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So kam's zum Bau der Zittauer Baugewerkeschule

Vor 175 wurde der Grundstein für das Gebäude am grünen Ring gelegt - eine "wahre Zierde der Stadt".

Zeitgenössische Darstellung der neuen Zittauer Baugewerkschule, deren Grundstein vor 175 Jahren gelegt wurde.
Zeitgenössische Darstellung der neuen Zittauer Baugewerkschule, deren Grundstein vor 175 Jahren gelegt wurde. © SZ-Archiv

Das Gebäude der Baugewerkeschule ist mit seiner besonderen Ästhetik eines der auffälligsten am Grünen Ring in Zittau. Im neogotischen Stil wurde es von 1846 bis 1848 für die Königlich Sächsische Bauschule errichtet. Nach der Grundsteinlegung vor 175 Jahren, im September 1846, wurde bereits am 24. Juli 1847 Richtfest gefeiert, am 13. September 1848 war feierliche Einweihung. Schwärmerisch bezeichnete Heimatforscher Carl Gottlob Morawek (1816-1896) in seinem Werk „Zittau in seiner Vergangenheit und Gegenwart“ das „im schönen Styl erbaute Gebäude“ als „eine wahre Zierde der Stadt“.

Errichtet wurde es in der sogenannten Hofstadt, einem laut Morawek abgelegenen Orte der oberen Stadt, „zu welchem man nur in zwei engen Gäßchen von der Klosterkirche und dem Kugelzipfel (obere Neustadt) aus gelangt“. Um 1610 hätten hier noch neun Wohnhäuser gestanden, deren Keller man beim Bau des Schulhauses gefunden habe und auf deren Fundamenten man das Gebäude gebaut habe. Etwas Unbekanntes für Zittau war die neue Gewerbeschule allerdings nicht. Seit seiner Gründung im Jahre 1835 hatte der Zittauer Gewerbeverein großen Wert auf die Förderung des Schulwesens gelegt. Insbesondere die Sonntagsschulen sollten es vornehmlich Lehrlingen und jungen Gesellen des Handwerkerstandes ermöglichen, Lücken ihrer Volksbildung auszufüllen und sich besonders in ihrem Gewerbestand nahestehenden Fächern weiterzubilden.

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Der Unterricht wurde unentgeltlich erteilt. Er fand in den Räumen der Bürgerschule am Topfmarkt statt, dem heutigen Klosterplatz. Nachdem 1835 die Stadt das Schulhaus gekauft hatte, wurde es am 25. Juli 1836 als Gewerbeschule von deren Direktor Karl Wilhelm Burdach eröffnet. Burdach war zugleich Mitbegründer und erster Vorsitzender des Zittauer Gewerbevereins. Da aber im Laufe der Jahre die vorhandenen Räume und die steigende Schülerzahl nicht mehr den Anforderungen genügten, entschloss man sich zu einem Neubau an der Ringstraße, mit dem Stadtbaudirektor Carl August Schramm (1807-1869) beauftragt wurde.

Morawek hat als Chronist die Maße und Vorzüge des neuen Schulhaues sowie die Zweckbestimmung der einzelnen Räume und Säle ausführlich beschrieben. Er berichtete aber auch von Verschönerungen im Umfeld: „Das sonst enge und schmutzige Klostergäßchen, wurde bedeutend erweitert und neu gepflastert, und es ist dadurch den Bewohnern der vorstädtischen Gassen vor dem Bautznerthor ein schöner bequemer Weg zur Stadt geboten.“

Lehrer und Schüler der „königlichen Gewerb- und Baugewerkenschule“ hatten also allen Grund, den Neubau gebührend zu feiern. Zur Einweihung am 13. September 1848 versammelten sie sich am Morgen vor ihrem bisherigen Domizil am Topfmarkt und zogen „mit Musik, unter Vortragung der deutschen Fahne und der Fahne der Gewerbschule, sowie unter Ehrenbegleitung einer Abteilung Communalgarde, über den Markt und durch die Spürgasse (heute Frauenstraße) nach dem Haupteingange des neuen Schulgebäudes“, wie Morawek schilderte. Der offizielle Festakt soll mehrere Stunden gedauert haben. Damit nicht genug: Die Schüler begaben sich mit wehenden Fahnen und musikalischer Begleitung zum Oybin. Dort wurde ihnen von den Lehrern „ein heiteres Fest“ bereitet.

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