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Wie ein Gewürzhändler-Tuch zum Markenzeichen wurde

Vor 550 Jahren verhüllte das Große Fastentuch erstmals den Altar der Zittauer Johanniskirche. 200 Jahre später wurde es abgehangen, 1840 wiederentdeckt.

Von Dietmar Rößler
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Das Große Zittauer Fastentuch in der Kirche zum Heiligen Kreuz findet seit 23 Jahren Bewunderer aus aller Welt. Höhepunkt des diesjährigen Fastentuchjubiläums sind am 8. und 9. April eine Tagung und ein Festakt.
Das Große Zittauer Fastentuch in der Kirche zum Heiligen Kreuz findet seit 23 Jahren Bewunderer aus aller Welt. Höhepunkt des diesjährigen Fastentuchjubiläums sind am 8. und 9. April eine Tagung und ein Festakt. © SZ-Archiv

Am 2. März war Aschermittwoch, die diesjährige Fastenzeit begann. Vermutlich 1472, also vor 550 Jahren, hatte der Zittauer Gewürz- und Getreidehändler Jacob Gürtler das große Fastentuch für die Johanniskirche Zittau gespendet. Vor einem Tisch mit Gewürzsäckchen und einer Waage in der Hand ist er auf dem Tuch zu sehen. Aber nicht auf einem der 90 Bilder, sondern bescheiden links am unten Rand. Manche Abbildungen zeigen diesen Rand gar nicht. Vermutlich verhüllte das Tuch am Aschermittwoch 1472 zum ersten Mal den Altar der Zittauer Stadtkirche. Und obwohl Martin Luther Fastentücher als „päpstisches Gaukelwerk“ bezeichnete, überstand es die Reformation schadlos. Das spricht für entspannte Toleranz der Zittauer Stadtgemeinde, aber auch für deren Traditionsbewusstsein. So wurde das Tuch nach der Reformation erstaunlicherweise weitere 150 Jahre aufgezogen.

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