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Ehrgeizige Baupläne in Herrnhuts Mitte

Die Herrnhuter Diakonie will eine neue Kita bauen - nahe ihrem Seniorenheim. Aber nicht nur das. Noch aber sind für die Pläne rechtliche Hürden zu meistern.

Noch logiert in der stattlichen Villa eines Senffabrikanten am Rande von Herrnhut ein Kindergarten. Doch es gibt nun andere Pläne.
Noch logiert in der stattlichen Villa eines Senffabrikanten am Rande von Herrnhut ein Kindergarten. Doch es gibt nun andere Pläne. © Matthias Weber/photoweber.de

Herrnhut. In der Villa eines russischen Senffabrikanten in den Kindergarten gegangen zu sein - das ist doch mal was! Diakon Volker Krolzik schwärmt regelrecht von dem Gebäude, in dem sich die Diakonie-Kita "Senfkorn" befindet. Das Haus gehört in seinen Augen zu den schönsten in Herrnhut: Hochherrschaftlich, riesig und mit Balkon ist die Villa einst von Johann Caspar Glitsch erbaut worden. Glitsch hatte im russischen Missionsgebiet der Herrnhuter - in Sarepta bei Wolgograd - eine Senffabrik aufgezogen und die Speisewürze bis an den Zarenhof bekannt gemacht. Als Ruhesitz kehrte er nach Herrnhut zurück und lebte in dieser stattlichen Villa.

Doch so pikant die Geschichte des Hauses auch sein mag - eines ist klar: "Die Villa ist für einen Kindergarten, gerade auch mit Integrativkindern, die etwas mehr Raum brauchen, nicht wirklich geeignet", umschreibt der theologische Vorstand der Herrnhuter Diakonie das Problem. Es ist zu eng und auch den Hygienefragen wird das Haus nicht in allen Punkten gerecht. Deshalb will die Herrnhuter Diakonie neu bauen und hat dafür auch schon einen Plan, der allerdings mit einigen Hürden gespickt ist.

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Neben dem Altenheim Anna-Nitschmann-Haus soll der Kita-Neubau entstehen.
Neben dem Altenheim Anna-Nitschmann-Haus soll der Kita-Neubau entstehen. © Grafik: Anja Beutler/ Quelle: Open Street Maps/Her

Der Plan sieht vor, neben dem Seniorenheim "Anna-Nitschmann-Haus" - unweit des Zinzendorfplatzes - eine neue Kita zu bauen. Doch dafür braucht es einen Bebauungsplan, denn eigentlich ist das vorgesehene Gelände nicht für Bauvorhaben vorbehalten, es zählt sogar zum Außenbereich der Stadt, wo nicht gebaut werden darf. Hinzu kommt, dass auf dem Terrain zwischen Uttendörferweg, Wauergasse und dem Weg zum Altenheim ein Landschaftsschutzgebiet existiert. "Das stammt noch aus DDR-Zeiten und sollte ohnehin neu bewertet werden", sagt Volker Krolzik. So passt es, dass dies gleich im Zusammenhang mit dem nun angestrengten Bebauungsplan parallel geklärt werden kann.

"Wir wollen da nicht alles zubauen", betont Krolzik sofort mit Nachdruck. Elemente wie die Streuobstwiese, das kleine Biotop unweit des alten Bauernhauses, soll erhalten werden. Wichtig ist auch die Nähe von Altenheim zu Kindergarten - ein Konzept, das die Herrnhuter Diakonie und die Brüdergemeinde generell, auch an anderen Orten, erfolgreich pflegt. "Wir kennen das beispielsweise aus unserer Einrichtung in Gnadau in Sachsen-Anhalt und das soll dann auch in Herrnhut so sein", sagt Volker Krolzik.

Noch weitere Pläne in Schublade

Doch einen so großen und aufwendigen Schritt wie einen Bebauungsplan nimmt man nicht auf sich, wenn man "nur" eine neue Kita bauen will. In der Tat haben Diakonie und Evangelische Brüder-Unität, der das Grundstück gehört, noch weitere Pläne: "Wir tragen uns mit dem Gedanken an eine Erweiterung des Anna-Nitschmann-Hauses. Vor allem für Menschen mit Demenz, die nicht mehr mobil sind, sollen neue Wohnmöglichkeiten geschaffen werden", erklärt Krolzik die Perspektive. Auch ein Gebäude mit Wohnräumen für Menschen mit Behinderung, die ins Rentenalter gekommen sind und mehr Unterstützung benötigen, wäre perspektivisch in Richtung "Weg zum Altenheim" denkbar. Die Weichen sollen in dem Plan bereits gestellt werden.

Dass der integrative Kindergarten den Namen Senfkorn trägt, ist bei der Geschichte der Villa naheliegend.
Dass der integrative Kindergarten den Namen Senfkorn trägt, ist bei der Geschichte der Villa naheliegend. © Matthias Weber/photoweber.de
Eine herrlich große Fläche nahe eines Waldstückes gibt es ringsum. Im ersten Stock leben Menschen mit Behinderung, im Erdgeschoss ist die Kita.
Eine herrlich große Fläche nahe eines Waldstückes gibt es ringsum. Im ersten Stock leben Menschen mit Behinderung, im Erdgeschoss ist die Kita. © Matthias Weber/photoweber.de

Wenn es nach der Herrnhuter Diakonie geht, soll mit dem Kita-Bau - dem dringendsten Projekt - rasch begonnen werden. Ein Haus in Holzbauweise, nachhaltig zudem, soll es werden. "Wir haben die Hoffnung, dass es noch 2022 fertig wird", sagt Volker Krolzik. 50 Plätze sind in der Kita bislang vorhanden, die sollen es auf alle Fälle wieder sein. Derzeit werde aber um eine Aufstockung auf 70 verhandelt, um gegebenenfalls Plätze für Kinder von Mitarbeitern vorzuhalten. Ob diese ehrgeizige Zeitschiene mit den nötigen Fristen eines Bebauungsplanes zusammenpasst, wird sich zeigen.

Sicher ist aber, was aus der Senffabrikanten-Villa nach dem Auszug der Kita werden wird: "Das Haus bleibt bei der Diakonie", versichert Krolzik. Und für die Bewohner mit Behinderung, die in den Wohnungen im ersten Stock derzeit leben, sollen dann Räume im Erdgeschoss entstehen. "Für diejenigen, die nicht mehr in die Werkstätten zum Arbeiten gehen, weil sie im Ruhestand sind, soll es dort dann Angebote geben", erklärt der Diakon.

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