszuges haben sie sich etappenweise herangetastet. "Wir sind vor zwei Wochen schon mal mitgefahren, allerdings ohne Fahrräder, weil wir erst mal schauen wollten, ob genug Platz dafür ist", sagt Höhne. Wenn der Zug nämlich bereits mit vielen Radlern aus Liberec nach Zittau komme, käme man damit nicht mehr rein. "An dem Tag sind wir dann von Nixdorf über den Tanzplan gewandert und dort der Grenze entlang", erzählt er - eine von beinahe 50 beliebten Wanderrouten in der Region. An diesem Tag will das Senioren-Trio mit einer Radtour über den Ungerberg und Sebnitz ordentlich Höhenmeter machen. "Rund 60 Kilometer Tour haben wir geplant", so Höhne.

Unschlagbar günstig

Ab Varnsdorf steigen dann auch in jedem Bahnhof viele Tschechen mit Rucksack oder Fahrrädern in den Zug. Günter Höhne freut das: "Wenn der Zug nicht angenommen würde, würde er bald wieder eingestellt", sagt er - und das würde auch für ihn und seine Freunde die beliebten Ausflugsziele wieder in weitere Ferne rücken lassen. Und für Erholungssuchende sei die Verbindung nicht nur praktisch, sondern auch unschlagbar preisgünstig. "Als Senioren zahlen wir in Tschechien nur 25 Prozent des regulären Preises. Wer so etwas nicht nutzt, ist dumm", sagt Höhne. 200 Kronen (7,80 Euro) zahlen die drei gemeinsam für ihr Ticket bis Nixdorf - samt ihren Fahrrädern. "Die Fahrräder sind dabei das Teuerste, auf die gibt's keine Ermäßigung", sagt Höhne.

Die drei Herren kennen auch die Sehenswürdigkeiten am Rande der Strecke. "Hier ist die Verwaltung des Nationalparks Böhmische Schweiz mit einer sehenswerten Ausstellung", erzählt Hans Günter Kruse auf halber Strecke in Krasna Lipa (Schönlinde). Das Museum dort erzähle auch von der dort einst dominanten Textilindustrie, deren Niedergang auch Orte wie Krasna Lipa erheblich schrumpfen ließ. Aber immerhin, im Gegensatz zur Oberlausitz hätten sich in der Böhmischen Schweiz noch zahlreiche Bahnhofskneipen gehalten. "Und ein böhmisches Bier werden wir uns heute natürlich auch schmecken lassen", sagt Günter Höhne.

Holperfahrt ab Krasna Lipa

Ab Krasna Lipa heißt es Schleichfahrt mit dem Trilex. Man hat das Gefühl, der Zug würde von einem Schlagloch ins nächste poltern und könnte jede Sekunde aus dem Gleis springen. "Die Strecke wurde erst vor ein paar Jahren überhaupt erst reaktiviert", sagt Höhne und genießt die langsam vorbeiziehende Waldkulisse. Rund eine halbe Stunde lässt sich die Buckelpiste ertragen - und dann rollt der Zug auch schon in Mikulášovice ein. Die drei Senioren schwingen sich auf die Sättel. Gute Fahrt!

Wer mag, kann von dort mit einem aus Rumburk kommenden direkten Anschlusszug ein paar Minuten weiter nach Sebnitz oder Bad Schandau fahren. Vom dortigen Bahnhof erreicht man mit dem Oldtimer-Bus "Basteikraxler" die weltberühmte Felsformation im Elbsandsteingebirge oder begibt sich auf eine der zig Wanderrouten in der Sächsischen Schweiz. Wegen Bauarbeiten auf dem Gleisabschnitt zwischen Mikulášovice und dem Grenzbahnhof Dolni Poustevna (​Niedereinsiedel) verkehrt dort zurzeit ein Schienenersatzverkehr. Die Busfahrt dauert rund 15 Minuten.

Die weltberühmte Bastei erreicht man nun von Zittau aus per Zug durch die Böhmische Schweiz.
Die weltberühmte Bastei erreicht man nun von Zittau aus per Zug durch die Böhmische Schweiz. © Markus van Appeldorn

Mehr zum Thema Zittau