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So entstand der Olbersdorfer See

1991 begann die Sanierung des Tagebaus, dann wurde geflutet. Und die Landesgartenschau 1999 wertete das Gewässer auf.

So sah der künftige Olbersdorfer See nach Beginn der Rekultivierung und Flutung im Februar 1997 aus.
So sah der künftige Olbersdorfer See nach Beginn der Rekultivierung und Flutung im Februar 1997 aus. © Jens Böhme (Archiv)

Auch wenn noch längst nicht alle Corona-Hürden überwunden sind – er wird die Wasserratten in diesem Sommer wieder locken - der Olbersdorfer See. Dabei ist es für viele kaum vorstellbar, dass dort vor 30 Jahren noch Braunkohle gefördert wurde. Doch 1991 waren die letzten Stunden des Olbersdorfer Tagebaus gekommen. Am 3. Juni begann die Sanierung und Renaturierung des Geländes durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Am 30. September verließ der letzte Zug mit Rohbraunkohle die Grube, aus der von 1908 bis 1991 insgesamt 21,5 Millionen Tonnen Kohle gefördert wurden. Nun nahm der Traum von einem See Gestalt an.

1994 erhielt die Stadt Zittau, gemeinsam mit Olbersdorf, den Zuschlag für die 2. Sächsische Landesgartenschau 1999. Ihr Thema: „Landschaft nach dem Bergbau“. Es folgte die landschaftliche Neugestaltung des künftigen Gewässers und seiner Uferzonen. Der über 100 Jahre alte Westpark, einer der beiden Zittauer Stadtparks, wurde verschönert und in das neue Areal am See einbezogen. Der Grundbach wurde als Wasserzulauf verlegt und ein Auslauf in die Mandau geschaffen. Auch dachte man an die Tierwelt und legte für sie einen Flachwasserbereich mit kleiner Insel an. 1996 wurden die Grundwasserpumpen abgeschaltet. Im zeitigen Frühjahr 1999 war die Flutung beendet, im April konnte die Grube aus der Bergaufsicht entlassen werden. Nach einer damaligen Presseinformation wurden fünf Millionen Kubikmeter Erdreich bewegt, 10.000 Tonnen Metall verschrottet, fast alle Gebäude abgerissen und 40 Hektar Uferböschung angelegt.

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Am 7. Mai 1999 war es soweit: Die Landesgartenschau wurde eröffnet und somit auch das Areal am See, der auf Olbersdorfer Flur liegt, eine Wasserfläche von 0,6 Quadratkilometern hat und bis zu 40 Metern tief ist. Die Besucher staunten über alles Geschaffene. Dank zwei neuer Brücken über die Mandau konnten sie alle Höhepunkte der mehrmonatigen Veranstaltung erreichen. Am See stand das große Festzelt, daneben ein Restaurant mit Terrasse und Freitreppe zum Wasser hinab. Es gab Themengärten, eine Erdpyramide, den Strandbereich mit Wasserspielplatz, Sportplätze und vieles mehr. Und als Erinnerung an die Tagebauzeiten zieht bis heute ein sechs Meter hohes Schaufelrad die Blicke auf sich. Auch andere Braunkohlen-Relikte waren Teil der Schau, ebenso die beiden ausgestellten Lokomotiven. Zahlreiche Künstler fanden den Weg zur Landesgartenschau und boten ihre Programme. Orchester und Chöre traten im Festzelt auf, bis zum letzten Abend, dem 17. Oktober 1999.

Nach Abschluss der Sanierung wurde auf dem Gelände 1999 die 2. Sächsische Landesgartenschau ausgerichtet (kleines Foto).
Nach Abschluss der Sanierung wurde auf dem Gelände 1999 die 2. Sächsische Landesgartenschau ausgerichtet (kleines Foto). © SZ-Repro

Die Auswertung der Landesgartenschau offenbarte allerdings, dass viel weniger Gäste als erhofft ins Dreiländereck gekommen waren. Das mag auch daran gelegen haben, dass im selben Jahr die Bundesgartenschau in Magdeburg stattfand und der Weg von der Autobahn nach Zittau lang und zeitintensiv war, zeitintensiver als heute, wenngleich eine durchgehende Anbindung an die A 4 immer noch auf sich warten lässt. Aber mit dem Ende der Gartenschau begann für den See und seine Umgebung eine neue Zeit als Freizeit- und Erholungsgebiet.

Schon ein Jahr später kamen die Besucher zum Baden, Schwimmen und Surfen. Beachvolleyballspieler und Angler fühlen sich ebenso wohl. Auch an die Camper wurde gedacht. Ein Platz für sie entstand dort, wo einst das Festzelt stand. Rundwege mit Blick auf den See laden zu einem Spaziergang oder einer Radtour ein, Anschauungstafeln informieren über die Anfänge des Tagebaus und dessen Entwicklung.

Ungeplant begann im Jahre 2000 noch eine neue Ära für den Olbersdorfer See, von vielen liebevoll O-See genannt: Fünf sportbegeisterte junge Leute machten sich auf, um über den See auf den Gipfel des Hochwaldes zu kommen. Aus diesem kleinen Wettkampf entwickelte sich die „O-See-Challange“, ein Cross-Triathlon, der heute zu den bekanntesten und anspruchsvollsten seiner Art gehört und auch viele internationale Sportler anzieht. Allerdings ist der vielbesuchte Uferbereich inzwischen in die Jahre gekommen. Einerseits sind die Gehölze mittlerweile groß und schattenspendend, andererseits sind einige unschöne Stellen bereits hinter Bauzäunen versteckt. Eine erste Sanierung tut not, damit es hier wieder so schön wie in der Anfangszeit wird. Oder noch schöner.

Von der Kohlengrube zur Erholungsoase

Ohne die Braunkohle hätte es den Olbersdorfer See nie gegeben. Bereits 1799 wurde hier nach ihr gebohrt, mit Erfolg. 1800 stieß man auf ein großes Lager, das in den nächsten Jahren über Schächte und Stollen abgebaut wurde. Die erste Betreibergesellschaft wurde gegründet, 1908 der „Glück-auf-Schacht“ angelegt. Er erreichte eine Tiefe von 26 Metern. 1911 endete der Untertageabbau, er war unrentabel geworden. Zwei Brüder, Neumann mit Namen, begannen, einen Tagebau aufzuschließen.

Die Kohle wurde anfangs mit der Hand abgebaut und der Abraum mit Dampfloks befördert. 1913 gingen eine Kettenbahn und 1917 eine Drahtseilbahn zum Olbersdorfer Elektrizitätswerk (bis 1925) in Betrieb. 1938 wurde der Tagebau an die Aktiengesellschaft Sächsische Werke Hirschfelde verkauft und stillgelegt. Einer der Gründe war der Konkurrenzkampf mit der Türchauer Grube, denn deren Rohbraunkohle war von besserer Qualität für die Verstromung. In Olbersdorf zog Stille ein, und das Grundwasser stieg. So entdeckten die ersten Einheimischen die Grube als Badegewässer. Doch das Idyll währte nicht lange.

Auch im Winter hat der See seine Reize. Hier ein Blick über die Grundbachsiedlung zum Hochwald. Deutlich sind am Ufer die Spuren des Tagebaus zu erkennen.
Auch im Winter hat der See seine Reize. Hier ein Blick über die Grundbachsiedlung zum Hochwald. Deutlich sind am Ufer die Spuren des Tagebaus zu erkennen. © Heike Schwalbe

Bereits zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, in schwerster Zeit, wurde der Tagebau wieder in Betrieb genommen. Die Industriebetriebe in und um Zittau schrien förmlich nach Rohbraunkohle, und die einst nahe Türchauer Grube war nun durch die neue Staatsgrenze unerreichbar weit. Für den Abbau griff man zuerst wieder zu Hacke und Schaufel. Außerdem wurde alte, noch vorhandene Technik reaktiviert. Darüber hinaus wurde 1949 ein Schmalspur-Gleisanschluss nach Olbersdorf-Oberdorf geschaffen. Ab 1958 kamen neue Universalbagger hierher. Für den Abraum und später den Grubenbetrieb wurden ab 1960 Elektroloks auf 900-mm-Spur eingesetzt. 1968 ging der erste Schaufelradbagger in Betrieb und begann, die veralteten Eimerkettenbagger abzulösen. 1975 wurde die Grube „Glückauf“ Teil des Braunkohlenwerkes Hirschfelde. Der Bedarf der DDR am Bodenschatz Rohbraunkohle war riesig.

So beschloss die Regierung, die Olbersdorfer Grube zu einem Großtagebau auszuweiten. Dafür sollte unter anderem das Niederdorf weichen. Für die umgesiedelten Einwohner entstand im Oberdorf ein Neubaugebiet, die Grundbachsiedlung. Mit der Sprengung des 100 Jahre alten Kirchturmes 1985 verschwand der markanteste Punkt der Silhouette Olbersdorfs. Auch das Ende der beliebten Schmalspurbahn ins Zittauer Gebirge war ab 1990 beschlossen. Doch die Wende kam zur rechten Zeit, das Ende der Grube war besiegelt, die Landschaft wurde zur Erholungsoase.

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