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Der verschwundene Adler von Zittau

Das Denkmal für die Gefallenen des Infanterieregimentes 102 hat eine denkwürdige Geschichte.

Mit dieser Karte erinnerte der Zittauer Kunstmaler Hans Lillig (1894-1977) an die Einweihung des Denkmals unweit der Baugewerkeschule, im Hintergrund die Kirche zum Heiligen Kreuz.
Mit dieser Karte erinnerte der Zittauer Kunstmaler Hans Lillig (1894-1977) an die Einweihung des Denkmals unweit der Baugewerkeschule, im Hintergrund die Kirche zum Heiligen Kreuz. © Archiv Norbert Brosig

Wie katastrophal der Erste Weltkrieg war, zeigt nicht zuletzt eine Zahl: 3.031. Allein so viele Soldaten und Offiziere des in Zittau stationierten 3. Königlich-Sächsischen Infanterie-Regimentes Nr. 102 sind in diesem verheerenden Weltbrand gefallen.

Der Wunsch nach einer Gedenkstätte war groß. Das zeigte das ungeheuer große öffentliche Interesse an ihrer Einweihung. Als sie am 30. August 1921 erfolgte, war ganz Zittau in Bewegung. Der Tag begann mit einem „Weckumzug“ einer Reichswehrkapelle und der Gewehrabteilung des Militärvereins. 9 Uhr folgte ein großer Feldgottesdienst auf der Schießwiese, danach ein Festumzug durch die geschmückte Innenstadt. Bei der feierlichen Weihe des nach einem Entwurf des Zittauer Architekten Richard Schiffner gestalteten Denkmals waren neben den Ehrengästen auch Plätze für die zahlreichen ehemaligen Soldaten reserviert, die im Krieg Körperschäden erlitten hatten.

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Mit der Weihe war der Festtag noch nicht zu Ende. Nachmittags gab es einen Festzug vom Töpferberg zur Weinau. Und abends war Zapfenstreich auf dem Markt, der schon Stunden vorher voller Leute war. Der damalige Oberbürgermeister Dr. Wilhelm Külz hatte bei der Weihe das Denkmal feierlich in Schutz und Obhut der Stadt übernommen. Halten konnte die Stadt ihr Versprechen allerdings nur 25 Jahre. Am 29. November 1946 teilte das Zittauer Kulturamt dem Landesamt für Denkmalspflege in Dresden mit, dass, wie gefordert, elf Denkmale entfernt wurden. Position 1 war dabei das „102er Denkmal am Thälmannring“.

Erstaunlicherweise erfolgte in dem Schreiben eine detaillierte Beschreibung des Denkmals. Offenbar war es ein Versuch, wenngleich ein hilfloser, wenigstens die Erinnerung aktenkundig zu machen. Entfernt wurden vermutlich aber nur Teile der Schrift, der den Sockel krönende Adler aus Granit möglicherweise sogar erst 1960. So berichtete jedenfalls die SZ, als Stadtrat Dietrich Thiele sich 2007 auf die Suche nach der Plastik begab – und sie am 20. Mai 2008 auf dem Gelände des Holzhofes schließlich fand. So ist das Denkmal wieder komplett. Und die Stadt Zittau hat ihr Versprechen, es zu bewahren, tatsächlich eingelöst.

Amtliche Beschreibung des Denkmals

Auf breitem sarkophagähnlichen Stein, auf dem ein flügelbreitender Adler angeordnet ist, ist auf der Vorderseite das Relief eines toten Mannes zu sehen. Darüber die Inschrift: „Unseren gefallenen 102ern 1914-1918“ Die linke Sockelseite hat den Text: „Für ihr Vaterland starben im Weltkriege 150 Off. 328 Unteroff. 2553 Mannschaften v. 3. Kgl. Sächs. Inf. Regt. 102. König Ludwig von Bayern und viele 10234 in anderen Formationen“. Auf der rechten Schmalseite sind die Kampforte des Regiments angegeben undauf der Rückseite „1709–1919“, die Zeitdes Bestehens.

(Aus dem Schreiben des Zittauer Kulturamtes an das Landesamt für Denkmalspflege in Dresden vom 29. November 1946)

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