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Wie schön das Watzdorfheim einmal war

In der Oberlausitz gibt es Häuser, die viele Menschen kennen – aber nicht deren Geschichte. Die SZ stellt einige vor. Diesmal: Das Zittauer Watzdorfheim.

Ein trostloses Bild bietet heute das Watzdorfheim, hier die Nordwestseite mit dem überdachten
Eingang zum
Wirtschaftstrakt.
Die Brunnenschale davor ist von
Wildwuchs
überwuchert.
Ein trostloses Bild bietet heute das Watzdorfheim, hier die Nordwestseite mit dem überdachten Eingang zum Wirtschaftstrakt. Die Brunnenschale davor ist von Wildwuchs überwuchert. © Heike Schwalbe

Fast verwunschen kommt es einem vor das verwilderte, eingezäunte Gelände im Zittauer Ortsteil Pethau. Durch den dichten Bewuchs ist kaum noch etwas zu erkennen von der Villa inmitten des Parks. Archive verraten, dass Ende des 19. Jahrhunderts ein Karl von Watzdorf, einem thüringischen Uradelsgeschlecht entstammend, Villa und Park auf Ackerland anlegen ließ. Um 1885 erfolgte die Errichtung dieses Gründerzeitbaues. Wegen seiner architektonischen und gartenkünstlerischen Bedeutung steht das Areal auf der Denkmalschutzliste des Freistaates Sachsen.

Laut einer Veröffentlichung wissen wir sicher, dass sich 1932 hier ein Entbindungsheim befand, in dem die meisten Kinder Zittaus und der umliegenden Gemeinden das Licht der Welt erblickten. Bis Kriegsende war in dieser Einrichtung sogar ein russischer Chefarzt tätig. Es war damals das einzige Haus dieser Art weit und breit und bald zu klein und zu eng. Darum erfolgte ein Umzug in die Innenstadt von Zittau. Auf welchem Wege dieses Gebäude Zittaus Entbindungsheim wurde, ist nicht mehr bekannt. Vielleicht war es von Anfang an als Klinik, Krankenhaus oder Kinderheim gedacht.

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Ab 1947 zog eine Lungenheilanstalt in das Gebäude ein. Unterhalb des Hauses entstand eine Liegehalle. Die Erkrankten genossen die gute Luft und den schönen Blick auf die im Süden liegenden Berge des Zittauer Gebirges. Als die Tuberkuloseerkrankungen zurückgingen, schrieb man das auch der damaligen Impfpflicht und den Reihenuntersuchen zu. So wurde das Heim zu diesem Zweck bald nicht mehr gebraucht. In den fünfziger Jahren richtete man ein Kinderheim ein. Der Park bot viel Platz zum Spielen. Notwendige Instandsetzungsarbeiten folgten zu Beginn der siebziger Jahre, bevor die Geriatrieabteilung des Zittauer Krankenhauses einzog. 1996 schloss das Krankenhaus diese Außenstelle.

Private Gärtnerei auf dem Gelände

Auf dem Areal Watzdorfheim befand sich bereits vor dem Zweiten Weltkrieg eine privat betriebene Gärtnerei. Später wurde sie von der Baumschule Leutersdorf genutzt, dann ab 1975 vom Rehabilitationszentrum des Kreises (ab 1991 „Zittauer Werkstätten für behinderte Menschen e. V.“). Gern wurden die in zahlreichen Gewächshäusern gezogenen Blumen und Pflanzen gekauft. 1996, zeitgleich mit der Geriatrie, schloss das Zentrum. Die Gärtnerei im englischen Landschaftspark zog in den Süden Zittaus um. 1998 richtete die „Zittauer Bildungsgesellschaft“ ein Zentrum für die Berufsvorbereitung ein. Junge Leute lernten und arbeiteten gern in ihrer „Watze“, erinnern sich bis heute daran.

Die Ägide des Watzdorfheimes als Bildungseinrichtung endete vor 2014. Danach suchte das Landratsamt einen Käufer für dieses Stück Land, fast 55.000 Quadratmeter mit sanierungsbedürftiger Bebauung. Für 120.000 Euro wurde es im Jahr darauf verkauft. Die Pläne des Käufers sind unbekannt. Einst hing im Flur des Watzdorfheimes ein großformatiger historischer Stich, der das Areal nach Vollendung des Baus zeigte. Er ist verschwunden. Die einstigen Gehölze des Parkes verwuchsen zu einem Wald und gewannen an Höhe und Dickicht, das Wege und Brunnenschale verschluckt. Die Postamente an den Blickachsen sind leer, die Putten weg.

Es gibt noch zwei weitere Gebäude auf dem Gelände. Das eine, eine kleine Villa, gehörte zur Gärtnerei und das andere, ein größeres Mehrfamilienhaus, wurde früher Ausspanne genannt, als hier noch Fuhrwerke verkehrten, Pferde untergestellt und gewechselt wurden. Mit dem „Feldschlößchen“ befand sich gleich nebenan ein Gasthof. Heute ist die Ausspanne eine stark verfallene Ruine und das „Feldschlösschen“ ganz verschwunden, obwohl man die Grundmauern noch bis in die sechziger Jahre sehen konnte. Die Bushaltestelle „Watzdorfheim“ existiert noch. Aber nur noch selten steigt hier an der Neusalzaer Straße 55 jemand aus oder ein.

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