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"Ich bereue kein einziges Stück"

Dorotty Szalma verabschiedet sich nach acht Jahren vom Zittauer Theater. Wirtschaftlich und künstlerisch war es eine gute Zeit, meint sie rückblickend.

Dorotty Szalma kam 2013 ans Zittauer Theater, nach acht Jahren endet ihr Vertrag in diesem Sommer.
Dorotty Szalma kam 2013 ans Zittauer Theater, nach acht Jahren endet ihr Vertrag in diesem Sommer. © Archivfoto: Pawel Sosnowski

Für Dorotty Szalma brechen die letzten Wochen am Zittauer Theater an. Mit dem Ende der Spielzeit wird die Schauspielintendantin das Haus verlassen. Acht Jahre leitete sie das Schauspiel. Im SZ-Interview blickt Dorotty Szalma auf diese Zeit zurück.

Frau Szalma, der Trennung sollen Differenzen zwischen Ihnen und dem neuen Theaterchef Daniel Morgenroth vorausgegangen sein. Ist dem so?

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Ja.

Seit 2013 haben Sie das Zittauer Schauspiel geleitet. Dass Sie acht Jahre in Zittau bleiben, hätten Sie das am Anfang gedacht?

Ich habe nicht in Jahreszahlen gerechnet, mir ging es darum, Träume zu träumen und Ziele zu verwirklichen.

Gibt es noch Ziele, die Sie in den acht Jahren nicht erreicht haben?

Es gibt vieles, das ich gerne noch verwirklicht hätte. Die polnischen Nachbarn in der Grenzregion müssen eineinhalb Stunden bis zum nächsten Theater fahren. Der Weg nach Zittau ist wesentlich kürzer. Ein großer Traum war, die grenzüberschreitende Arbeit zu intensivieren und ein Theater für die Zuschauer aus den drei Ländern zu werden. Durch Kooperationen mit unseren tschechischen und polnischen Partnern ist dieser Traum ansatzweise Realität geworden. Wir wollten zum Beispiel das Weihnachtsmärchen in zwei Sprachen inszenieren und es eine Woche lang auf Polnisch anbieten. Mit dem Klassenzimmerstück "Es ist, was nicht war" von Olivier Garofalo gehen wir jetzt diesen Schritt. Das Stück behandelt das Thema häusliche Gewalt an Kindern, ein Problem, dass durch die Pandemie verstärkt und gleichsam in den Fokus gerückt wurde. Im Mai wurde das Stück erstmals in Polen gezeigt, nachdem es bereits im Februar 2020 Premiere in Zittau gefeiert hatte. Inzwischen gab es eine weitere Vorstellung für Lehrer in Bogatynia. Ab September wird es an polnischen Schulen aufgeführt.

Warum ist das nicht früher mit dem Weihnachtsmärchen gelungen?

Die Vorstellungen des Märchens waren immer sehr gut besucht. Einige Vorstellungen in Polnisch anzubieten, hätte bedeutet, dass wir weniger Vorstellungen auf Deutsch spielen können. Das wollten wir nicht. Mehr Zeit für das Märchen einzuräumen, hätte uns eine andere Inszenierung gekostet. Auch das war noch nicht die Lösung.

Außer "Es ist, was nicht war" wird wohl kein weiteres Stück aus Ihrer Zeit übernommen. Einige Stücke wurden zuletzt nur ein einziges Mal aufgeführt. Wie sehen Sie diese Entscheidung?

Ein Theater, das immer am Hungertuch nagt, arbeitet nicht für den Mülleimer. Die Stücke waren fertig erarbeitet und wurden mit relativ wenig Aufwand zur Premiere gebracht. Man darf nicht vergessen, an Inszenierungen hängen auch Existenzen. Diese Zittauer Tabula rasa muss ich nicht verstehen.

Mit dem Wechsel der Theaterleitung gibt es keine Veränderungen im Schauspielensemble. Das war vorher nie der Fall. Warum jetzt?

Es gibt eine Betriebsvereinbarung, dass während der Kurzarbeit keine Nichtverlängerungen von Verträgen ausgesprochen werden durften.

Anm. d. Red.: Die Vereinbarung zur Kurzarbeit läuft Ende Juli aus.

Wie fällt Ihr Resümee nach acht Jahren als Zittauer Schauspielintendantin aus?

Nach dem ersten Jahr hatten wir steigende Zuschauerzahlen, erreichten auf der Waldbühne Besucherrekorde und konnten die Einnahmen im Vergleich zu den Ausgaben verdoppeln, die Auslastung an sich konnte sich sehen lassen. Aus künstlerischer Sicht: wir haben sehr viele Uraufführungen und deutsche Erstaufführungen auf die Bühne gebracht. Die Außenwahrnehmung des Zittauer Theaters ist mutig und modern.

Manchem Zuschauer wurden zu viele moderne und unbekannte Stücke gespielt. Ist das Zittauer Publikum nicht so offen, wie es gern beschrieben wird?

Macht man es an den Besucherzahlen fest, sind die Zuschauer offen. Natürlich gibt es einen Teil des Publikums, der sich lieber Komödien oder das Märchen anschaut. Andere wollen intellektuelles Theater erleben. Ich denke, dass wir für alle etwas geboten haben. Es gibt auch Stücke, die waren kein so guter Griff. So traf "Raucher/Nichtraucher" nicht den Humor der Zittauer Theaterbesucher. Ich bereue aber keine einzige Stückwahl.

An deutschen Theatern sind zuletzt viele Kinohits wie "Honig im Kopf" oder "Ziemlich beste Freunde" auf die Bühne gebracht worden. Warum nicht in Zittau?

Wir wollten bewusst nicht auf fahrende Erfolgszüge aufspringen. Man kann nicht ständig nur etwas nachmachen. Erfolgreich, aber trotzdem einzigartig zu sein, war mir wichtig. Und Filme haben wir ja auch auf die Bühne gebracht. Das beste Beispiel sind die Waldbühnenstücke, die auf den Filmen von Bud Spencer und Terence Hill basieren.

Wie kam es dazu, diese Kultfilme zu Theaterstücken zu machen?

Uns sind die regionalen Heldensagen ausgegangen. "Zorro" oder "Robin Hood" sind tolle Abenteuer, aber alle in Jonsdorf schon gespielt worden. Wir wollten die Zuschauer weiterhin mit Neuem und Überraschendem verwöhnen. Das Theater braucht die Zuschauer der Waldbühne. Es gab Überlegungen, zum Beispiel "Peter Pan" oder "In 80 Tagen um die Welt" zu machen, aber am Ende entschieden wir uns für Bud Spencer und Terence Hill. Es war nicht einfach, an die Rechte zu kommen. Wir haben mit der Erbin der Produktionsfirma hin und her verhandelt und uns am Ende in der Mitte getroffen.

An welches Stück erinnern Sie sich besonders gern?

Einer meiner Lieblinge war "Alois Nebel". Dass dieses Stück so viel geballte Energie und Emotion hat, war für mich überraschend. Es ist toll, überrascht zu werden. Am meisten als Geschichte berührt hat mich "Am Boden". Selten ging mir ein Stück so unter die Haut.

Gibt es Stücke, die Sie gern realisiert hätten, die aber - aus welchen Gründen auch immer - nicht inszeniert wurden?

Ja, es gibt einen Pool an Stücken. Manche sind im Pool geblieben. Die Gründe sind vielfältig. Ich bin deswegen nicht traurig, weil wir dafür andere Stücke inszeniert haben.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Zittauer Theaters?

Für die Mitarbeiter wünsche ich mir viele tolle Projekte, für die Schauspieler jede Menge tolle Rollen und Sicherheit und für die Zuschauer auch künftig tolle Theatererlebnisse.

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