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Kein Corona-Bonus fürs Klinikum-Personal

Bei der Verteilung der angekündigten Prämien vom Bund gehen die Mitarbeiter in den Krankenhäusern der Oberlausitz leer aus. Warum das so ist.

Auf Corona- und Intensivstationen leisten Pflegekräfte gerade Schwerstarbeit.
Auf Corona- und Intensivstationen leisten Pflegekräfte gerade Schwerstarbeit. © Waltraud Grubitzsch/dpa

Es geht durch alle Medien und wird als große Geste der Bundesregierung verkündet: Für ihre Leistungen in der Corona-Pandemie sollen Pflegekräfte eine finanzielle Anerkennung bekommen: Eine einmalige Prämie von bis zu 1.000 Euro pro Person stellt der Bund zur Verfügung, die Länder können noch einmal um bis zu 500 Euro aufstocken.

Nach den Mitarbeitern in Pflegeheimen soll nun auch das Personal in Krankenhäusern in den Genuss dieser Prämie kommen. Beim Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen (GKV) findet man dafür auch große Worte: „Wir sind dankbar für das große Engagement der Pflegerinnen und Pfleger bei der Versorgung von Corona-Patienten", so sagte es Stefanie Stoff-Ahnis vom Vorstand des GKV-Spitzenverbands Anfang September.

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Und der Verband habe auch eine Lösung gefunden, die "eine schnelle Auszahlung der Corona-Prämie an diese besonders belasteten Pflegekräfte im Krankenhaus ermöglicht." 100 Millionen Euro stehen in dem Topf zur Verfügung, der nach diesem extra entwickelten Konzept an die Kliniken verteilt werden soll.

Nur nicht an die Mitarbeiter in den Krankenhäusern der Oberlausitz. Die Kliniken zwischen Weißwasser und Zittau nämlich sind nach diesen bundesweit geltenden Verteilungsregeln schlicht "nicht anspruchsberechtigt". So erklärt es eine Sprecherin des Sächsischen Sozialministeriums. Der Grund dafür liegt schon ein paar Monate zurück.

Die Prämie fußt nämlich auf den Corona-Fällen in der ersten Welle im Frühjahr. Anspruchsberechtigt sind demnach nur Kliniken, in denen zwischen dem 1. Januar und dem 31. Mai eine bestimmte Mindestzahl an Covid-19-Patienten behandelt worden sind. Weil die erste Corona-Welle im Kreis Görlitz aber nicht so stark war, wurden die geforderten Mindestzahlen hier nicht erreicht.

So geht es nicht nur den Kliniken in der Oberlausitz. Nach dieser Berechnung kommen in Sachsen überhaupt nur 14 von 78 Krankenhäusern in den Genuss der Prämie. Das berichtet das MDR-Magazin Umschau unter Bezug auf eine Auflistung der anspruchsberechtigten Häuser.

Aktuelle Situation auf den Stationen spielt keine Rolle

Die aktuelle Situation auf den Intensiv- und Corona-Stationen spielt dabei keine Rolle. Zur Stunde werden in den sechs Kliniken im Kreis Görlitz 196 Menschen mit einer Corona-Infektion behandelt, 22 von ihnen auf Intensivstationen. Nur sieben Intensivbetten waren am Dienstag nicht belegt, vor einigen Tagen war sogar nur noch ein einziges Bett frei.

"Was die Mitarbeiter hier gerade leisten, ist enorm und wirklich außergewöhnlich", sagt beispielsweise der Geschäftsführer des Klinikums Oberlausitzer Bergland mit den Häusern in Zittau und Ebersbach. Steffen Thiele spricht sogar von einem "nahezu übermenschlichen Einsatz" der Ärzte und Pflegekräfte in der gegenwärtigen Situation.

Doch wie gesagt: Die gegenwärtige Situation spielt für die Prämienverteilung keine Rolle. Und bisher gibt es auch keine Hinweise darauf, ob sie möglicherweise doch noch mit eingerechnet werden kann oder das Programm für die zweite Corona-Welle noch einmal neu aufgelegt wird. "Dazu liegen uns keine Erkenntnisse vor", heißt es auf Nachfrage aus Sachsens Sozialministerium.

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