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Zittauer Senf ganz vorn dabei

Bei einem Senf-Wettbewerb belegte die Sorte "Oberlausitzer Granitschädel" aus dem "Zittauer Senfladen" den zweiten Platz - zur Überraschung der Chefin.

Kathrin Scholz mit dem prämierten Senf "Oberlausitzer Granitschädel", der bei den Kunden auch sehr beliebt ist.
Kathrin Scholz mit dem prämierten Senf "Oberlausitzer Granitschädel", der bei den Kunden auch sehr beliebt ist. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Ein bisschen verdutzt war Kathrin Scholz anfangs schon, als ihr am Telefon mitgeteilt wurde, dass ihr Senf den zweiten Platz erreicht hat. "Ich wusste erst gar nicht, um was es ging", sagt die Chefin des Zittauer Hotels "Dresdner Hof". Die Familie saß gerade zusammen am Mittagstisch und Kathrin Scholz hatte nicht mit einem solchen Anruf gerechnet.

Schnell klärte sich alles auf: Ihr Mann Klaus las einige Wochen zuvor in einer großen deutschen Tageszeitung von dem Senf-Wettbewerb und fragte seine Frau, ob sie nicht mitmachen sollten. Kathrin Scholz war davon zuerst nicht so begeistert. Man habe doch genug zu tun, meinte sie zu ihrem Mann. Und vergaß die Idee schon bald wieder.

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Nicht so ihr Mann. Der schickte heimlich, hinter dem Rücken seiner Frau, zwei der eigenen Senfsorten - "Oberlausitzer Granitschädel" und "Zittsche's Loaberguschl" - ein. Und siehe da, der Senf aus Zittau kam bei der Jury bestens an. Bei den professionellen Senfherstellern wurde der "Oberlausitzer Granitschädel" auf den zweiten Platz gewählt. "Im Nachhinein freue ich mich sehr darüber", sagt Kathrin Scholz.

Zu den Juroren gehörten unter anderem TV-Koch Ralf Zacherl und Schauspielerin Brigitte Grothum, die von 1977 bis 1992 in der beliebten TV-Serie "Drei Damen vom Grill" eine der Hauptrollen spielte und dort Erfahrungen mit Wurst und Senf sammelte. Sie loben den Zittauer Senf als sehr ausdrucksstark. Er habe laut den Juroren die typische Senfschärfe, sei aber harmonisch-rund und habe eine schöne Aromenfülle.

"Wenn ich gewusst hätte, dass Brigitte Grothum in der Jury sitzt, die ja nach eigener Aussage gerne süßen Senf isst, dann hätten wir vielleicht unseren süßen Senf 'Druffgetue' eingeschickt und noch besser abgeschnitten", meint die Hotelchefin lächelnd.

Kathrin Scholz kann ihren prämierten Senf nun ein Jahr lang mit dem Titel "Senf des Jahres 2021" schmücken. Eine richtig gute Werbung - wie sie in den vergangenen Tagen bereits feststellen konnte. Zahlreiche Bestellungen gingen bei ihr ein, darunter auch eine aus Spanien, deren Absender ebenfalls den Bericht in der deutschen Tageszeitung gelesen hatte.

Im März vor fünf Jahren eröffnete Kathrin Scholz ihren "Zittauer Senfladen". Einige Jahre zuvor hatte sie das Haus Neustadt 22, das als "Samen Schinke" in Zittau bekannt ist, gekauft und sanieren lassen. Während die Wohnungen in den oberen Geschossen genutzt wurden, stand der Laden im Erdgeschoss noch leer. Kathrin Scholz' Vater, Klaus Richter, selbst ein bekannter Gastronom und Hotelier, schlug schließlich vor, einen Senfladen zu eröffnen.

Sie besuchten viele Senfmühlen und Lieferanten in der Region und ließen sich dort das Senf machen nahebringen. Irgendwann meinten sie dann, dass sie es können. Und so stellt seitdem der eigene Senfmüller die Zittauer Sorten her. Acht Sorten werden regelmäßig selbst hergestellt, weitere Sorten ergänzen ab und zu das Sortiment. Der "Oberlausitzer Granitschädel" und das "Zittsche's Loaberguschl" sind dabei die beiden beliebtesten Sorten - und deshalb auch bei dem deutschlandweiten Senfwettbewerb eingereicht worden.

Warum heißt der ausgezeichnete Senf eigentlich "Oberlausitzer Granitschädel"? Kathrin Scholz hat den Namen nicht nur aus Liebe zu ihrer Oberlausitzer Heimat gewählt. "Es ist unser schärfster Senf", erklärt sie. "Schärfe ist für manchen etwas anstrengend - und Granitschädel können das ja auch manchmal sein."

Der "Oberlausitzer Granitschädel" gehört zu den Sorten, die es seit Anfang an im "Zittauer Senfladen" gibt - ebenso wie "Druffgetue", "Zittauer Sauhacksch" und der "Ränfdlsenf". Weitere eigene Sorten wie das "Loaberguschl" und der "Zittauer Zwiebelsenf" kamen nach und nach dazu.

Dafür hat Kathrin Scholz das Angebot von anderen Senfherstellern deutlich reduziert - anfangs konnten die Kunden aus 89 verschiedenen Senf-Sorten die richtige Geschmacksrichtung auswählen. Die Leute wollen die hiesigen Sorten, ist die Erfahrung, die die Zittauer Unternehmerin in den zurückliegenden fünf Jahren gemacht hat. Unter dem Motto "Probieren Sie ein Stück Heimat" sollen die Zittauer Senfe auch Werbung für die Oberlausitz und ihre Küche machen.

Sie probiere immer mal wieder neue Senfsorten aus, berichtet Kathrin Scholz. Aber ein so großer Renner wie der "Oberlausitzer Granitschädel" habe sich bisher noch nicht herauskristallisiert.

Den Senfladen konnte sie zumindest während des Lockdowns weiter öffnen, da es sich um ein Lebensmittelgeschäft handelt. Aber auch hier war natürlich zu spüren, dass weniger Menschen unterwegs waren und eingekauft haben. Vor allem hätten in den vergangenen Monaten auch die Touristen gefehlt, die gern einen Senf aus Zittau als Erinnerung mitnehmen. Und so freut sich auch Kathrin Scholz über die zahlreichen Lockerungen und hofft, dass bald wieder viele Touristen im Senfladen vorbeischauen - vielleicht ja auch, weil sie von der Auszeichnung beim Senf-Wettbewerb gelesen haben.

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