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Ohne ihn dreht sich kein Rad

Gert Wagner repariert im Großschönauer Damastmuseum alte Webstühle und erzählt spannende Geschichten. Dafür ist er jetzt ausgezeichnet worden.

Gert Wagner war 1972 bei der Einführung dieser Russischen Webautomaten "ATM", welche die bis dahin rein mechanischen Webstühle ablösten, dabei. Einer davon steht in der Schauwerkstatt des Fördervereins in Großschönau.
Gert Wagner war 1972 bei der Einführung dieser Russischen Webautomaten "ATM", welche die bis dahin rein mechanischen Webstühle ablösten, dabei. Einer davon steht in der Schauwerkstatt des Fördervereins in Großschönau. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Eigentlich wollte Gert Wagner das alles gar nicht. Als er 2005 in Rente ging, wollte er das Renterdasein genießen. Doch dann kam irgendwann die Anfrage vom Förderverein des Deutschen Damast- und Frottiermuseums (DDFM) Großschönau, ob er nicht in der Schauwerkstatt helfen könnte. Sie suchten damals kurzfristig einen Ersatz. "Nur mal gucken gehen kann ja nicht schaden", dachte sich Gert Wagner. Er ging also hin, sah sich die Sache an – und blieb. 

Inzwischen ist er schon zwölf Jahre für die Schauwerkstatt im Anbau des Museums aktiv. Zuständig ist er eigentlich für die Technik, aber auch die Besucher lieben ihn für seine kurzweiligen und informativen Führungen. Letzteres ist im Grunde gar nicht seine Aufgabe. Doch wenn ihn jemand etwas zu "seinen" Maschinen fragt, kann er nicht anders. Er erzählt mit Begeisterung und Schwung von der Mechanik der teils historischen Webstühle, wie die einzelnen Teile ineinander greifen und so zum Beispiel Handtücher entstehen lassen. Das alles kann er gleich am praktischen Beispiel demonstrieren, denn die Schauwerkstatt stellt Produkte für verschiedene Abnehmer her. 

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Dass sie das können, ist auch dem 76-Jährigen zu verdanken. Er sorgt gemeinsam mit anderen Enthusiasten dafür, dass alles wie geschmiert funktioniert. Während die Maschinen laufen, zieht der ehemalige Webmeister den Bogen zur reichen Geschichte der Textilherstellung in Großschönau und der gesamten Region, erklärt nebenbei noch schnell, wie moderne Maschinen funktionieren und nicht zuletzt, wie es dazu kam, dass heute im Ort mit Damino und Frottana immerhin noch zwei Betriebe diese Tradition aufrecht erhalten. 

Seine erste Ehrung überhaupt

Das alles macht er so gut, dass Wolfgang Winkler als Vorsitzender des Fördervereins ihn mit zwei anderen aus dem Verein die "Auszeichnung für verdienstvolle ehrenamtliche Arbeit zur Förderung des sächsischen Museumswesens 2020" vorschlug. Die Sächsische Landesstelle für Museumswesen wählte Gert Wagner unter den drei Vorschlägen aus und Kultusministerin Barbara Klepsch lud ihn am 28. September zu einer Feierstunde nach Dresden ein. Das sei für ihn etwas ganz Besonderes und eine aufregende Sache gewesen, sagt Gert Wagner. Er habe noch keine solche Ehrung erhalten und sich sehr darüber gefreut. Auch sei die Feier mit Sektempfang, Büfett und einer Führung im Volkskunstmuseum sehr gut organisiert gewesen. Dass seine Frau ebenfalls eingeladen war, lässt die Erinnerung daran noch schöner sein. 

Doch eine wie auch immer geartete Auszeichnung war nie sein Antrieb. Wenn die Besucher ihm Löcher in den Bauch fragen und die Schauwerkstatt loben, ist er in seinem Element. Außerdem liebt er die alte Technik und will seinen Teil dazu beitragen, sie am Laufen zu halten. Schon als Lehrling machte er Bekanntschaft mit einigen der Maschinen. Damals habe es eine sehr gute Lehrwerkstatt gegeben, in der man buchstäblich an sämtlichen damals in der Region für die Textilherstellung verwendeten Maschinen lernen konnte, erzählt er. Die Schauwerkstatt selbst sei jedoch vor allem einer Handvoll Fachleuten zu verdanken. Viele Betriebe schlossen nach der Wende und die Technik landete teilweise auf dem Schrott. Um späteren Generationen zeigen zu können, wie Stoffe hergestellt werden, haben sie sie gerettet und wieder aufgearbeitet. 

Auf der Suche nach einem Nachfolger

Auch als Gert Wagner diese Aufgabe übernahm, bekam er von diesen und anderen Männern und Frauen sehr viel Hilfe. Selbst er mit seiner großen Erfahrung kannte längst nicht jede Maschine in der Werkstatt. Zwar seien alle vom Prinzip her gleich, doch der Teufel läge oft im Detail. Doch mit der Hilfe der Fachfrauen und -männer ließ sich bisher noch jedes Problem lösen. Schwierigkeiten bereitet zum Beispiel so manches Mal die Suche nach Ersatzteilen. So brauchten sie letztens ein kleines Zahnrad. Letztendlich ließen sie das bei einem Zittauer Partner anfertigen und sind froh, dass etliche Betriebe auch gegenüber solch ungewöhnlichen Anfragen aufgeschlossen sind und auf ihre Weise helfen. Für Gert Wagner ist nicht zuletzt dieser Zusammenhalt und das Interesse, die Unterstützung und die Hilfe der vielen Mitstreiter eine der schönen Seiten dieser Arbeit. 

Dennoch sucht er nun nach einem Nachfolger, denn er möchte im Herbst seine Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen beenden. Für alle Fälle werden die einzelnen Arbeitsgänge der Maschinen jetzt auch in kurzen Filmen festgehalten. Es wäre aber schön, wenn sich eine Textilfachfrau oder ein Fachmann beim Förderverein des DDFM melden würde, der oder die idealerweise Wissen über Webtechnik mitbringt und vielleicht sogar diese Technik den Besuchern der Schauwerkstatt erklärt und vorführt. Bei Interesse gibt es hier die Kontaktdaten.

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