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Jubel

So reagierte Polizei auf eine besondere Idee

Redakteure zeigen zum 75. SZ-Geburtstag Erinnerungsstücke von besonderem Wert. Warum Jan Lange eine Vorladung in seinen Akten liegen hat.

Vor 17 Jahren flatterte SZ-Redakteur Jan Lange eine Vorladung zur Polizei ins Haus. Anlass war ein Bericht einige Wochen zuvor.
Vor 17 Jahren flatterte SZ-Redakteur Jan Lange eine Vorladung zur Polizei ins Haus. Anlass war ein Bericht einige Wochen zuvor. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Als Redakteure erleben wir jeden Tag spannende Geschichten und haben interessante Begegnungen. Manche bleiben besonders in Erinnerung. Hier zeigen die Mitarbeiter der Redaktion Löbau-Zittau Erinnerungsstücke, die mit einem bestimmten Artikel in Verbindung stehen.

Eigentlich sollte nur ein normales Bild für einen SZ-Artikel gemacht werden. Doch das, was danach folgte, war keinesfalls normal. Am 15. November 2004 flatterte mir eine Vorladung zur Polizeidirektion Görlitz ins Haus. Der Vorwurf wog schwer: Missbrauch von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen gemäß Paragraph 132a Strafgesetzbuch (StGB).

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Einige Monate zuvor hatten sich die SZ-Mitarbeiter Gedanken über eine Sommerserie gemacht. Die Wahl fiel auf "In fremder Haut". Dafür sollten die Redakteure verschiedene Berufe testen. Meine Kollegen sind unter anderem als Bademeister, Säuglingsschwester, Tierarzt, Bäckerlehrling, Zimmermädchen, Zeitungszusteller oder Braumeister tätig.

Mir wurde die Aufgabe als Bürgerpolizist zugedacht. Im Löbauer Polizeirevier treffe ich mich am 2. September 2004 mit Dieter Lorenz, um ihn bei seiner Arbeit zu begleiten. Wir sind in Herrnhut auf dem Wochenmarkt unterwegs, treffen uns mit dem Herrnhuter Ordnungsamtsleiter Dagomar Oboth, um letzte organisatorische Dinge für das "Gartenhausgespräch" mit dem damaligen Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) abzuklären.

Aber es sind nicht nur schwerwiegende Dinge, die geregelt werden müssen. Eine Frau auf dem Wochenmarkt sucht den Verkaufsstand für Kunstblumen und bittet den Bürgerpolizisten um Hilfe, eine andere Frau ist aufgeregt wegen eines kaputten Parkscheinautomaten und erhofft sich Rat. Dieter Lorenz sieht sich als Bindeglied zwischen Bürger und Polizei. Im besten Sinne "dein Freund und Helfer".

Fotograf lichtet uns im Streifenwagen ab

Nach einem Rundgang durch die Löbauer Innenstadt sind wir am Nachmittag zurück in der Polizeistation, wo bereits SZ-Fotograf Matthias Weber auf seinen Einsatz wartet. Dieter Lorenz leiht mir eine Polizeimütze und ein Polizeihemd. Zusammen setzen wir uns in den silber-grünen Streifenwagen, während der Fotograf uns durch das offene Fenster ablichtet.

Zwei Tage später erscheint der Artikel unter der Überschrift "Dein Freund und Helfer" mit besagtem Foto in der SZ - und löst besagtes polizeiliches Nachspiel aus. Denn ein Leser ist der Meinung, dass ich mich unberechtigt als Polizist ausgebe. Er stellt Anzeige.

So wurde 2004 in der SZ berichtet - mit ungeahnten Folgen.
So wurde 2004 in der SZ berichtet - mit ungeahnten Folgen. © Archivfoto: Matthias Weber

Am 23. November soll ich mich zum Tatvorwurf äußern. Ich erkläre den Beamten, dass ich mich gegenüber dritten Personen nicht als Polizist ausgegeben habe, sondern den Bürgerpolizisten in Zivil begleitet habe. Die Uniform wurde lediglich für das Foto übergestreift. Verwundert war ich auch, dass mich "Kollege" Lorenz nicht auf die Rechtsverletzung aufmerksam gemacht hat.

Knapp zwei Monate später, am 20. Januar 2005, meldet sich die Staatsanwaltschaft Görlitz schriftlich bei mir. "Das Ermittlungsverfahren gegen Sie habe ich mit Verfügung vom 20. Dezember 2004 gemäß Paragraph 170 Abs. 2 Strafprozessordnung eingestellt", teilt Staatsanwalt Sauter zu meiner Erleichterung mit.

Die beiden Schreiben bewahre ich bis heute auf, denn es kommt nicht so oft vor, dass Journalisten zur Polizei vorgeladen werden.

Übrigens haben SZ-Redakteure auch später immer mal wieder Berufe getestet - zuletzt vor etwas mehr als einem Jahr. "Einer muss es ja machen" hieß diese SZ-Serie. Auch da wurde es für mich richtig dreckig - allerdings nur beim Kloputzen.

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