merken
PLUS Zittau

Europäischer Brückenbauer und Helfer

Der in Zittau geborene Journalist Hans Lindemann ist jetzt mit 92 Jahren in Köln verstorben. Bis zuletzt hielt er den Kontakt in die alte Heimat.

Hans Lindemann, hier vor dem Kölner Dom.
Hans Lindemann, hier vor dem Kölner Dom. © privat

Von Marina Michel

Den Kontakt zu seiner Heimat hat Hans Lindemann in all den Jahren nie abreißen lassen. Selbst in DDR-Zeiten hatte er Verbindungen nach Zittau. Nach dem Fall der Mauer setzte er alles daran, neue grenzüberschreitende Netzwerke zu den östlichen Nachbarn zu knüpfen. Zudem wurde er Mitglied des Freundeskreises Kloster St. Marienthal in Ostritz. Bis zuletzt hat er die Zittauer Ausgabe der SZ mit großem Interesse gelesen.

Anzeige
Leise rieseln die Rabatte
Leise rieseln die Rabatte

Mit den Adventscoupons sichern Sie sich unschlagbare Rabatte & die besten Angebote in der Adventszeit für Löbau und Zittau

Hans Lindemann galt als exzellenter Kenner Osteuropas und als begnadeter Organisator mit weitreichenden Verbindungen. Noch in guter Erinnerung sind die vielbeachteten internationalen Kongresse in Deutschland, Belgien und Tschechien. So stießen die Tagungen im tschechischen Hejnice 2005 und 2006 auf großes Medieninteresse. Ebenso die Tagungen im März 2008 in Ostritz/St.Marienthal zum Thema "Die Neiße als Schicksalsfluss für Deutsche, Polen, Tschechen und Griechen" sowie große Veranstaltungen in Dresden. Immer legte er Wert darauf, dass auch Lehrer, Studenten und Schüler an den Tagungen teilnehmen konnten.

Nach West-Berlin geflohen

Am 2. August 1928 in Zittau geboren, wuchs Hans Lindemann in Reichenau (heute Bogatynia/Polen) auf. Sein Vater betrieb dort die zweitgrößte Färberei der Oberlausitz. Im Juni 1945 wurde die Familie vertrieben. In Leipzig legte Hans Lindemann 1947 sein Abitur ab, wurde aber wegen seiner "großbürgerlichen Herkunft" nicht zum Jurastudium zugelassen. So war er bis 1951 als beauftragter Amtsanwalt tätig, musste aber im November nach West-Berlin fliehen. Er hatte heimlich für den Untersuchungsausschuss freiheitlicher Juristen gearbeitet und fünf politischen Häftlingen mit gefälschten Papieren aus den Haftanstalten Zwickau und Waldheim in Sachsen zur Flucht verholfen. Anderen zu helfen, blieb für ihn ein lebenslanges Credo.

Lindemann studierte Wirtschaftswissenschaften und Politologie an der Universität Frankfurt/Main, der FU Berlin und der Deutschen Hochschule für Politik in West-Berlin. 1955 wurde er mit dem Theodor-Heuss-Preis ausgezeichnet. Von 1962 an arbeitete er für Radio Deutsche Welle in Köln, zuletzt als Hauptabteilungsleiter der Zentralredaktion Politik/Wirtschaft.

Der europäische Gedanke stand für Hans Lindemann über all seinem Tun. Er wird als Brückenbauer nach Ost und West auch den Menschen in der Oberlausitz, die ihn kannten und erleben konnten, in Erinnerung bleiben. 

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Zittau