merken
PLUS Zittau

E-Moped: Die neue Attraktion im Zittauer Gebirge?

Der Zittauer Oldtimer-Spezialist Jens Neumann-Weinbeer verkauft jetzt auch geländegängige E-Enduros - und hat damit große touristische Pläne.

Jens Neumann-Weinbeer will mit E-Motorrädern den Tourismus beleben.
Jens Neumann-Weinbeer will mit E-Motorrädern den Tourismus beleben. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Für Motorräder hat sich der Zittauer Oldtimer-Spezialist Jens Neumann-Weinbeer nie großartig interessiert. Gut, er fährt seit 30 Jahren einen kleinen Motorroller, weil das so schön praktisch ist in der Stadt, aber heiße Bikes waren nie sein Ding. Das änderte sich, als er auf dem Internet-Portal Youtube einen Film über ein chinesisches Elektro-Kleinmotorrad entdeckte. Er war so begeistert, dass er sich gleich um eine Händlerlizenz bewarb. Und er verkauft die kleinen E-Enduros mittlerweile nicht nur an eine wachsende Fangemeinde, sondern will damit künftig auch den Tourismus im Zittauer Gebirge um eine Attraktion bereichern.

Anzeige
Gut beraten an der TUD
Gut beraten an der TUD

Seit 30 Jahren gibt es die Zentrale Studienberatung. Leiterin Cornelia Blum sagt, welche Sorgen immer aktuell sind – und was die Pandemie verändert hat.

"Sur-Ron Firefly" heißt das straßenzugelassene Spaßgerät. Mit 47 Kilo (ohne Akku) ist es gegenüber der hier bei der Jugend so beliebten Simson S51 ein Federgewicht - und liefert bis zu seiner zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern eine brachiale Beschleunigung. Bei Elektromotoren liegt schon aus dem Stand das für die Beschleunigung wichtige volle Drehmoment an, Verbrenner dagegen entwickeln ihr höchstes Drehmoment nur in einem sehr schmalen Drehzahlband. So kann die kleine "Sur-Ron" beim Ampelstart selbst manchem Porsche auf den ersten Metern ihr Rücklicht zeigen - der Wert liegt je nach Modell bei bis zu 1,5 Sekunden von 0 auf 50 km/h.

Beste Beschleunigung, die Jugendlichen erlaubt ist

Fahren darf man das Ding mit dem Mopedführerschein zwar schon ab 16 - aber man sollte sich behutsam an die Beschleunigung herantasten, rät Jens Neumann-Weinbeer. "Es ist halt erst mal ungewohnt, weil einem das Motorgeräusch als Rückmeldung für den Kopf fehlt", beschreibt er das Fahrgefühl. Die "Firefly" surrt nur leise vor sich hin. Und was ihn begeistert: Das E-Moped verliert auch an Steigungen nicht an Tempo. "Die fährt auch im Gelände mit einem Tempo Hügel hoch, da würde eine Simson Enduro krepieren", sagt er. Und für den Fahrspaß im Gelände ist die "Firefly" entworfen. "Es gibt auch etwas stärkere Geländeversionen ohne Straßenzulassung, die bis zu 80 Stundenkilometer erreichen", sagt Neumann-Weinbeer. Allerdings sind die Maschinen Reifenmörder. "Wegen des hohen Drehmoments ist halt der hintere Reifen nach 500 Kilometern runter radiert", erzählt er - jedenfalls bei grobstolligen Geländereifen.

Seit 2016 wird die "Firefly" gebaut. Jens Neumann-Weinbeer entdeckte sie 2019 im Internet und bekam mit seiner Firma "Saxonia Oldtimers" 2020 die Händlerlizenz des Importeurs. "Das Ding hat mittlerweile so viele Fans, dass die Chinesen gar nicht mit der Produktion hinterherkommen", sagt er. Und während das Händlernetz besonders im Westen Deutschlands schon recht dicht ist, ist Jens Neumann-Weinbeer in der Oberlausitz der einzige Anbieter weit und breit. "An die 15 Stück habe ich schon verkauft und weitere Bestellungen liegen vor", sagt er.

Diesen Blick auf den Berg Oybin bekommt man eigentlich nur zu Fuß.
Diesen Blick auf den Berg Oybin bekommt man eigentlich nur zu Fuß. © Rafael Sampedro (1), privat (3)
Die "Firefly" im Geländeeinsatz.
Die "Firefly" im Geländeeinsatz. © undefined
Offroad ohne Lärm und Abgase.
Offroad ohne Lärm und Abgase. © undefined
Jens Neumann-Weinbeer auf seinem E-Moped.
Jens Neumann-Weinbeer auf seinem E-Moped. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Abgasfreier Touristenspaß fürs Gebirge

Jens Neumann-Weinbeer will die E-Mopeds aber nicht bloß verkaufen, sondern vor allem selbst Spaß damit haben. An vielen Wochenenden trifft er sich mit anderen "Fireflyern" und unternimmt etwa Offroad-Touren durchs Zittauer Gebirge. 30 Kilometer schafft das E-Moped im Gelände mit einer Akkuladung - auf der Straße gut das Doppelte. Das klingt wenig. "Aber das reicht locker, um damit ein paar Stunden Spaß im Gelände zu haben. Und einmal Laden kostet nur zehn Cent", sagt er. Auch in einem Bike-Park im Zittauer Schülerbusch loten die Fans des E-Mopeds die Möglichkeiten der Maschine aus. Einen Markt für die E-Mopeds sieht er auch etwa für Security-Unternehmen, weil sie lautlos sind oder für Wohnmobilbesitzer, die häufig ein kleines Moped mitführen - die "Firefly" ist aber viel leichter. Auch eine Zittauer Fahrschule hat eine "Firefly" gekauft. "Weil man nur Gas und Bremse bedienen muss, ist E-Moped fahren viel leichter zu erlernen als ein gewöhnliches Moped", sagt er.

Auch an der Street-Soccer-Anlage an der Chopinstraße würde Neumann-Weinbeer gerne einen Trail-Park für die E-Mopeds einrichten. Und er plant noch ein größeres Projekt, um den Tourismus im Zittauer Gebirge zu bereichern. "Ich stelle mir einen Trail-Park vor und geführte Touren mit Leih-E-Mopeds durchs Gebirge, wo es erlaubt ist. Etwa zum Nonnenfelsen in Jonsdorf, über den Hochwald oder auf die Lausche", sagt er. Touristen würden das Gebirge schließlich erkunden wollen. Mit den E-Mopeds käme eine umweltfreundliche Variante für Motorradbegeisterte hinzu. Wegen der Corona-Krise hat er dieses Projekt noch nicht vorangetrieben, will aber demnächst mit dem Naturpark Zittauer Gebirge deswegen Kontakt aufnehmen.

Mehr zum Thema Zittau