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Die Kirche mit dem höchsten Turm Zittaus

Vor 130 Jahren wurde das katholische Gotteshaus „Mariä Heimsuchung“ geweiht. Inzwischen wird sie durch eine Fastentuchkopie bereichert.

Die Pfarrkirche „Mariä Heimsuchung“ Zittau, historische Ansicht von 1910.
Die Pfarrkirche „Mariä Heimsuchung“ Zittau, historische Ansicht von 1910. © Sammlung Rolf Hill

Der Himmel meinte es offensichtlich gut mit den Gläubigen an jenem 29. September des Jahres 1890. Obwohl eigentlich dem Heiligen Michael gewidmet, stand der Tag diesmal ganz im Zeichen von „Mariä Heimsuchung“. Diesen Namen sollte das neuerbaute katholische Gotteshaus an der heutigen Lessingstraße in Zittau fortan tragen. Zahlreiche Gemeindemitglieder hatten sich aus diesem feierlichen Anlass, der bereits um 7 Uhr begann, hier eingefunden. Bischof Dr. Ludwig Wahl würdigte den neuen Sakralbau als „eine Stätte der Andacht und der Ausgießung des göttlichen Gnadenstromes“ und übergab ihn seiner Bestimmung.

Des Lobes voll war der Berichterstatter der „Zittauer Nachrichten“ bezüglich der „reichen Schönheit und geschmackvollen Architektur“ des neuen Gotteshauses, „das seinem Erbauer, Herrn Stadtrat Professor Knote-Seek, Direktor der königlichen Baugewerkeschule in Zittau, hohe Ehre macht“, wie er schrieb. Der Redakteur hob die Fenster in der Apsis und den Seitenemporen hervor: „Im Inneren der Kirche sind es vor allem die nach Ansprüchen von Sachkundigen als ,musterhaft und vollendet schön bezeichneten Glasfenster der hiesigen königlich sächsischen Hofglasmalerei Türcke & Schlein, welche mit ihren biblischen Szenen das Herz jedes Andächtigen wundersam erheben müssen.“

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Bis 1845 keine katholische Gemeinde

Die katholischen Gläubigen, die zur Weihe vor 130 Jahren gekommen waren, hatten lange auf diesen Tag gewartet. Nach der Reformation hatte es bis zum Jahre 1845 keine eigene katholische Gemeinde in Zittau mehr gegeben. Erst ein Jahr nach der Wiedergründung, die vor allem auf den Zustrom von Wanderarbeitern aus Böhmen und Schlesien zurückzuführen war, erfolgten wieder regelmäßig monatliche Gottesdienste. Etwa 20 Jahre lang hatten die Gemeindemitglieder gegen einen entsprechenden Mietzins die Kirche St. Jakob (Hospitalkirche) mitbenutzen können. Erst 1883 konnte Bischof Franz Bernet den Grundstein für ein katholisches Gotteshaus in Zittau legen, dessen Bau mehr als sieben Jahre dauerte.

Bis heute prägt die katholische Marienkirche das Zittauer Stadtbild maßgeblich mit. Dafür sorgt auch der mit 72 Metern weithin sichtbare Kirchturm, der damit höchster Turm von Zittau ist. Aber die Kirchgemeinde kann auch auf eine einmalige Errungenschaft der Neuzeit verweisen: Seit 2009 beherbergt „Mariä Heimsuchung“ eine Einmaligkeit – das dritte Zittauer Fastentuch. Es verdeckt während der österlichen Bußzeit den Hochaltar.

Wie kam es nach Zittau? Als Dr. Mechthild Flur-Lemberg, langjährige Leiterin der Textilrestaurierungswerkstatt der Abegg-Stiftung in Riggisberg bei Bern und Ehrenbürgerin der Stadt Zittau, im Herbst 2008 im Museum Kirche zum Heiligen Kreuz einen Vortrag über das „Turiner Grabtuch“ hielt, wurde der Wunsch wach, mit einer Kopie dieser Reliquie die ursprüngliche liturgische Funktion der Fastentücher wieder lebendig werden zu lassen. Deshalb hat die Pfarrei „St. Marien“ Zittau eine kostbare Kopie in Turin erworben. Auf dem Tuch sind die Worte aus dem Markusevangelium zu lesen: „Josef kaufte ein Leinentuch, nahm Jesu vom Kreuz, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war.“

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