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Zittau

Er leitet künftig das Zittauer Theater

Ingo Putz ist der Nachfolger von Dorotty Szalma. Er hatte bereits von Zittau und dem Theater gehört - lange vor seinem ersten Besuch an der Mandau.

Ingo Putz ist der neue Schauspieldirektor des Zittauer Theaters.
Ingo Putz ist der neue Schauspieldirektor des Zittauer Theaters. © Matthias Weber/photoweber.de

Wenn es an der Spitze eines Theaters einen Wechsel gibt, kommt es auch oft zu einem "Kahlschlag" im Ensemble. Als Roland May 2001 Klaus Stephan als Intendant in Zittau ablöste, mussten acht Schauspieler gehen. Bei Mays Abschied 2009 waren es ebenfalls acht Darsteller - einige gingen mit ihm ans Theater Plauen-Zwickau. Auch als Carsten Knödler 2013 nach Chemnitz wechselte, folgte ihm eine Reihe Mimen. Insgesamt verlor das Zittauer Theater damals neun Ensemblemitglieder.

Nun gibt es wieder einen neuen Schauspieldirektor, aber keine Veränderung im Ensemble. Alle Darsteller bleiben dem Theater in der nächsten Spielzeit erhalten - zur Freude von Ingo Putz. Der 47-Jährige leitet künftig das Zittauer Haus und findet es gut, dass niemand "heraus geboxt" wurde.

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Er freut sich auf das Zittauer Ensemble. Als freier Regisseur ist er es gewohnt, mit Leuten zu arbeiten, die er noch nicht so gut kennt. Der gebürtige Hesse leitete bis Mitte 2019 die Junge Sparte am Theater Konstanz und inszenierte danach als freier Regisseur für diverse Bühnen. So arbeitete er jüngst in St.-Peter-Ording, war dann kurz nach Zittau gekommen, und ist nun zurück in Konstanz, um den Umzug an die Mandau zu regeln.

Ende August will er mit der Familie umziehen, wenig später beginnen die Proben zu "Slapstick", der ersten Premiere der neuen Spielzeit. So wie seine Vorgänger leitet Putz nicht nur das Schauspiel, er inszeniert auch. Das ist ihm wichtig, um mit dem Ensemble direkt arbeiten zu können. Zu viel inszenieren will er aber nicht. Die Leitung des Schauspiels ist an sich schon eine große Aufgabe. Bei zwei Stücken führt er in der ersten Spielzeit in Zittau Regie.

In die Wiege gelegt war ihm das nicht. Seine Eltern waren Arbeiter und hatten keine Zeit, ins Theater zu gehen. Er war der erste in der Familie, der studierte - Biologie und Musiklehramt. Über das Oldenburger Universitätstheater und die freie Theaterszene kam er ans Oldenburger Staatstheater. Sein Vater sei nicht amüsiert gewesen, dass er den künstlerischen Weg einschlug, erzählt Putz. Er hatte gehofft, dass er Lehrer wird. "Ich musste deshalb immer erfolgreich sein", sagt der 47-Jährige. Die Übernahme der Schauspielleitung in Zittau ist eine weitere Erfolgsstufe.

Sein erster Eindruck von Zittau fiel positiv aus. Als er über Ostern das erste Mal die Mandaustadt besuchte, war er überrascht, wie groß sie ist und welche tollen Gebäude es hier gibt. "Da bekommt man Lust, hier zu wohnen", meint der neue Schauspieldirektor.

Von Zittau gehört hatte er vor seinem ersten Besuch bereits. Am Oldenburger Theater arbeitete er mit Shenja Lacher zusammen, der in Zittau spielte und hier zum Liebling des jüngeren Publikums avancierte. Mit dem gebürtigen Zittauer Rüdiger Hauffe hatte Ingo Putz ebenfalls früher zu tun und hörte so nur Gutes über die kleine Stadt an der Mandau.

Putz: "Schön, einen Aufbruch mitzuerleben"

Anfangs war der 47-Jährige darauf eingestellt, am Gerhart-Hauptmann-Theater nur als Regisseur zu arbeiten. Der neue Intendant Daniel Morgenroth, den er aus Konstanz kennt, versprach ihm Gastverträge. Irgendwann sagte Morgenroth zu ihm, dass er einen neuen Schauspieldirektor suche und ihn für diese Aufgabe haben möchte. Bei dem Angebot zögerte er nicht lange, sagt Putz. "Es ist schön, einen Aufbruch mitzuerleben."

Dazu gehört, dass es wieder Theaterpädagogen gibt. Ingo Putz findet es gut, wenn das Theater nach Corona mehr auf die Schulen zugeht, um sie mit den eigenen Mitteln bei der Behebung der negativen Folgen der Pandemie zu unterstützen.

Auf die grenzüberschreitende Arbeit freut er sich ebenfalls. Erfahrungen damit hat er. In Oldenburg gab es einen regen Austausch mit den holländischen Nachbarn und das Konstanzer Theater wurde auch von vielen Schweizern besucht. Darüber hinaus wurden die Jugendstücke in den Schweizer Schulen aufgeführt.

Da erst dieses Jahr entschieden wurde, die Schauspielleitung neu zu besetzen, hatte Ingo Putz keinen Einfluss auf den Spielplan der nächsten Saison. Der stand bereits fest. "Wenn man in ein bestehendes Team reinkommt, muss man den Spielplan annehmen", findet Ingo Putz. Den Spielplan der Folgejahre wird er dann mitgestalten.

Auch in seiner ersten Spielzeit habe er Gestaltungsmöglichkeiten und viel Mitsprache, sagt Putz. Im Team zu entscheiden, empfindet er als Vorteil. Die ihre Führungsrolle ausspielen, hält er das Charlie-Chaplin-Zitat entgegen: "Macht brauchst du nur, wenn du etwas Böses vorhast. Für alles andere reicht Liebe, um es zu erledigen."

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