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Neustart mit Baby und Bohnenkaffee

Leslie und Bothwell Mwedzi führen seit Juli einen Laden in Herrnhut. Sie haben die Galerie "Geschmackssache" nicht nur um eine afrikanische Spezialität erweitert.

Leslie und Bothwell Mwedzi sind die neuen Inhaber des Teeladens "Geschmacksache Herrnhut". Im Laden haben sie ein wenig umgeräumt - auch um ihr neues Kaffeesortiment anbieten zu können.
Leslie und Bothwell Mwedzi sind die neuen Inhaber des Teeladens "Geschmacksache Herrnhut". Im Laden haben sie ein wenig umgeräumt - auch um ihr neues Kaffeesortiment anbieten zu können. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die Türen öffnen sich und schon kommt einem der Duft von Kaffee und Tee entgegen. Am Kassen-Tresen halten Leslie und Bothwell Mwedzi ihren Sohn Tafara-Joel auf dem Arm. Die beiden Eltern sind die neuen Besitzer der "Geschmacksache Herrnhut", die bis vor Kurzem noch "Galerie Geschmacksache" hieß. Doch nicht nur der Name hat sich etwas verändert: Den Tresen und den Dreieckstisch mitten im Raum hat Bothwell Mwedzi selbst neu gebaut. Der Holz-Look der neuen Möbel passt zum restlichen Design des Geschäfts. Die beiden haben den Herrnhuter Laden noch ein wenig vergrößert und im Sortiment erweitert.

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Dass es überhaupt einen Neustart gibt, hat einen einfachen Grund: Vorbesitzerin Andrea O'Sullivan zieht nach Australien zurück und hatte noch bis Ende Juni das deutsch-simbabwische Ehepaar eingearbeitet. Seit 1. Juli liegt das Geschäft allein in ihren Händen. "Der Laden soll seinen alten Charme behalten", sagt Bothwell Mwedzi. "Deswegen verändern wir das Sortiment nicht, wir bringen nur etwas Neues hinzu."

Leslie und Bothwell Mwedzi stehen hinter dem neuen Tresen. Ihr Sohn Tafara-Joel sitzt auf dem Arm seines Papas. Da wo der Tresen jetzt steht, war bis vor zwei Wochen noch gar kein Verkaufsbereich.
Leslie und Bothwell Mwedzi stehen hinter dem neuen Tresen. Ihr Sohn Tafara-Joel sitzt auf dem Arm seines Papas. Da wo der Tresen jetzt steht, war bis vor zwei Wochen noch gar kein Verkaufsbereich. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Das junge Ehepaar hat im Laden vor der Neueröffnung etwas umgeräumt und den Verkaufsbereich vergrößert: "Wir haben vorn im Geschäft für mehr Platz gesorgt. Hinten im Lager ist es jetzt enger, aber das ist nicht so wichtig", erklärt Leslie Mwedzi. "Wir haben auch schon sehr viel positives Feedback dazu bekommen. Wegen des neuen Kaffee-Sortiments brauchten wir aber sowieso ein bisschen mehr Platz." Das neue Sortiment besteht aus vielen verschiedenen Kaffeesorten und dem dazu passenden Zubehör. "Die Kaffeebohnen kommen aus Äthiopien, Ruanda, Sambia, Burundi, Uganda und natürlich Simbabwe", sagt sie. "Geröstet werden die Bohnen dann aber bei einem Partnerunternehmen in Deutschland. Eine eigene Rösterei wäre natürlich ein Traum."

Von Reisen durch Afrika nach Herrnhut in den Kaffeeladen

Kennengelernt haben sich die beiden in Südafrika. "Ich war geschäftlich auf einem Kulturaustausch in afrikanischen Schulen unterwegs", sagt die 29-Jährige. "Bothwell hat dort zehn Jahre gelebt. In Simbabwe hatte er vorher schon in einer Küchenausstattungs-Firma verkauft. Als er später nach Deutschland zog, haben wir uns in Herrnhut wieder getroffen und sind dann zusammengekommen." Leslie kommt ursprünglich aus der Nähe von Wuppertal. "Aber ich lebe seit zehn Jahren hier in Herrnhut", sagt sie. "Mir gefällt es hier einfach. Für mich fühlt sich es wie zu Hause an."

Wie kommt man aber von einem Beruf im Kulturaustausch zum Verkäufer? "Da wir jetzt ein Kind haben, sind wir auch wesentlich sesshafter geworden", sagt Leslie Mwedzi. "Da kann ich einfach nicht so viel reisen wie in meinem alten Beruf. Irgendwo war uns klar, dass sich mit dem Kind einiges ändern wird." Im August verreist ihr Mann aber trotzdem. Der 37-Jährige will seine Heimat Simbabwe besuchen. In der Zeit muss sie den Laden ohne ihn führen. Ganz allein ist sie dann aber auch nicht. Ihr sechseinhalb Monate alter Sohn Tafara-Joel bleibt auch hier. "Tafara heißt so viel wie: Wir sind glücklich", erzählt die junge Mutter. Während der Abwesenheit ihres Mannes unterstützt sie eine Freundin. "Damit ich mich nicht allein um Kind und Laden gleichzeitig kümmern muss", erklärt sie.

Verkauft wird in dem Herrnhuter Geschäft auch nach wie vor alles rund um Tee, Schals aus Baumwolle und Seide, Süßes und Souvenirs, wie Teesträuße oder Kaffeetassen. "Das neue Kaffee-Sortiment wird aber von den Kunden auch sehr gut angenommen", freut sich Leslie Mwedzi. "Da wir die Kaffeebohnen aus Afrika bekommen, können wir damit auch die Kleinbauern dieser Länder unterstützen", sagt sie. Woher die jeweilige Kaffeesorte kommt, steht auf dem Päckchen mit drauf. "Wir wollen den Menschen den Geschmack der Welt zeigen", erzählt ihr Mann Bothwell schmunzelnd.

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