merken
PLUS Zittau

Zittauer Markt ist seit fünf Jahren autofrei

Die Ausweisung als Fußgängerzone hat damals für Kritik gesorgt. Pleiten und Arbeitsplatzverluste wurden befürchtet. Was ist davon eingetreten? Eine Bilanz.

Seit fünf Jahren ist der Hauptteil des Zittauer Marktes autofrei. Nur auf der Südseite gibt es eine Fahrspur und ein paar Parkplätze.
Seit fünf Jahren ist der Hauptteil des Zittauer Marktes autofrei. Nur auf der Südseite gibt es eine Fahrspur und ein paar Parkplätze. © Matthias Weber

Kaum ein Thema ist in Zittau in den zurückliegenden Jahrzehnten so oft und intensiv diskutiert worden wie das Parken auf dem Markt. Mal wurden die Autos verbannt, dann das Parken wieder erlaubt, um später erneut verboten zu werden - immer begleitet mit heftigen Debatten. Seit fünf Jahren gilt nun ein Kompromiss: Zwei Drittel des Marktes sind Fußgängerzone, nur an der West- und Südseite darf gefahren und geparkt werden.

Trotz des Ausgleiches zwischen Befürwortern und Gegnern des Parkens auf dem Markt, stieß die Entscheidung auch auf Kritik. 14 Händler und Gewerbetreibende hatten sich damals mit einem "Brandbrief" an die Stadt und den Stadtrat gewandt und darin einen "besorgniserregenden Rückgang der Kundenfrequenz" beklagt. Der Verlust von Arbeitsplätzen, gar Firmenpleiten wurden befürchtet.

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Wie fällt die Bilanz fünf Jahre später aus? Bei der Stadt gebe es keine gesonderten Erhebungen, ob sich aufgrund des autofreien Marktes Geschäfte zurückgezogen haben, sagt Zittaus Pressesprecher Kai Grebasch. Aber der Belegungsgrad auf dem Markt mit Einzelhandel und Dienstleistung war vor der Umstellung hoch gewesen und ist es auch weiterhin, so Grebasch.

Einige Läden haben geschlossen, einige eröffnet

Im Juni 2019 hatte der Dekorations- und Geschenkartikelladen "Die Elfe" geschlossen. Wie die ehemalige Inhaberin Carola Zimmer auf SZ-Nachfrage erklärt, stehe die Schließung aber nicht im Zusammenhang mit dem autofreien Markt, es habe andere Gründe gegeben. Wenige Monate nach der "Elfe" machte auch die "Bananas Boutique" im Markt 22 dicht. Sinkende Umsätze waren dort der Anlass. Ein Grund für den Rückgang sah Inhaberin Yelena Bickel auch in den fehlenden Parkplätzen.

Die "Bananas Boutique" war erst drei Jahre zuvor in die Räume am Markt gezogen. Zuvor betrieb hier Dörte Wagner den "Papierelefant". Sie hatte ihn zugunsten eines neuen Ladens in der Frauenstraße geschlossen. Dörte Wagner kritisierte ebenfalls das Parkverbot aufs Zittaus zentralem Platz. Darüber hinaus verabschiedete sich ein weiteres Modegeschäft vom Markt, das "Fashion Outlet".

Gleichzeitig gab es Neueröffnungen. Die Erste - nach der Entscheidung, den Markt zur Fußgängerzone zu machen - war im Frühjahr 2016 die neue "Bonita"-Filiale. Damit wurden die Räume des vorherigen "Colloseums" wiederbelebt. Auch in anderen Fällen fand sich für geschlossene Läden schnell ein neuer Mieter. Das DER-Reisebüro war in einen früheren Modeladen gezogen und im Markt 22 wird seit Mai 2020 im "Yakuza Store" wieder Bekleidung verkauft. Der Friseursalon "Hair Galery" ist seinerseits vom Markt 19 in die Nummer 5 umgezogen, die alten Räume nutzt nun das Fahrradgeschäft "JJ-Bikes".

Auch an der Nordseite des Marktes ist "Bonita" nicht die einzige Neueröffnung geblieben. Ein paar Häuser weiter gibt es seit 2018 das "Grüne Äpfelchen".

Nur die "Elfe" steht noch leer. Das zwischenzeitlich hier eingemietete Kulturhauptstadtbüro ist wieder zu, eine geplante gastronomische Nutzung bisher nicht umgesetzt.

Blick vom Johannisturm auf den Zittauer Markt, als dort noch geparkt werden durfte.
Blick vom Johannisturm auf den Zittauer Markt, als dort noch geparkt werden durfte. © Archivfoto: Matthias Weber
Und aus dem gleichen Blickwinkel nachdem der Markt zur autofreien Zone wurde.
Und aus dem gleichen Blickwinkel nachdem der Markt zur autofreien Zone wurde. © Matthias Weber (Archiv)

Schließungen und Neueröffnungen halten sind in etwa die Waage. Von einer Pleitewelle kann nicht die Rede sein. Das findet auch Ronny Überschär, der Vorsitzende des Gewerbe- und Tourismusvereins "Zittau lebendige Stadt". "Es hat keinen großen Abbruch gegeben", so seine Einschätzung.

Gewerbetreibende bestätigen das. Einen Umsatzeinbruch gab es nicht, erklärt Optikermeister Jürgen Dreßler. Ältere Kunden würden zwar manchmal schimpfen, dass vor dem Geschäft nicht geparkt werden kann, aber da finde sich eine Lösung, so Dreßler. Auch "Filmpalast"-Chefin Ilona Schaller berichtet, dass anfangs wegen des Parkverbots weniger Besucher gekommen seien, doch langfristig sei kein signifikanter Rückgang festzustellen. "Wenn gute Filme laufen, kommen die Leute trotzdem", sagt sie. Und mancher schimpft dann auch hier wegen der Parksituation.

Grebasch: Früher unbeliebte Südseite hat gewonnen

"Der allgemeine Eindruck ist, dass die Fußgängerzone dem Gesamtensemble Markt sehr gut getan hat", findet Zittaus Stadtsprecher. Vor allem die früher unbeliebte Südseite habe seiner Einschätzung nach sehr gewonnen. "Gleichzeitig sind der Nordseite alle Geschäfte erhalten geblieben."

Für den damaligen Kompromiss setzte sich auch der Zittauer IHK-Geschäftsstellenleiter Matthias Schwarzbach ein. Es sei eine Entscheidung mit Augenmaß gewesen, mit der dem Vorschlag der Hardliner - also den Befürwortern einer autofreien Innenstadt - eine Abfuhr erteilt wurde, meint er. Denn die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Innenstädten werde neben der Vielfalt und Attraktivität der Angebote insbesondere durch die Erreichbarkeit bestimmt.

"Zittau hat eine Größe, bei der das Einkaufen weniger dem Bummeln, als vielmehr der Versorgung von Bedürfnissen dient", steht für den Zittauer IHK-Chef fest. Deshalb sei aus seiner Sicht eine gesunde Mischung der Erreichbarkeit von großer Bedeutung für den Einzelhandel. "Natürlich bedarf es auch Raum für denjenigen, der tatsächlich einen Nachmittag in der Stadt schlendern möchte und sein Auto auf einem peripheren Parkplatz für eine geringere Gebühr abstellt", findet Schwarzbach.

Er sei mit der Lösung damals und heute sehr zufrieden. "Ich denke, es funktioniert - auch mit den gestaffelten Parkgebühren."

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen die wichtigsten Nachrichten aus Löbau und/oder Zittau direkt aufs Smartphone gesendet bekommen? Dann melden Sie sich für Push-Nachrichten an.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Mehr zum Thema Zittau