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Gaststätten offen - Mitarbeiter weg

Personalmangel war schon vor Corona ein Problem der Gastronomie in der Region Löbau-Zittau. Die Pandemie hat das aber noch verstärkt.

Maik Bollmann, Chef vom Wirtshaus "Zur Weinau", und seine Mitarbeiterin Nicole Günther bedienten am Wochenende die Gäste im hauseigenen Biergarten.
Maik Bollmann, Chef vom Wirtshaus "Zur Weinau", und seine Mitarbeiterin Nicole Günther bedienten am Wochenende die Gäste im hauseigenen Biergarten. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Endlich dürfen Restaurants wieder öffnen - ab heute auch den Innenbereich. Doch nun haben Gastronomen das nächste Problem: Ihnen fehlen Mitarbeiter. Auch Jens Claus und Maik Bollmann suchen einen Mitarbeiter für ihr Wirtshaus "Zur Weinau". Mehrfach teilten die Gastronomen in den vergangenen Wochen ihr Stellenangebot in sozialen Netzwerken. Bisher ohne Erfolg. "Es hat sich niemand gemeldet", sagt Jens Claus.

Mitarbeiter suchen auch andere Gaststätten - zum Beispiel die "Gondelfahrt" in Jonsdorf oder die "Sonnebergbaude" in Waltersdorf. Gleich vier Servicekräfte hat Alexander Fichte, Chef der "Sonnebergbaude" verloren. Eine Mitarbeiterin ist in die Schweiz gegangen, ist nun dort in der Gastronomie tätig, eine Mitarbeiterin ist schwanger und steht deshalb vorerst nicht zur Verfügung und zwei sind regulär in Rente gegangen. Außerdem kann eine seiner bisherigen Vollzeitkräfte nur noch in Teilzeit arbeiten.

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Die fehlenden Mitarbeiter zu ersetzen, ist für den Gastronomen aus Waltersdorf gar nicht so leicht. Zwar konnte er erst mal Saisonkräfte einstellen, die den Betrieb absichern. Nach der Saison steht er wieder vor dem Problem, dass Mitarbeiter fehlen.

Mitarbeiter haben sich umorientiert

Bereits während des Corona-Lockdowns suchte Alexander Fichte nach Mitarbeitern, habe gute Gespräche geführt, sogar Vorverträge gemacht, doch fest einstellen konnte er sie noch nicht. Und jetzt, wo es möglich wäre, stehen die Bewerber nicht mehr zur Verfügung.

Sie haben inzwischen einen anderen Job. Und das gilt nicht nur für Bewerber, sondern genauso für bisherige Mitarbeiter der Gastronomie. Mancher hat sich beruflich umorientiert. Thomas Schmid, der in Jonsdorf die "Zittauer Hütte" betreibt, verlor dadurch zwei seiner sieben Mitarbeitern. Als die Gastronomie Anfang November 2020 zum zweiten Mal zwangsweise schließen musste, habe er sie noch bestärkt, zu bleiben, sagt Schmid. Nachdem Ende Januar immer noch keine Lockerungen für die Gastronomie in Sicht waren, wechselten sie dann doch die Branche.

Neu ist das Problem Personalmangel nicht - schon vor der Pandemie wechselten Beschäftigte im Gastgewerbe häufig den Job. Aber der Fachkräftemangel wurde durch die Corona-Krise noch mal verstärkt, klagt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Davon ist auch Alexander Fichte von der "Sonnebergbaude" überzeugt. Diejenigen, welche die Branche gewechselt haben, taten das nicht unbedingt freiwillig.

Die festangestellten Mitarbeiter aus der Gastronomie erhielten während des Lockdowns zwar Kurzarbeitergeld, doch wer vorher wenig verdiente, kam mit den 60 Prozent nicht über die Runden. Jens Claus und Maik Bollmann zahlten ihren Mitarbeitern deshalb auch einen Zuschlag aus der eigenen Tasche. Denn es gab schon Unruhe im Team. Die finanzielle Aufstockung half, dass keiner absprang.

Auf Mitarbeitersuche sind sie dennoch, da eine Angestellte ein Kind erwartet und für sie Ersatz gebraucht wird. Und das nicht nur für kurze Zeit. Bewerber, die zum Team passen und ihren Job lieben, könnten auch dauerhaft beschäftigt werden, meint Jens Claus.

Mehr freie Arbeitsstellen

Dass die Gastronomie Mitarbeiter verloren hat, bestätigen die Zahlen der Agentur für Arbeit - auch wenn die aktuellsten verfügbaren Zahlen vom 30. September 2020 sind. Zu diesem Zeitpunkt waren in den Geschäftsstellenbereichen Löbau und Zittau 1.471 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Gastgewerbe tätig - ein halbes Prozent weniger als im September 2019.

Deutlich stärker war der Rückgang bei den geringfügig Beschäftigten. Knapp neun Prozent weniger Minijobber gab es in der Gastronomie im September 2020 im Vergleich zum Jahr zuvor.

Die Agentur für Arbeit bestätigt ebenso, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften in Gastronomie und Hotellerie im Mai 2021 zugenommen hat. Aktuell sind 21 Arbeitsstellen bei den Agenturen für Arbeit Löbau und Zittau gemeldet, drei mehr als im April 2021, fünf mehr als im Mai 2020 und vier mehr als im Mai 2019.

Auch bei der Jobbörse Stepstone zeigt sich, dass die Zahl der Stellenangebote in Gastronomie und Hotellerie deutlich gestiegen ist, genauer gesagt um 62 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum.

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Während einige Gastronomen wochenlang nach Mitarbeiter suchen, oft erfolglos, gibt es auch positive Beispiele. So wie Robert Paulenz von der Pension "Abendröte" in Oybin. Voriges Jahr nahm er viel Geld in die Hand, um sein Haus umzubauen. Nun wurde auch das Stammpersonal erweitert. Und das glückte ohne lange Suche, berichtet Paulenz, erklärt aber auch, dass das vor allem über das Prinzip "Einer kennt jemanden, der jemanden kennt" möglich war.

Update, 10. Juni 2021, 10.45 Uhr: In einer früheren Version des Artikels hieß die Oybiner Pension von Robert Paulenz "Morgenröte". Korrekt muss es "Abendröte" heißen. Wir haben den Fehler korrigiert.

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