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Sind das Deutschlands beste Kleingärten?

Der Zittauer Kleingärtnerverein "Zur Weinau" will trotz einiger leerer Parzellen den Landeswettbewerb "Gärten in der Stadt" gewinnen - und dann deutschlandweit antreten.

Yvonne Bay mit dem Nachbarsjungen Felix.
Yvonne Bay mit dem Nachbarsjungen Felix. © Matthias Weber/photoweber.de

Yvonne Bay hat den kleinen Felix auf dem Arm. Er ist der Sohn des Vorstands und kennt sich auf der Anlage schon gut aus. Er nascht der Gärtnerin auch gern mal die eine oder andere Erdbeere weg. Yvonne Bay ist Schatzmeisterin im Verein. Sie selbst hat so viel Freude am Gärtnern, dass sie gleich zwei Parzellen bewirtschaftet. Und jetzt will sie mit dem Kleingartenverein auf bundesweiter Ebene überzeugen, obwohl dieser immer noch mit einigen leerstehenden Parzellen zu kämpfen hat.

"Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht", sagt Frau Bay. "Bei uns ist nicht alles perfekt wie in den Großstädten, aber gerade hier sieht man auch wie vielfältig Kleingärten sein können. Jede Parzelle sieht anders aus", sagt sie. "Wir sind sehr stolz auf unsere Anlage." Wenn der Verein mit seiner Anlage am 13. Juli unter die besten drei aus ganz Sachsen kommt, qualifiziert er sich für das bundesweite Finale.

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Erst seit November steht fest, dass der Wettbewerb stattfinden kann. In der Bewerbung hatte Yvonne Bay einen Lageplan, Infos zur Historie und zu den Projekten des Vereins angegeben. Auch wichtig bei dem Wettbewerb ist die ökologische Nachhaltigkeit sowie der Zusammenhalt untereinander. Die Stadt muss für die Teilnahme eine Stellungnahme abgeben. Denn die Zusammenarbeit zwischen ihr und dem Verein geht ebenfalls in die Wertung ein. "Andere Vereine haben durchaus große Probleme mit der Stadt", erklärt Bay. "In den Großstädten ist das schon häufiger so."

Für die Gesamtdarstellung des Vereins ist auch entscheidend wie viel Zeit und Mühe die Mitglieder in ihren Garten stecken. Hauptaugenmerk legt die Kommission bei der Punktevergabe aber auf die Bundes-Kleingartenordnung. Die fünf Punkterichter müssen einschätzen wie sehr sich die gesamte Anlage an diese hält.

Auch die Integration der Anlage in die Stadt spielt eine wichtige Rolle. "In großen Städten wie Dresden müssen die Anlagen einen Ausgleich an Grünflächen liefern, die Stadt braucht diese Anlagen teilweise regelrecht", sagt Bay. "Vereine, die dagegen nicht gebraucht werden, bekommen viel Stress mit der Verwaltung. Wir haben solche Probleme nicht."

Auch Jüngere begeistern sich für das Gärtnern

Auch wenn viele der Mitglieder bereits Jungrentner sind, entdecken immer mehr auch junge Familien das Kleingärtnern für sich. "Die Kleingartenflächen werden immer mehr zur Freizeitbeschäftigung für die Kinder", erklärt Bay. Auffällig sind die vielen Pools und die Spielsachen. Auch die Grundschule Weinau hat eine eigene Parzelle, die sie während des Sachkundeunterrichts pflegen. Die Gärtner der älteren Generation setzen mehr auf die dekorative Gestaltung oder den Anbau und die Ernte. "Erdbeeren aus dem eigenen Garten schmecken auch gleich völlig anders als die aus dem Laden", erzählt die 49-Jährige.

Uwe Wenk (67): "Das draußen sein ist einfach toll. Ich bin meistens den ganzen Tag über hier. Besonders gefällt mir, dass ich mich mit meiner Ernte selbst versorgen kann. Ich stelle auch selber Apfelsaft her. Ich verschenke meine Ernte auch regelmäßig im Verein, weil ich das alles allein gar nicht essen kann. Auch ansonsten hab ich hier alles, was ich brauche. Meine Sitzecke, meine kleine Werkstatt und einen Teich, in dem manchmal auch Ringelnattern sind. Auch kleine Vögel können sich bei mir in den Vogelhäuschen ausruhen. Den anderen helfe ich auch gern im Garten. Als Vorstandsmitglied schaue ich schließlich auch, ob alles in Ordnung ist."
Uwe Wenk (67): "Das draußen sein ist einfach toll. Ich bin meistens den ganzen Tag über hier. Besonders gefällt mir, dass ich mich mit meiner Ernte selbst versorgen kann. Ich stelle auch selber Apfelsaft her. Ich verschenke meine Ernte auch regelmäßig im Verein, weil ich das alles allein gar nicht essen kann. Auch ansonsten hab ich hier alles, was ich brauche. Meine Sitzecke, meine kleine Werkstatt und einen Teich, in dem manchmal auch Ringelnattern sind. Auch kleine Vögel können sich bei mir in den Vogelhäuschen ausruhen. Den anderen helfe ich auch gern im Garten. Als Vorstandsmitglied schaue ich schließlich auch, ob alles in Ordnung ist." © Matthias Weber/photoweber.de
Andreas (63) und Martina Herrmann (62): "Die Bewegung an der frischen Luft und der Kontakt mit den anderen ist schon was Tolles. Wir haben den Garten hier seit 2013 und der Sohn vom Vorstand ist auch oft bei uns. Wir sind manchmal mehr oder weniger die "Leihgroßeltern". Die Gartenarbeit ist auch super zur Selbstversorgung. Mein Mann liebt ja Erdbeeren so sehr. Ich mag aber die Rosen am meisten. Das braucht natürlich alles viel Pflege. Aber sich nach der Arbeit in der Sitzecke auszuruhen ist auch einfach ein schönes Gefühl."
Andreas (63) und Martina Herrmann (62): "Die Bewegung an der frischen Luft und der Kontakt mit den anderen ist schon was Tolles. Wir haben den Garten hier seit 2013 und der Sohn vom Vorstand ist auch oft bei uns. Wir sind manchmal mehr oder weniger die "Leihgroßeltern". Die Gartenarbeit ist auch super zur Selbstversorgung. Mein Mann liebt ja Erdbeeren so sehr. Ich mag aber die Rosen am meisten. Das braucht natürlich alles viel Pflege. Aber sich nach der Arbeit in der Sitzecke auszuruhen ist auch einfach ein schönes Gefühl." © Matthias Weber/photoweber.de
Anita Hannig (73): "Mein Mann und ich pflegen diesen Kleingarten jetzt schon 40 Jahre! Und es macht immer noch genauso viel Freude wie am Anfang. Man hat hier mit jedem Kontakt und hält sich auch fit. Mich freut es immer, wenn man bei der Ernte auch die Erfolge sieht. Es ist ein tolles Gefühl, wenn sich die Arbeit auszahlt. Während Corona war der Kleingarten ein ganz besonderer Rückzugsort, wie eine kleine eigene "Oase". Auch wenn mein Mann und ich sehr viele Kartoffeln anbauen, ist der Pfirsichbaum, glaube ich, mein Lieblingsstück. Er ist schon etwas besonderes."
Anita Hannig (73): "Mein Mann und ich pflegen diesen Kleingarten jetzt schon 40 Jahre! Und es macht immer noch genauso viel Freude wie am Anfang. Man hat hier mit jedem Kontakt und hält sich auch fit. Mich freut es immer, wenn man bei der Ernte auch die Erfolge sieht. Es ist ein tolles Gefühl, wenn sich die Arbeit auszahlt. Während Corona war der Kleingarten ein ganz besonderer Rückzugsort, wie eine kleine eigene "Oase". Auch wenn mein Mann und ich sehr viele Kartoffeln anbauen, ist der Pfirsichbaum, glaube ich, mein Lieblingsstück. Er ist schon etwas besonderes." © Matthias Weber/photoweber.de

Viel Fläche, aber nicht alles wird verwendet

"Jeder ist hier sein eigener Kleingartenarchitekt", sagt Bay. Dafür hat jedes Vereinsmitglied durchschnittlich 300 Quadratmeter Fläche. "Das ist mehr Fläche als in den meisten Großstädten. Insgesamt hat die Anlage 141 Kleingärten. "Die meisten Leute hier haben zu Hause keinen Garten", erklärt sie. "Das ist in der Stadt bei den vielen Neubauten normal. Dafür stecken sie in die Kleingärten hier sehr viel Liebe hinein."

Dennoch stehen einige Parzellen leer. Aus drei ehemaligen Parzellen wird daher im Herbst eine neue Streuobstwiese. Dort kann jeder Kleingärtner der Anlage sich an dem frischen Obst bedienen. Aus der alten Streuwiese wird jetzt ein Auffangbecken für die anliegende Kläranlage.

Auch die Vogelschänke wurde saniert. Frisch sanierte Fenster und eine neue Sicherheitstür ersetzen ihre in die Jahre gekommen Vorgänger. Auch das Dach wurde neu gemacht, berichtet Yvonne Bay. In Zukunft ist auch ein kleiner Sinnesgarten geplant. Doch 2019 brennt die Baracke neben der Vogelschänke nieder. Nach dem Neuaufbau waren die finanziellen Möglichkeiten nicht mehr da.

Yvonne Bay gibt dem kleinen Felix noch eine Erdbeere, bis er wieder spielen geht. Sie nimmt ihre Gartenharke und widmet sich ihren Beeten. Ein wenig Unkraut lässt sie aber immer stehen: "An einem Garten ganz ohne Unkraut ist irgendetwas faul. Manches ist auch gar nicht schlimm", schmunzelt sie.

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