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Zittau: Grünes Licht für Kaufland-Neubau

Der Stadtrat hat dem mehr als 20 Millionen Euro teuren Vorhaben des Handelsriesen in der Chr.-Keimann-Straße zugestimmt. Aber was wird aus dem Bettenlager und Repo?

Der Kaufland-Markt an der Christian-Keimann-Straße in Zittau.
Der Kaufland-Markt an der Christian-Keimann-Straße in Zittau. © Thomas Eichler (Archiv)

Zittau. Mit Applaus haben viele Kaufland-Mitarbeiter am Donnerstagabend die Zustimmung des Zittauer Stadtrates zum Abriss und Neubau des Kaufland-Marktes an der Christian-Keimann-Straße quittiert. Sie waren gekommen, um zu sehen und zu hören, wie sich die Stadt positioniert. Zuvor hatten David Sawall und Andreas Voigt aus der Firmenzentrale des Handelsriesen die Lage skizziert. Das ist der Stand:

Warum will Kaufland neu bauen?

Der Verbrauchermarkt in der Christian-Keimann-Straße ist ein Umsatzbringer. Mit einer Million Kunden pro Jahr soll er einer der am stärksten frequentierten in Ostdeutschland sein. Rund 45 Prozent der Kunden kommen aus dem Zittauer Umland, 17 Prozent sind Tschechen. Kaufland geht davon aus, dass es noch mehr Tschechen werden, weil die Zahl der Einwohner in der tschechischen Nachbarregion steigt. Die Vertreter des Handelsriesen sehen den Zittauer Markt auch nicht in einer deutschen Randlage, sondern in einer europäischen 360-Grad-Region.

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Außerdem ist der um 1900 als Textilfabrik errichtete Gebäudekomplex in die Jahre gekommen und entspricht in vielen Bereichen nicht mehr den modernen Anforderungen an einen Verbrauchermarkt. Vor diesem Hintergrund hätte der Konzern ohnehin investieren müssen. Nach Aussagen der Kaufland-Vertreter würde ein Umbau in etwa dieselbe Summe kosten wie der Neubau. Allerdings müssten dabei viel mehr Kompromisse eingegangen werden. Außerdem könnte zum Beispiel die Christian-Keimann-Straße nicht verbreitert werden.

Was soll wann gebaut und abgerissen werden?

Kaufland will zuerst Nebengebäude abreißen, sodass im Westen des jetzigen Marktes eine große Freifläche entsteht. Die Zufahrt an dieser Stelle, am ehemaligen Pförtner, wird geschlossen. Auf der Fläche ist der Neubau eines 76 mal 108 Meter großen Marktes geplant. Er wäre damit in etwa so groß wie der jetzige Kaufland-Markt ohne Repo und Dänisches Bettenlager. Das Gebäude soll weitestgehend eingeschossig und acht Meter hoch werden. Auf das Dach kommen Solaranlagen. Bis zur Fertigstellung läuft der Betrieb im jetzigen Markt weiter. Dann wird auch er abgerissen. An seiner Stelle sollen Parkplätze entstehen, darunter viele mit Ladesäulen für Elektroautos. Die Christian-Keimann-Straße will Kaufland im jetzigen Einbahnstraßenbereich auf eigene Kosten auf sechs Meter Breite, zwei Fahrspuren sowie mit Gehwegen und Radfahrstreifen ausbauen. Alleinige Zufahrt bleibt die in der Nähe der Brückenstraße. Das Gelände soll offen und einsehbar gestaltet werden.

Das gesamte Vorhaben veranschlagt Kaufland mit mehr als 20 Millionen Euro. Wann es losgeht, steht noch nicht fest. "Im nächsten Schritt werden wir die Bauantragsunterlagen einreichen", teilte Andrea Kübler aus der Firmenzentrale in Neckarsulm am Freitag auf Anfrage mit. Erst danach stehe der Zeitplan fest. Die SZ-Bitte, die im Stadtrat gezeigte Visualisierung des Marktes veröffentlichen zu dürfen, erfüllte Kaufland nicht.

Was bedeutet der Neubau für die Kunden?

Der Markt wird deutlich attraktiver. Wie das aussehen kann, hat vor fünf Jahren Rewe in Zittau-Süd vorgemacht. Es wird deutlich mehr Parkplätze geben. Für Menschen mit Behinderungen wird er weniger Barrieren haben. Auf der anderen Seite werden einige Waren, die es jetzt noch auf dem Gelände gibt, nicht mehr angeboten.

Was bedeutet der Neubau für die Mitarbeiter?

Die wichtigste Botschaft: Die 112 Arbeitsplätze im Verbrauchermarkt in Zittaus Osten bleiben erhalten. Auch während der Bauphase soll niemand in Kurzarbeit gehen müssen oder gar gekündigt werden. Die Arbeits- und Pausenbedingungen sollen sich spürbar verbessern.

Was bedeutet der Neubau für Anwohner?

Die Anlieferung der Waren soll künftig ausschließlich über die Zufahrt in der Nähe der Brückenstraße erfolgen, das Be- und Entladen nicht mehr so dicht an den Wohnhäusern. Dadurch würde laut der beiden Kaufland-Vertreter der Lärmpegel für Anwohner deutlich sinken. Zudem könnte die Christian-Keimann-Straße nach dem Ausbau durch Kaufland in beide Richtungen befahren werden.

Was bedeutet der Neubau für die Innenstadt-Händler?

Die Antwort auf diese Frage war entscheidend dafür, ob die Zittauer Stadträte der Bauvoranfrage zustimmen oder sie ablehnen. Die Stadt hat ein Einzelhandelskonzept, dass den Innenstadt-Händlern den Verkauf bestimmter Waren vorbehält. Kaufland, Repo, Dänisches Bettenlager und Co. verkaufen diese aber auch. Zittau hätte den Neubau mit Verweis auf diese Regelung verhindern können. Eine nicht öffentliche Stellungnahme des Chef-Stadtplaners der Verwaltung soll laut eines Stadtrates genau das empfohlen haben. Der Planer wurde während des Stadtrates aber nicht gehört. Stattdessen folgten die Stadträte den Argumenten der Kaufland-Vertreter. Dazu gehörte, dass 50 Prozent der Tschechen, die zu Kaufland kommen, angeblich auch in die Innenstadt gehen und dort im Jahr eine siebenstellige Summe ausgeben. Ihrer Ansicht nach zieht Kaufland also auch Kunden für die Innenstadt.

Zudem kommt Kaufland der Stadt entgegen, verkleinert die Gesamtverkaufsfläche um über 40 Prozent auf dann nur noch reichlich 6.000 Quadratmeter und lässt auf dem Gelände künftig weniger innenstadtrelevante Waren verkaufen - allerdings weitestgehend auf Kosten der Mieter wie Repo und Dänisches Bettenlager. Die Kaufland-Vertreter erklären sich auch bereit, an einem Konzept zur Lenkung von Kunden in die Innenstadt mitzuwirken und Werbung für die Innenstadt im neuen Markt zuzulassen. Die Alternative wäre gewesen: Kaufland saniert den bestehenden Gebäudekomplex und verkauft auf der größeren Fläche weiter so viele Produkte, die den Innenstadt-Händlern vorbehalten sind, wie bisher. Mehrfach war am Donnerstag von "Bestandsschutz" die Rede.

Was bedeutet der Neubau für das Bettenlager und Repo?

Das Dänische Bettenlager und der Repo-Markt spielen in den Kaufland-Plänen keine Rolle mehr. Demnach werden sie wohl ihre angestammten Läden verlieren. Die Stadt hat angeboten, sie bei der Suche nach neuen Verkaufsflächen zu unterstützen.

Was bedeutet der Neubau für die Stadt?

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Vor allem Einnahmen. Kaufland zahlt für seine beiden Märkte in Zittau rund 280.000 Euro Gewerbesteuer in die Stadtkasse. Nach Aussagen der beiden Kaufland-Vertreter sind das drei Prozent der gesamten Gewerbesteuer, die Zittau im Jahr einnimmt. Zudem bleiben die 200 Arbeitsplätze in den beiden Märkten in Zittau-Ost und -West erhalten und damit die Einkommensgrundlagen für viele Menschen, die in Zittau leben und Geld ausgeben. Außerdem verschwindet ein alter Industriekomplex, für den eine andere Nutzung nicht absehbar ist.

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