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Zwei-Millionen-Investition am O-See kommt

Der Olbersdorfer Gemeinderat macht ganz große Nägel mit Köpfen. Dabei stand am Anfang nur ein kaputtes Holzdeck. Der Ersatz wird bald für Furore sorgen.

Der Entwurf für die Neugestaltung der See-Promenade sieht als Highlight einen Flanier-Steg übers Wasser vor.
Der Entwurf für die Neugestaltung der See-Promenade sieht als Highlight einen Flanier-Steg übers Wasser vor. © Planungsbüro Neuland

Am Ende sind auch die Skeptiker überzeugt: Als die Olbersdorfer Gemeinderäte auf ihrer Sitzung am Mittwochabend über Tagesordnungspunkt 2 zu entscheiden haben, stimmen sie alle geschlossen mit Ja. Es ist der 37. Beschluss in diesem Jahr. Es ist wohl auch der weitreichendste.

Mit Beschluss Nummer 37 geben die Olbersdorfer Grünes Licht für eine Neugestaltung der Uferpromenade am O-See, die ganz neue Akzente setzen und ein echtes Highlight werden wird. Zwei Millionen Euro wollen sie dafür ausgeben: für einen Flaniersteg, der übers Wasser führt, für eine Uferpromenade, die schöne Sichtachsen freigibt, für Terrassen mit Sitzstufen, die abends stimmungsvoll beleuchtet werden, für breite Treppen, die ins Wasser führen, für Terrassengärten mit Gräsern und Trockenstauden, die sogar im Winter für stimmungsvolle Effekte sorgen, für  Blühwiesen, Bootsanleger, einen markanten Fotopunkt und einen Ort für eine Strandbar und Toiletten.

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Dabei stand am Anfang nur ein kaputtes Holzdeck: Der alte Bootssteg gegenüber dem Hotel "Haus am See", der nach der Flutung des einstigen Tagebaurestlochs für die Landesgartenschau 1999 gebaut worden war, musste im vorigen Jahr wegen Baufälligkeit gesperrt werden. Die Gemeinde konnte für die Verkehrssicherheit des Stegs und der Treppe ins Wasser nicht mehr garantieren.

"Das war der Anlass, eine Entscheidung zu treffen", erinnert Bürgermeister Andreas Förster (FDP). "Wir standen vor der Frage: Reparieren wir für viel Geld den Steg - oder machen wir etwas Neuen." Schon da hatten sich die Gemeinderäte dafür entschieden, das Neue zu wagen: Eine Million Euro wollten sie dafür ausgeben.

Doppelt so teuer als ursprünglich geplant

Aber schnell ist klar, dass - wenn schon, denn schon - eine Million nicht reichen wird. Die Oppacher Landschaftsgestalterin Ulrike Neumann, die mit der Ideenfindung beauftragt war, hat der Gemeinde einen visionären Entwurf vorgelegt, der genauso überzeugend wie beeindruckend ist - aber eben auch doppelt so teuer als ursprünglich gedacht.

Dass das Projekt nun zwei Millionen Euro kostet, hängt vor allem mit dem schwierigen Baugrund zusammen, der nur aus Kohleschichten und Aufschüttungen besteht, was die Kosten für die Medienerschließung und die Gründung des Stegs im Seegrund in die Höhe treibt.

Die Gemeinderäte mussten sich entscheiden: Gehen sie das Projekt an? Machen sie Abstriche am Gesamtkonzept - oder gehen sie zurück an den Ausgangspunkt und sanieren nur das baufällige Holzdeck. Sie haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Vor allem, weil auch Olbersdorfs Kindereinrichtungen und die Grundschule großen Investitonsbedarf haben.

Nach einer stundenlangen Haushalts-Klausurtagung aber, zu der sich die Gemeinderäte  an einem Wochenende getroffen hatten, steht jetzt fest, dass Olbersdorf auch dafür Geld aufbringen kann - und auch aufbringen wird, ebenfalls mithilfe von Fördertöpfen. 

Das hat am Ende auch Gemeinderat Mike Herglotz von der Wählervereinigung 100pro überzeugt, der mit der Verdopplung der Investitionssumme große Bauchschmerzen hatte: "Das Projekt ist wunderbar", wird er am Mittwochabend zugeben. "Wir hätten es aber nicht verantworten können, wenn wir nicht im sozialen Bereich einen Ausgleich geschaffen hätten", erklärt er im Namen seiner Fraktion.

Die Olbersdorfer als Vorreiter, die "groß denken"

Für Bürgermeister Andreas Förster ist die Entscheidung für das visionäre Projekt nur eine folgerichtige: Von Anfang an sei die Gemeinde Vorreiter gewesen, erinnert er die Gemeinderäte, schon als es vor 20 Jahren um die Umgestaltung eines Tagebaurestlochs zu einem attraktiven Naherholungsgebiet ging. Wären die Olbersdorfer und ihre Vision nicht gewesen, wer weiß, hätte es da 1999 überhaupt eine Landesgartenschau gegeben.

In diesem Sinne, so sagt es der Bürgermeister, habe Olbersdorf auch jetzt wieder Großes vor und müsse groß denken, wenn es darum geht, das Gelände zeitgemäßen Bedürfnissen entsprechend und attraktiv neuzugestalten.

So sieht das auch Klaus "Benno" Schwager, der Macher und Chef der internationalen O-See Challenge, der am Mittwochabend Gast auf der Gemeinderatssitzung ist. "Wir haben die Metamorphose vom Tagebaurestloch zum landschaftlichen Juwel erlebt", sagt er, "und dank der O-See Challenge zeigen wir sie der ganzen Welt."

Das, was Olbersdorf nun plane, werde Eindruck hinterlassen, ist Klaus Schwager überzeugt. "Je tiefer, desto besser", sagt er, "denn Mittelmaß, auch gutes, wird kaum noch wahrgenommen." Entscheidend sei die Außergewöhnlichkeit.

Auch Zittau will das Projekt unterstützen

Dass von den neuen Investitionen in das frühere Landesgartenschaugelände nicht nur die Gemeinde Olbersdorf und ihre Einwohner profitieren, sondern eine ganze Region, das wird demnächst auch im Zittauer Stadtrat Thema sein. Die Fraktion "Zittau kann mehr" (Zkm), der auch Oberbürgermeister Thomas Zenker angehört, will dem Stadtrat vorschlagen, dass Zittau und Olbersdorf künftig wieder zusammenarbeiten, wenn es um die Entwicklung von O-See und Westpark geht - genau so wie vor 20 Jahren zur Landesgartenschau. Eine Landesgartenschau 2.0 sozusagen. 

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