merken
PLUS Zittau

Kostet der Heimplatz jetzt 360 Euro mehr?

Die Bewohner der Awo-Heime im Landkreis müssen wieder mehr bezahlen. Angehörige sprechen von hohen Steigerungen und dass es an Corona liegt. Ist dem so?

Auch im Awo-Altenpflegeheim "Friedrich Wagner" in Olbersdorf kostet der Heimplatz seit Anfang des Jahres mehr.
Auch im Awo-Altenpflegeheim "Friedrich Wagner" in Olbersdorf kostet der Heimplatz seit Anfang des Jahres mehr. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Wird durch Corona alles teurer? Der Friseurbesuch oder Essen gehen kosten schon seit dem Frühjahr mehr. Nun scheint sich die Pandemie auch auf die Altenpflege auszuwirken. Dass zumindest vermutet Horst Münch*. Eine Bekannte wurde von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Oberlausitz darüber informiert, dass für den Heimplatz in Olbersdorf ab diesem Jahr mehr bezahlt werden muss. Erst vor einem Jahr hatte sich der Eigenanteil erhöht. Der Eigenanteil steige jetzt um ganze 360 Euro im Monat, berichtet Horst Münch. Das sei "schon eine Menge Holz", findet er.

Awo-Geschäftsführer Dirk Reinke bestätigt, dass die Entgelte erhöht wurden, betont aber gleichzeitig, dass die Entwicklung in keinem Zusammenhang mit der Corona-Pandemie steht. Die generelle Lohnsteigerung und die Entwicklung der Sachkosten nennt Reinke vielmehr als Gründe für die Erhöhung.

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

Mit den Kostenträgern wurde deshalb über die Entgelte verhandelt. Mit dem Ergebnis, dass sie zum 1. Januar 2021 angehoben wurden - um acht bis 14 Prozent. Und das für alle stationären Einrichtungen der Awo Oberlausitz. Das Unternehmen betreibt im Landkreis Görlitz fünf Altenpflegeheime in Olbersdorf, Zittau, Jonsdorf, Großschönau und Görlitz. Laut Dirk Reinke stimme die Angabe, dass es jetzt 360 Euro mehr im Monat koste, aber nicht. Im Altenpflegeheim Olbersdorf beträgt die Steigerung demnach nur 178,27 Euro pro Monat in den Pflegegraden 2 bis 5.

Gute Rente wird durch Eigenanteil aufgebraucht

Im Altenpflegeheim "Friedrich Wagner", das die Gemeinde Olbersdorf 2013 in die Trägerschaft der Awo übergeben hatte, ist der Heimplatz am günstigsten. Hier beträgt der Eigenanteil für Bewohner bei den Pflegegraden 2 bis 5 rund 1.815 Euro. Im Vergleich dazu muss im Altenpflegeheim An der Mandau in Großschönau bei diesen Pflegegraden ein Eigenanteil von gut 2.027 Euro bezahlt werden.

Seine Bekannte, berichtet Horst Münch, bekomme eine gute Rente einschließlich Witwenrente. Aber diese werde nun durch den Eigenanteil aufgebraucht. Nur ein Taschengeld bleibe noch übrig. Sie könne sich aber zumindest noch den Heimplatz leisten.

Der Bescheid über die Erhöhung sei kurz vor dem Infektionsschub in den Altenheimen eingetroffen, sagt Horst Münch. Über Wochen gehörten die Senioreneinrichtungen im Landkreis Görlitz zu den Corona-Hotspots mit vielen Infizierten und zahlreichen Todesfällen. Auch kleinere Orte wie beispielsweise Oybin verzeichneten aus dem Grund sehr viele Todesfälle. In dem Gebirgsort waren es bei insgesamt "nur" 85 Corona-Erkrankten bisher schon 13 Tote, was einen Anteil von über 15 Prozent bedeutet. Der Oybiner ist der höchste Wert im ganzen Landkreis, in dem insgesamt rund 5,3 Prozent aller Corona-Infizierten verstorben sind.

Bekannte steckte sich ebenfalls an

"Der Schutz der Heime hat ja wunderbarerweise gut funktioniert", meint Horst Münch ironisch. Seine 86-jährige Bekannte steckte sich ebenfalls mit dem Coronavirus an, konnte diese aber glücklicherweise überstehen. Auch deshalb will er seinen richtigen Namen lieber nicht veröffentlichen, um seiner Bekannten keine Schwierigkeiten zu bereiten.

Die Mehraufwendungen der Heime, die durch die Corona-Schutzmaßnahmen entstehen, sollten staatlich subventioniert werden, findet Horst Münch.

Immerhin setzt sich die Awo dafür ein, die ständig steigenden Eigenbeteiligungen für die Bewohner zu begrenzen. Dafür startete sie bereits im Januar 2019 eine Petition, die zum Inhalt hatte, die Finanzierung der steigenden Kosten durch andere Möglichkeiten zu sichern. Die Petition war erfolgreich, wurde durch den Petitionsausschuss des Bundestages an das Bundesgesundheitsministerium überwiesen, aber bis heute aus unterschiedlichen Gründen nicht weiter bearbeitet. "Ein Grund war sicher auch Corona", vermutet Dirk Reinke.

*Name von der Redaktion geändert

Update 26. Januar 2021, 17.30 Uhr: In einer Erstfassung des Artikels wurden die Eigenanteile für den Pflegegrad 1 verglichen. Bewohner im Pflegegrad 1 werden in stationäre Pflegeeinrichtungen aber nicht aufgenommen, sondern vorwiegend ambulant versorgt, sagt Awo-Geschäftsführer Dirk Reinke. Er hat zudem der Aussage widersprochen, dass die Erhöhung im Olbersdorfer Altenheim 360 Euro im Monat beträgt. Wir haben seinen Widerspruch nachträglich eingefügt.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Weiterführende Artikel

Alle Infos zum Coronavirus im Kreis Görlitz

Alle Infos zum Coronavirus im Kreis Görlitz

Infektionszahlen, Polizeikontrollen und die Auswirkungen auf das Leben der Bewohner: Aktuelle Geschichten und Entwicklungen dazu sind hier zu lesen.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Mehr zum Thema Zittau