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Wurde an der Albertstraße zu viel abgerissen?

Die Häuser Albertstraße 16 und 18 in Zittau sollen saniert werden. Zuerst wurde aber abgerissen. Der Umfang wird von Denkmalschützern massiv kritisiert.

Von Jan Lange
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Blick vom Innenhof auf die abgerissenen Häuser Albertstraße 16 und 18.
Blick vom Innenhof auf die abgerissenen Häuser Albertstraße 16 und 18. © Matthias Weber/photoweber.de

Viel ist von den historischen Häusern Albertstraße 16 und 18 nicht stehengeblieben. Die Fassade zur Albertstraße steht noch - bei der Nummer 16 nur teilweise. Rückwärtig stehen ein paar wenige Wände und Hausteile. Dabei hieß es noch vor einigen Wochen vonseiten der Stadt, dass so viel historische Bausubstanz wie irgend möglich erhalten werden soll.

Bei jeder Sanierungsmaßnahme von Gebäuden im historischen Stadtkern Zittau müsse, sagt Susanne Mannschott, Geschäftsführerin der Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft (ZSG), zwangsweise abgewogen werden, ob eine Erhaltung eine Nutzung zulässt, ob diese überhaupt aus Aspekten der öffentlichen Sicherheit wie auch der Arbeitssicherheit während der Baumaßnahme vertretbar ist und ob der wirtschaftliche Mehraufwand für eine Erhaltung vertretbar ist.

Wurde bei der Albertstraße 16/18 mehr abgerissen als genehmigt? Zittaus Bauaufsicht hat die Baustelle am 14. Oktober kontrolliert, erklärt Stadtsprecher Kai Grebasch. "Der jetzt vorhandene Torso weicht unwesentlich von der Bauplanung ab", so Grebasch. Im rückwärtigen Teil der Nummer 16 sei die hintere Außenwanddecke aufgrund der zum Abbruchbeginn bereits bestehenden Schäden nicht haltbar gewesen. "Die Fassade zur Albertstraße konnte gegenüber den genehmigten Bauvorlagen vollständig bis zur zukünftigen Traufhöhe erhalten werden." Aus diesen Worten schlussfolgert Thomas Göttsberger vom Stadtforum Zittau, dass bei der Albertstraße 16 das abgetragene zweite Obergeschoss nicht mehr wieder aufgebaut werden soll.

Für Göttsberger sind die Sanierungsarbeiten ein Trauerspiel. Er bezweifelt, dass wirklich alles so marode gewesen ist, dass es abgebrochen werden musste. Ein Foto aus dem Jahr 2012 lasse dies vermuten. Die Dachflächen der beiden Gebäude zur Albertstraße hin sehen darauf noch relativ dicht aus. Im Erdgeschoss der barocken Albertstraße 16 gab es massive Gewölbedecken, die sicher erhalten hätten werden können, wenn die vor vielen Jahren aufgetretenen Risse in der Rückwand des Gebäudes beizeiten repariert worden wären.

Alte Häuser stützen sich gegenseitig

Alte Häuser stützen sich auch gegenseitig. Durch den fast kompletten Abriss der beiden Gebäude könnten auch statische Gefahren für die Albertstraße 14 und 20 auftreten. Gerade die Albertstraße 14 mit ihren Renaissancedecken ist eines der wichtigsten Gebäude in der Reihe, so Thomas Göttsberger.

Die Bedenken sind nicht unberechtigt. Tatsächlich gab es in Zittau schon solch ein Beispiel. Nachdem das Nachbargebäude des ehemaligen Ifa-Vertriebes auf der Brunnenstraße abgerissen wurde, wurde damals versäumt, das barocke Ifa-Gebäude abzustützen und zu sichern. Das Gebäude riss in der Mitte auseinander und musste deshalb im Jahr 2004 abgerissen werden.

Ziel der Stadtsanierung könne es nicht sein, so Göttsberger, nur die historischen Fassaden stehen zu lassen und dahinter alles neu zu bauen. Es sollte vielmehr von der originalen Bausubstanz so viel wie möglich erhalten werden. Von den beiden Häusern Albertstraße 16 und 18 steht jedenfalls nicht mehr viel.

Von den beiden Häusern Albertstraße 16 und 18 steht nicht mehr viel.
Von den beiden Häusern Albertstraße 16 und 18 steht nicht mehr viel. © Matthias Weber/photoweber.de

Sollten die Zittauer nicht froh sein, dass endlich etwas an den zwei Häusern getan wird? Schließlich stehen sie seit Jahren leer und verfallen immer weiter.

Für Thomas Göttsberger ist das kein Argument. Denn für den baulichen Zustand sei der Eigentümer verantwortlich. Er habe die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude so weit "vergammeln" lassen, dass äußerst große Schäden an der Bausubstanz eingetreten sind. Durch den jetzigen erheblichen Eingriff in die Bausubstanz werde die Bedeutung der Denkmale eklatant negiert", findet Göttsberger.

Dabei sind die zwei Häuser städtebaulich, hausgeschichtlich und baugeschichtlich von Bedeutung. Die Albertstraße 16 wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut und verfügt über ein barockes Portal. Die benachbarte Nummer 18 wurde zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert errichtet und ist vom Stil ein schlichter klassizistischer Bau.

Die jahrelange Untätigkeit des Eigentümers werde jetzt durch eine großzügige Förderung „belohnt“, meint Göttsberger. Da sich die beiden Gebäude im Sanierungsgebiet befinden, hätte die Stadt auch baurechtliche Möglichkeiten gehabt, um auf eine Verbesserung des Gebäudezustandes hinzuwirken, steht für den ehrenamtlichen Denkmalschützer fest.

Stadtrat beschloss 2018 eine Förderung

Göttsberger befürchtet, dass auch andere Hauseigentümer nun freie Bahn haben, die nicht so viel historische Bausubstanz erhalten wollen. Deshalb wollen Zittaus ehrenamtliche Denkmalschützer dem Ganzen nicht tatenlos zusehen. Sollte widerrechtlich etwas abgerissen worden sein, müsse das Konsequenzen haben. Es gebe Beispiele, wo Eigentümer ein abgerissenes Haus oder Teile wieder aufbauen mussten.

Ob es dazu auch bei der Albertstraße 16/18 kommt, kann bezweifelt werden. Die Untere Denkmalbehörde des Kreises ließ die Frage der SZ nach einer möglichen Überprüfung der Baumaßnahme unbeantwortet. Kreissprecherin Julia Bjar teilte nur mit, dass die Planungsunterlagen gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege geprüft und befürwortet wurden.

Der Zittauer Stadtrat beschloss 2018 eine Förderung in Höhe von maximal 1,25 Millionen Euro. Die damalige Kostenschätzung des Planers belief sich auf rund 2,25 Millionen Euro. Für dieses Geld will der Eigentümer zwei neue Wohnhäuser bauen. Die SZ konnte den Eigentümer für eine Stellungnahme nicht erreichen.

Gebäude leisten wichtigen Beitrag für das Quartier

Susanne Mannschott sieht in dieser Maßnahme die Chance, die Albertstraße in eine neue Nutzung zu bringen und den weiteren Verfall zu stoppen. Dieser hätte ihrer Meinung nach zum Gesamtverlust der Gebäude und neuen Baulücken geführt, für diese aktuell keine Interessenten für Neubauten vorhanden sind.

"Diese mittig in der Albertstraße liegenden Gebäude leisten einen wichtigen Beitrag für das Quartier", findet die ZSG-Chefin. Und sie fügt hinzu: "Mit der Herstellung nutzungsfähigen Wohnraums in diesen Gebäuden nimmt die seit Jahrzehnten durch den kompletten Funktionsverlust geprägte Straße wieder innenstadtgerechte Funktionen auf und wird sich auch positiv auf das in Sanierung befindliche Alberthotel auswirken. Wir hoffen, es schließen sich weitere Maßnahmen an."