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Noch einmal Stachelbeer-Sahnetorte

Das "Café Giersch" in Ostritz öffnet am Wochenende ein letztes Mal, danach gehen die Inhaber in den Ruhestand. Eine Hintertür lassen sie sich aber offen.

Barbara und Klaus Schreiber öffnen am Wochenende ein letztes Mal ihr "Café Giersch" in Ostritz.
Barbara und Klaus Schreiber öffnen am Wochenende ein letztes Mal ihr "Café Giersch" in Ostritz. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Ein letztes Mal wollen Barbara und Klaus Schreiber ihr "Café Giersch" öffnen. Jetzt, am letzten August-Wochenende soll es noch einmal Kaffee, leckere Torten und Kleingebäck geben. Danach wollen sich die beiden Ostritzer endgültig aus dem Berufsleben verabschieden. 46 Jahre haben sie das Traditionscafé betrieben, so lange wie keiner ihrer vier Vorgänger.

Die Geschichte des Ostritzer Betriebes reicht bis ins Jahr 1862 zurück. Damals war er noch eine reine Bäckerei. Über 80 Jahre später wurde daraus das bekannte "Café Giersch". 1948 hatten Margarete und Kurt Giersch, die Eltern von Barbara Schreiber, die Bäckerei Wagner übernommen und daraus ein Café gemacht. Sie waren die vierte Inhabergeneration und führten das Café über 27 Jahre. 1975 übernahm dann Tochter Barbara mit ihrem Mann Klaus das Ruder.

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Das Café ihrer Eltern einmal weiterzuführen, war für Barbara Schreiber selbstverständlich. Sie ist hier hineingeboren worden. Und sie steckte auch immer viel Herzblut in den Betrieb. Das spürten die Gäste und kamen immer wieder gern ins "Café Giersch" - auch wenn sie nicht aus Ostritz kamen.

So traf sich hier jedes Jahr zu Ostern eine Familie aus Jena - und das seit den 60er Jahren, also schon zu Zeiten von Margarete und Kurt Giersch. 2020 und 2021 konnte die Familie wegen des Lockdowns nicht kommen. Einmal wollten sie aber noch unbedingt einkehren - und so reisten sie alle vor einigen Tagen zum Abschiedsbesuch an.

46 Jahre haben Barbara und Klaus Schreiber das "Café Giersch" in Ostritz betrieben - so lange wie keiner ihrer Vorgänger.
46 Jahre haben Barbara und Klaus Schreiber das "Café Giersch" in Ostritz betrieben - so lange wie keiner ihrer Vorgänger. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Sich von ihren Stammgästen zu verabschieden, war Barbara Schreiber sehr wichtig. Ursprünglich wollten sie zwischen Weihnachten und Ostern öffnen und ihren langjährigen Kunden noch mal die Chance geben, vorbeizukommen, um Kaffee und Kuchen zu genießen. Doch wegen des Lockdowns blieb das Café in dieser Zeit geschlossen. Und so öffneten Barbara und Klaus Schreiber ihr Café eben jetzt noch einmal. Eine gute Entscheidung, wie die vergangenen Wochen zeigten. "Es sind so viele Stammgäste gekommen, die alle noch mal Danke sagen und sich verabschieden wollten", erzählen die Schreibers.

Klaus Schreiber hätte gern schon ein paar Jahre früher aufgehört. Doch seiner Frau fällt der Abschied vom "Café Giersch" sehr schwer. Und so entschieden sie vor fünf Jahren, als beide bereits 71 waren, zumindest etwas kürzerzutreten. Das Café wurde seitdem nur noch an Wochenenden und Feiertagen geöffnet. Trauerfeiern und Veranstaltungen wie das Ostritzer Literaturcafé fanden ebenfalls weiter bei ihnen statt. Auch jetzt, fünf Jahre später, fällt Barbara Schreiber der Abschied kaum leichter. Sie hat ein Leben hier verbracht, ist mit den Gästen alt geworden.

Und so verwundert es nicht, dass sich die 76-Jährige doch noch ein Hintertürchen offen lässt. Für Trauerfeiern kann das Café auch künftig genutzt werden. Die Literaturfreunde und das Spielecafé können sich ebenfalls noch im Café treffen.

Dafür sei auch keine große Vorbereitung ihrerseits erforderlich, meint Barbara Schreiber. Bei den Trauerfeiern werden Suppe, belegte Brötchen, Obsttorte und Gebäck serviert. Das sei schnell gemacht, sagen die Café-Betreiber. Und die Räume müssten ja ohnehin in Ordnung gehalten werden. Einen Nachfolger wird es nicht geben.

Ihre fünf Kinder sind alle in anderen Berufen tätig. Auch von außerhalb fand sich niemand, der das Café weiterführen wollte. Und ihre ehemaligen Mitarbeiter schreckte auch die Bürokratie ab. Die sei in den vergangenen fünf Jahren ja nicht besser geworden, meint Klaus Schreiber.

Früh aufstehen werde sie auch künftig, sagt Barbara Schreiber. Sie gehe früh immer eine Runde laufen. Und auch sonst wird den Beiden sicher nicht langweilig. Da gebe es ja das Haus und einen riesengroßen Garten. Und auch mit den Enkeln können sie jetzt mehr Zeit verbringen. Drei der insgesamt elf Enkel sind in Ostritz zu Hause, nachdem Sohn Christian vor einigen Jahren in seine alte Heimat zurückgekehrt ist.

Am 28. und 29. August, jeweils von 12 bis 17 Uhr, sind Barbara und Klaus Schreiber aber noch einmal für ihre Café-Gäste da. Dann wird es auch zum letzten Mal ihre beliebte Stachelbeer-Sahnetorte geben. "Die wird sonst nirgendwo angeboten", sagt Klaus Schreiber. Wer sie noch einmal genießen will, sollte sich also das kommende Wochenende reservieren und im "Café Giersch" vorbeischauen.

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