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Von Zittau schnurgerade nach Süden

1926 begann der Bau der Entlastungsstraße nach Olbersdorf. Bald wurde sie zur Allee. Diese Bezeichnung verdient sie heute nicht mehr.

Nur ein Pferdegespann nutzt die Entlastungsstraße von Zittau nach Olbersdorf auf dieser Aufnahme von 1930 - da war die Straße gerade fertig geworden.
Nur ein Pferdegespann nutzt die Entlastungsstraße von Zittau nach Olbersdorf auf dieser Aufnahme von 1930 - da war die Straße gerade fertig geworden. © SZ-Archiv

Vor 95 Jahren begann der Bau einer Entlastungsstraße zwischen Zittau und Olbersdorf. Das Vorhaben wurde notwendig durch den stetig zunehmenden Verkehr auf der engen und sich gewunden dahinschlängelnden Olbersdorfer Dorfstraße. Die geradlinig in südlicher Richtung verlaufende Trasse war sowohl für den Urlauberverkehr ins Zittauer Gebirge als auch für den Arbeiterverkehr zu den Firmen und Fabriken in Zittau und Umgebung von Bedeutung.

Als Ausgangspunkt wählte man die Zittauer Humboldtstraße, die einfach verlängert wurde. Allerdings musste dem Projekt im Olbersdorfer Oberdorf ein Wohnhaus weichen. 1927, ein Jahr nach Baubeginn, war die neue Straße bereits fertiggestellt. Es zeigte sich bald, dass sie als kürzester Weg von Zittau nach Süden oder zurück eine echte Entlastung war. Gebaut wurde der neue Verkehrsweg in einfachster Art: ohne Pflasterung und ohne Bürgersteige. An Abwassergräben wurde aber gedacht.

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Durch das Anpflanzen von Bäumen auf beiden Seiten wurde die Straße zur Allee. Im Frühjahr, wenn die Obstbäume blühten, war das ein besonders reizvoller Anblick, wie alte Ansichtskarten zeigen.

Auch heute noch wird der Verkehrsweg Entlastungsstraße genannt. Längst hat die Trasse einen glatten Asphaltbelag und verfügt auch über etliche Meter Fußweg. Doch leider kann man nicht mehr von einer durchgehenden Allee sprechen, abgesehen davon, dass ein extra Radweg ebenfalls schön wäre.

Vergessen werden sollte nicht, dass zu DDR-Zeiten fast das Ende dieses beliebten Verkehrsweges gekommen wäre, sollte doch die Olbersdorfer Braunkohlengrube zu einem Großtagebau zur Neiße hin ausgebaut werden. In der ersten Phase wäre das gesamte Niederdorf von Olbersdorf abgerissen und die Schmalspurbahn stillgelegt worden. Und in der zweiten Phase hätte es die Entlastungsstraße getroffen. Damit wäre der gesamte Verkehr von Zittau in südliche Richtung über Pethau, Hörnitz und Bertsdorf oder über die Lückendorfer Straße geleitet worden. Zum Glück wurde dieses Projekt 1990 gestoppt und das Ende der Kohleförderung aus der Olbersdorfer Grube beschlossen.

Obwohl der Straßenverlauf geradlinig ist, bietet sich beim Befahren landschaftliche Abwechslung. Von Zittau aus geht es auf der Humboldtstraße an der Kleingartenanlage „Erholung“, am Vorstadt-Bahnhof und an der Humboldtsiedlung vorbei. Hier endet Zittau. Ab der Einmündung Niederviebig ändert sich der Straßenname, wir befinden uns nun auf der Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße (nach 1945 Ministerpräsident des Landes Sachsen). Zu beiden Seiten wird sie von Feldern, Wiesen und Weiden sowie Häusern an Nebenstraßen gesäumt. Linksseitig findet man eine Kleingartenanlage, das große gelbe Olbersdorfer Schulgebäude, etwas abseits den Friedhof und den Neubau der Kirche, die 1986 geweiht wurde. Das Olbersdorfer Ortseingangsschild befindet sich ganz in der Nähe des ehemaligen Steinbruches, noch vor der Schule. An der sogenannten Apothekenkreuzung endet der Verkehrsweg. Hier mündet die Dorfstraße ein, die im Niederdorf August-Bebel-Straße heißt und als Ernst-May-Straße im Oberdorf fortgesetzt wird. Außerdem führen ab dem Kreisel Straßen nach Oybin, Jonsdorf und in die Grundbachsiedlung. Besonders jetzt, während der bereits drei Jahre währenden Bauarbeiten an der Olbersdorfer Dorfstraße, bewährt sie sich glänzend, diese Entlastungsstraße, die vor 95 Jahren entstand.

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