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Glasbijouterie – was für ein irreführender Name

In dem Zittauer Betrieb wurde kein Schmuck, sondern bunte Haushaltplaste für die ganze DDR produziert.

Das Logo der Glasbijouterie und eine in Zittau produzierte Blumengießkanne nach einem Design des Formgestalters Klaus Kunis.
Das Logo der Glasbijouterie und eine in Zittau produzierte Blumengießkanne nach einem Design des Formgestalters Klaus Kunis. © SZ-Archiv

Ältere Zittauer wissen es: In der Glasbijouterie wurde nicht, wie der Name vermuten lässt, Glasschmuck produziert, sondern verschiedenste schmucke Plasteerzeugnisse. Der Name entstand wahrscheinlich schon 1931. Ursprünglich ging es tatsächlich um Schmuck.

Der Zittauer Betrieb wurde als Filiale eines Schmuck-Fabrikanten aus dem böhmischen Gablonz (Jablonec) gegründet. 1948 ging er in tschechoslowakischen Staatsbesitz über, mit ihm die Zittauer Filiale. Im Zittauer Telefonbuch von 1949 stand daher die manchen verblüffende Anschrift: „Glasbijouterie Jablonec Zweigniederlassung Zittau, Thälmannring 4“. Hatte man 1931 mit drei handbedienten Spritzgießmaschinen begonnen, Kunststoff-Schmuck herzustellen, waren in der Nachkriegszeit andere Waren gefragt. Erzeugnisse waren beispielsweise Kämme, Spielwaren, Sonnenbrillen und Haushaltwaren. Sammler freuen sich heute noch über einen seltenen Mini-Fotoapparat mit dem Namen „Knirps“, gebaut 1950 in Zittau.

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1957 übergab die damalige CSR (Tschechoslowakische Republik) die Firma an die DDR. Der Name blieb. Die Produktpalette jedoch wurde breiter. Mittlerweile integriert in den VEB Formaplast Sohland (Spree), wurden zum Beispiel Dekordosen, Blumengießkannen, Plastkristall und Spielwaren hergestellt. 1979 kamen Badmöbel hinzu. In den 1980er Jahren wurde das Werk Zittau zum größten Hersteller von Plastik-Haushaltwaren der DDR. „Auf jedem Fall auch bei Haarkämmen“, sagt Rainer Volke. Er hat vor 1970 in der Glasbijouterie den Beruf eines Werkzeugmachers gelernt und an den komplizierten Spritzgusswerkzeugen mitgebaut. „Sie wurden getestet“, sagt er „und haben dann zuverlässig die Produktion vieler tausend Produkte gewährleistet“. Selbst Dia-Rähmchen wurden gefertigt, erinnert er sich. Wie filigran diese Form sein musste, kann man sich vorstellen. Weil die gerahmten Dias sich aber bei der Wärme des Projektors verzogen, wurden sie später in Glas gefasst. Neue Formen mussten konstruiert werden.

Volke würde gerne wissen, wo diese und vor allem die Formen der mittlerweile fast wertvollen in Zittau gefertigten Plaste-Kunstwerke gelandet sind. Jedenfalls freut er sich, in seiner kleinen Markthalle „Trägers Preisbombe“ an der Zittauer Böhmischen Straße weiterhin Klassiker der DDR-Kunststoffproduktion anbieten zu können. Zum Beispiel den legendären Eierbecher „Huhn“, der nach wie vor im erzgebirgischen Wolkenstein produziert wird.

In Zittau setzt heute die 1990 aus der Glasbijouterie entstandene „Zittauer Kunststoff GmbH“ (ZiK) die Tradition der Kunststoff-Produktion fort. Technische Bauteile kamen hinzu. Spielwaren, insbesondere für Playmobil, werden gefertigt. Die Betriebsstätten im Gewerbepark Weinau sind erheblich gewachsen.

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