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Kurz vor der Pleite

Der "Irish Pub" in Zittau ist wie alle Kneipen seit mehr als elf Wochen geschlossen. Wirtin Elke Mäffert setzt das enorm unter Druck - auch wegen ausstehender Hilfe.

Elke Mäffert und ihr Mitarbeiter Matthias Bensch im Frühjahr vor dem Irish Pub auf der Zittauer Neustadt. Schon damals musste die Zittauer Kneipe acht Wochen schließen. Nun sind es schon über elf Wochen.
Elke Mäffert und ihr Mitarbeiter Matthias Bensch im Frühjahr vor dem Irish Pub auf der Zittauer Neustadt. Schon damals musste die Zittauer Kneipe acht Wochen schließen. Nun sind es schon über elf Wochen. © Matthias Weber/photoweber.de (Archiv)

Wenn ein Bundespolitiker im Fernsehen von den großartigen Hilfen in der Corona-Krise spricht, dann wird Elke Mäffert wütend. "Bei den kleinen Unternehmen kommt nichts an", ärgert sich die Wirtin vom "Irish Pub" auf der Zittauer Neustadt. Die November-Hilfe ist vor Wochen beantragt und auch bestätigt worden. Geld bekommen hat Elke Mäffert bis jetzt aber nicht.

Seit über elf Wochen ist die bekannte Zittauer Kneipe inzwischen zwangsweise geschlossen. Seit über elf Wochen hat Elke Mäffert deshalb auch keine Einnahmen. Gastronomen können doch Speisen ausliefern? Die Frage lässt die "Irish Pub"-Chefin müde lächeln. Sie hatte ihren Gästen angeboten, mit Milchkannen Guinness-Bier abzuholen. Doch der Ausschank von Alkohol ist mittlerweile verboten.

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Speisen aber bietet sie kaum an. "Wir haben keine große Karte", sagt sie. Eines der wenigen Gerichte ist die Kartoffelpizza, die bei ihren Gästen sehr beliebt ist. Die Gäste konnten sie zwischenzeitlich bestellen und abholen. "Damit haben wir 20 bis 30 Euro am Tag eingenommen", erzählt Elke Mäffert. Nicht genug, um überhaupt die Kosten zu decken. Deshalb hat sie das Angebot wieder gestrichen.

Kneipe ist geschlossen - aber GEZ ist fällig

Auch wenn der "Irish Pub" seit Anfang November geschlossen ist, fallen Kosten an. Miete, Telefon, Krankenkasse, Rentenversicherung, Abfallwirtschaft, Geschäftsversicherung, Energie und vieles mehr muss bezahlt werden. Elke Mäffert ärgert vor allem, dass auch Beiträge wie GEZ oder GEMA gezahlt werden müssen, obwohl die Kneipe zu ist und keine Musik gespielt wird und keine Fernseher oder Radios laufen. "Diese staatlichen Institutionen sollten darauf verzichten", findet die 63-Jährige.

Über 3.000 Euro laufen so Monat für Monat auf. "Von was soll man diese Summe bezahlen?", fragt die "Irish Pub"-Wirtin. Bisher sind es eigene Rücklagen und ihr Partner, der sie immer unterstützt, wenn es mal eng wird. Bereits im Frühjahr musste sie die Kosten wochenlang privat finanzieren, weil die Auszahlung der staatliche Hilfe lange auf sich warten ließ. Im Mai kam dann endlich das Geld.

Je länger der Lockdown dauert und je länger sie auf die staatliche Hilfe wartet, desto kritischer wird die Situation. "Wir sind kurz vor der Pleite", schreibt Elke Mäffert bei Facebook.

Mit 63 keinen Kredit mehr aufnehmen

Sie könnte einen Kredit aufnehmen. Das lehnt die "Irish Pub"-Chefin ab. Mit 63 Jahren will sie sich nicht noch einen Kredit auflasten - ob sie ihn überhaupt bekommen würde, ist eine ganz andere Frage. Sie könnte sich bei Freunden Geld borgen. Doch das muss sie auch irgendwann zurückzahlen. Sie könnte den Dispo ihres Kontos immer weiter ausreizen, müsste dafür aber kräftig Zinsen zahlen. Oder sie müsste Insolvenz anmelden. Ob der "Irish Pub", den es seit 22 Jahren gibt, dann überlebt, ist mehr als unsicher. Für die Zittauer Kneipen-Landschaft wäre das ein großer Jammer, findet ein Facebook-Nutzer, der auf ihren Beitrag geantwortet hat.

Also alles keine guten Lösungen. Vielmehr fordert sie ein baldiges Ende des Lockdowns. Über den 7. Februar - wie jetzt von einigen Politikern diskutiert - sollte er ihrer Meinung nach nicht verlängert werden. Noch länger halte keiner durch, meint Elke Mäffert. Und spricht dabei nicht nur von sich. Alle Kollegen, mit denen sie gesprochen hat, schildert ihr die gleiche schwierige Situation.

Gastronomie: Alles getan, um Pandemie einzuschränken

Elke Mäffert ist keinesfalls eine Corona-Kritikerin. "Dass die Krankheit existiert, ist klar", sagt sie. Doch sie zweifelt daran, dass die Gastronomie für die hohen Infektionszahlen verantwortlich ist. "Wir haben die Anzahl der Tische reduziert, um Abstandsregeln einzuhalten, tragen Masken und reinigen mehrmals täglich die Toiletten", sagt die Wirtin. "Wir haben alles getan, um diese Pandemie einzuschränken", fügt sie hinzu.

Schon im Frühjahr 2020 musste sie ihre Kneipe zwangsweise acht Wochen schließen. Im Sommer konnte sie sich davon etwas erholen, doch der aktuelle Lockdown macht das alles wieder zunichte.

Auch wenn sie selber kämpfen muss, Elke Mäffert denkt trotzdem an ihre Mitarbeiter. "Ich kann ja nicht einfach zu ihnen sagen, ich zahle nicht. Meine Angestellten wollen ja auch leben", sagt sie. Das Kurzarbeitergeld muss sie ebenfalls aus der privaten Tasche vorstrecken - und lange auf die Rückzahlung warten. Den Betrag vom November habe sie erst jetzt im Januar von der Arbeitsagentur erhalten. Da haben die Mitarbeiter bereits das Dezember-Geld bekommen.

Die Pauschalkräfte haben sich inzwischen nach anderen Tätigkeiten umgesehen. Ob sie nach dem Lockdown in die Gastronomie zurückkehren, ist mehr als unsicher. Dass könnte mancher Gaststätte oder Kneipe die Existenz kosten, denn schon vor Corona war die Personalsituation in der Gastronomie kritisch.

"Und dann denken manche, dass wir so viel Hilfe bekommen haben und auf einem Goldsack sitzen", so Elke Mäffert. Vielmehr haben ihr die beiden Zwangsschließungen die umsatzstärksten Wochen des Jahres über Ostern und Weihnachten genommen. "Das waren immer Zeiten, wo viele Rückkehrer da waren", sagt die "Irish Pub"-Chefin. Davon lebte sie in den Folgemonaten.

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