merken
PLUS Zittau

Ist Hirschfelder Laubenhaus ungenügend gesichert?

Wegen der B99-Baustelle in Hirschfelde wurde das Eckhaus am Markt zusätzlich abgestützt. Allerdings gibt es Kritik an der Ausführung.

Das Eckhaus an der B99-Kurve in Hirschfelde wurde mit zusätzlichen Balken abgestützt. Fachleute kritisieren allerdings die Ausführung.
Das Eckhaus an der B99-Kurve in Hirschfelde wurde mit zusätzlichen Balken abgestützt. Fachleute kritisieren allerdings die Ausführung. © Foto: Matthias Weber

Lange haben die Hirschfelder darauf gewartet, dass die B99-Kurve am Markt ausgebaut wird. Seit August laufen die Bauarbeiten, die inzwischen sichtbar voranschreiten. Die bei der Baumaßnahme auftretenden Erschütterungen und deren Auswirkungen auf benachbarte Häuser und Anlagen sind nicht immer sofort zu erkennen.

Anzeige
Handwerk, das unbezahlbar ist!
Handwerk, das unbezahlbar ist!

Mit "Herz und Hand" heißt eine neue Kampagne im UnbezahlbarLand. Sie erklärt genau, warum Handwerker Motor und Rückgrat einer ganzen Region sind.

Um mögliche Schäden am historisch bedeutsamen Vorlaubenhaus zu vermeiden, wurde vor Beginn der Bauarbeiten mit dem Landesamt für Denkmalpflege über zusätzliche Sicherungen diskutiert.

Bei dem Vor-Ort-Termin wurden speziell zwei Schwachpunkte identifiziert, teilt Zittaus Stadtsprecher Kai Grebasch auf SZ-Anfrage mit. Die jahrelang ungenutzten Schornsteine waren so verschlissen, dass mögliche Erschütterungen hier ein Zusammenbrechen auslösen könnten. Daher wurden die Schornsteine vorsichtshalber abgetragen.

Zudem sollte sichergestellt werden, dass Erschütterungen schadlos vom Gebälk und dem Fachwerk aufgenommen werden, und keine Risse oder Ausplatzungen entstehen. Wie Kai Grebasch weiter mitteilt, wurde vonseiten der Denkmalpfleger vorgeschlagen, die Ständerkonstruktion im Erdgeschoss mittels einer Holzkonstruktion auszukreuzen. Die Konstruktion ist vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), das für das Bauvorhaben verantwortlich ist, beauftragt worden.

An der Ausführung der zusätzlichen Sicherung gibt es allerdings scharfe Kritik. Sie bringe im Ernstfall gar nichts, meint Joachim Faitsch. Faitsch ist Restaurator für historische Holzkonstruktionen und beschäftigt sich nach eigener Aussage seit rund 20 Jahren mit der denkmalgerechten Restaurierung historischer Fachwerk- und Holzbauten. In Hirschfelde gehört ihm unter anderem das "Schiefe Haus" an der Friedensgasse.

Faitsch ist überzeugt, dass so eine Auskreuzung wie am Vorlaubenhaus nur in einem geschlossenen Rahmen etwas bringt. "Dazu braucht es aber am Boden entlang einen Schwellengurt, der mit den äußersten Umgebindeständern fest verbunden ist", meint der aus dem baden-württembergischen Wolfach stammende Bauforscher. "In diesem Falle sind die Auskreuzungen noch zusätzlich als 'sprengende' Gefahr zu sehen", glaubt Faitsch. Für ihn ist das eine "unglaubliche und wirkungslose Bastelei", die statt das Gebäude zu sichern sogar das Gegenteil bewirken könnte. "Mit dem Aufwand hätte man an den Lauben etwas zielführenderes machen können", findet er.

Die Holzkonstruktion soll nach Fertigstellung der Straßenbaumaßnahme wieder entfernt werden, informiert Kai Grebasch. Geplant sind die Bauarbeiten und die damit verbundene Vollsperrung der Bundesstraße bis Ende Oktober. Erst danach wird sich zeigen, ob die zusätzliche Sicherung ihren Zweck erfüllt hat oder nicht.

Mehr zum Thema Zittau