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Große Trauer um Zittauer Kult-Wirt

Der plötzliche Tod von André Matthausch macht viele fassungslos. Nun stellt sich die Frage, ob die Zittauer Seeger-Schänke ohne ihn eine Zukunft hat.

Zittau ist ohne André Matthausch ein Stück leerer. Das ist die Meinung vieler seiner Gäste und Bekannten.
Zittau ist ohne André Matthausch ein Stück leerer. Das ist die Meinung vieler seiner Gäste und Bekannten. © Archivfoto: Rafael Sampedro

Vor dem Eingang der Seeger-Schänke in Zittau stehen über ein Dutzend Kerzen. Umsäumt sind sie von unzähligen Blumen. Sie sind so bunt wie André Matthausch es war. Am vergangenen Wochenende ist der bekannte und beliebte Zittauer Gastronom völlig unerwartet verstorben - mit gerade mal 48 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes.

Seit das Team der Seeger-Schänke die Nachricht von seinem Tod veröffentlicht hat, drücken immer mehr Gäste, Freunde und Bekannte, Zittauer und Nicht-Zittauer ihr Beileid aus. Die Trauer um den kultigen Wirt ist riesengroß. Viele erinnern sich an ihn als ausgezeichneten Koch, Entertainer und unglaublich herzlichen Menschen. André Matthausch war ein Mensch, der gern lachte, aber auch sehr emotional sein konnte. Er habe für alles ein offenes Ohr gehabt, sei für jeden da gewesen, heißt es von Kollegen.

Gelernter Koch führte seit 1998 die Seeger-Schänke

In der Zittauer Gastro-Szene waren André Matthausch und seine Seeger-Schänke eine Institution. Er übernahm 1998 die Gaststätte auf der Inneren Weberstraße und machte sie zu einer der beliebtesten gastronomischen Einrichtungen der Stadt. In der Seeger-Schänke traf sich die ganze Zittauer Stadtgesellschaft. Hier war es egal, woher man kam oder was man politisch dachte. Auch viele Gäste von außerhalb zog es hierher.

Zum 20-jährigen Jubiläum 2018 "schenkte" er sich einen Biergarten. Überhaupt renovierte er sein Restaurant immer wieder und baute letztens noch die Räume um, sodass es mehr Platz für die Gäste gab. Dafür schränkte er den Barbereich stark ein. Ja, so war André Matthausch - er schränkte sich ein, um den Gästen mehr geben zu können.

Der Begriff Seeger bedeutet übrigens Uhr und so war es klar, dass in seinem Lokal darauf Bezug genommen wurde. Viele Uhren zierten die Wände, Gäste und Freunde brachten immer mal was mit und er hing sie liebevoll auf und setzte so manches Stück in Szene.

Bereits als Jugendlicher liebte er es, zu kochen und half in der 9. und 10. Klasse im Kretscham Lückendorf und der Gaststätte "Erholung" aus, wann immer man ihn brauchte, berichtet seine Familie. Später sollte diese Leidenschaft auch zu seinem Beruf werden - er lernte von 1989 bis 1992 in der HO-Gaststätte in Zittau den Beruf des Kochs.

Nach der Ausbildung ging er ins Allgäu nach Oberstdorf. Schon nach einem Jahr trieb ihn seine große Heimatverbundenheit zurück nach Lückendorf. Er hatte Heimweh nach seinen Eltern, seinen Freunden und seiner Oberlausitz. Zum 50. Geburtstag seines Vaters kam er bei schrecklichem Gewitter nach Hause gefahren, erinnern sich seine Eltern.

Sein Vater fragte in den ansässigen Gaststätten nach einer Arbeitsstelle für ihn und so kam er in die Gaststätte am Buchberg in Jonsdorf. Am 1. März 1998 übernahm er die Seeger-Schänke in Zittau von Lutz Müller, der sie drei Jahre zuvor wiedereröffnet hatte.

Vor allem kochte André Matthausch mit und aus Leidenschaft. Er beließ es nicht nur dabei, seinen Gästen leckere Gerichte zu servieren, er unterhielt sie auch bestens. Seine Partys waren legendär - vom "Russischen Abend", über das Oktoberfest bis hin zu den Frauentagspartys. Seit 2015 veranstaltete er jedes Jahr ein Straßenfest auf der Inneren Weberstraße. Künstler wie Oliver Frank oder Wanda Kay traten auf seiner Bühne auf.

Und nicht zuletzt war er selbst ein großartiger Entertainer. So als Molly Wood - eine Travestie-Figur, die er vor neun Jahren erfand. Zuvor hatte er bereits zahlreiche Travestie-Shows für seine Gäste veranstaltet. Eines Tages entstand dann der Wunsch, die Showbühne selbst zu betreten. Seine ersten Shows wurden schnell zum Insidertipp.

Er hat Zittau bunter gemacht

Aber nicht nur in der eigenen Gaststätte trat André Matthausch auf - jedes Jahr war er Dutzende Male bei anderen Veranstaltungen zu erleben. Er holte auch Show- und Fernsehgrößen wie Regina Thoss, Giso Weißbach und Dorit Gäbler nach Zittau. An diesem Sonntag war wieder ein Auftritt von Dorit Gäbler geplant. Dieser wurde nach seinem Tod abgesagt.

"Er hat Zittau ein Stück bunter gemacht", findet ein Facebook-Kommentator. Ein anderer meint, dass nun der Himmel etwas bunter werde. "Es gibt Menschen, wo gar nicht bemerkt wird, dass sie nicht mehr da sind, aber André wird leibhaftig fehlen", ist sich ein Facebook-Nutzer sicher.

Viele wünschen sich, dass die Seeger-Schänke auch nach dem Tod von André Matthausch weitergeführt wird. Das wäre sicher im Sinne des verstorbenen Kult-Wirts, findet auch Nachbar Benjamin Pfefferkorn. "Ich glaube, Zittau braucht diesen Ort." In den vergangenen Tagen standen viele Menschen, berichtet Benjamin Pfefferkorn, kopfschüttelnd vor der Seeger-Schänke und waren tief berührt. Es könne doch nicht sein, dass es diesen wunderbaren Ort nicht mehr geben sollte, war zu hören.

"Vielleicht findet sich ja ein mutiger Mensch, der es im Sinne von André Matthausch weiterführt. Sozusagen in Gedenken an ihn, das wäre wünschenswert!", meint der Hauseigentümer von nebenan und fügt hinzu: "Viele Stammgäste würden es bestimmt danken und weiterhin als Gäste kommen. André würde das sicher toll finden!"

Vorerst bleibt die Seeger-Schänke aber geschlossen.

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