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Wird Zittaus Geschichte neu geschrieben?

König Ottokars Stadtumritt von 1255 könnte mit einem Preußen-Feldzug in Zusammenhang stehen. Allerdings gibt's Ungereimtheiten.

1855 gab die Stadt Zittau diese Karte "Zur Erinnerung an die 600-jährige Feier der Erhebung Zittaus zur Stadt" heraus. Das Hauptmotiv, Ottokars Umritt, wurde mit Illustrationen und Persönlichkeiten der Stadtgeschichte umrankt.
1855 gab die Stadt Zittau diese Karte "Zur Erinnerung an die 600-jährige Feier der Erhebung Zittaus zur Stadt" heraus. Das Hauptmotiv, Ottokars Umritt, wurde mit Illustrationen und Persönlichkeiten der Stadtgeschichte umrankt. © Heike Schwalbe (Repro)

Wohltätiger Landesvater mittleren Alters – das ist das Bild, dass sich historisch interessierte Zittauer wohl in erster Linie vom böhmischen König Ottokar II. machen. Stadtchronist Johannis von Guben hat, 100 Jahre danach, detailliert den Umritt des Königs um die junge Stadt beschrieben, mit dem er die Grenzen der mittelalterlichen Stadt festlegte. Das war 1255.

Im selben Jahr gründete Ottokar auch die Stadt Königsberg. Und es ist nicht auszuschließen, dass er den Auftritt in Zittau auf dem Hin- oder Rückweg zwischen seiner Hauptstadt Prag und der preußischen Region um Königsberg inszenieren ließ. Und diese Reise machte er nicht allein. Der ehrgeizige junge König (er war Mitte 20) führte 1255 einen Kreuzzug gegen die heidnischen Preußen. „Am 14. December 1255 brach Ottokar mit einem Heere auserlesener Streiter nach Norden auf“ schildert eine alte Quelle. 60.000 Kreuzfahrer sollen danach Anfang 1256 die zugefrorene Weichsel überschritten haben, um wie ein Wintersturm in Preußen einzufallen. Sie stürmten den Wald von Romove und brannten die „heilige Eiche“ der Preußen nieder. Die neue Burg Königsberg sollte, bewacht vom „Deutschen Orden“ die Macht der Kirche in der Region dauerhaft sichern.

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Die Quellen widersprechen sich allerdings. Königsberg wäre, obiger Quelle nach, dann wahrscheinlich erst 1256 gegründet worden. Und ob Zittaus Gründung im Zusammenhang mit diesem Feldzug erfolgte, ist fraglich. Schließlich passt die Jahreszeit nicht. Denn Winter war damals noch Winter. Und da wäre es sicher schwierig gewesen, die Stadtgrenze mit einem Pflug zu markieren ... Jedenfalls folgte diesem Pflug kein ehrenwerter reifer König, sondern ein recht junger Mann.

Um seine Macht zu festigen, heiratete Ottokar 1253 die fast 30 Jahre ältere Königswitwe Margarethe, verstieß sie aber 1261. Er heiratete die ungarische Prinzessin Kunigunde, gewissermaßen auf dem Wege zum Ziel, deutscher Kaiser zu werden. Ein Ziel, dass er allerdings nie erreichte. Dennoch ging Ottokar als „goldener König“ in die Geschichte ein. In seiner Lebenszeit beherrschte er immerhin das größte zusammenhängende Machtgebiet in Mitteleuropa. Er gründete die Wiener Hofburg und vollendete den Stephansdom. In Prag förderte er höfische Kultur und Minnesang. Die Verwaltungsgrenze zwischen Nieder- und Oberösterreich, die zu seiner Zeit festgelegt wurde, gilt bis heute.

Nicht zuletzt gründete er über 50 Städte – neben Königsberg und Budweis nicht zuletzt auch Zittau.

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