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Zittau

Wo Nationalismus das Denken bestimmt

Das im März ausgefallene Stück "Endland" feiert am Sonnabend am Zittauer Theater Premiere. Es geht um Flüchtlinge - und eine fiktive Zukunft, die real scheint.

Eine Szene aus dem Stück "Endland".
Eine Szene aus dem Stück "Endland". © Pawel Sosnowski

Das Gerhart-Hauptmann-Theater zeigt am 3. Oktober um 19.30 Uhr auf der Zittauer Studiobühne mit "Endland" einen Blick in ein Deutschland, in dem eine tot geglaubte Ideologie das Denken bestimmt. Die Inszenierung von Patricia Hachtel ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Martin Schäuble.

Ursprünglich sollte das Stück am 14. März Premiere haben. Doch kurz zuvor kam die Absage, weil das Theater den Spielbetrieb coronabedingt einstellen musste. Nun wird die  Aufführung nachgeholt.

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Darin hat eine nationalistische Partei in Deutschland die Macht übernommen und sich mit einer Grenzmauer von Flüchtlingen und Migration abgeschottet. Vor diesem Hintergrund kreuzen sich die Wege des äthiopischen Flüchtlingsmädchens Fana, das in Deutschland auf ein Medizinstudium hofft und des deutschen Soldaten Anton, der hinter dem Programm der Regierungspartei steht.

In der Produktion sind der Theaterjugendclub und Mitglieder des Schauspielensembles beteiligt. Die Inszenierung ist eine Kooperation mit den Städtischen Museen Zittau zum Projekt "Entkommen - das Dreiländereck zwischen Vertreibung, Flucht und Ankunft".

Der Inhalt des Stückes klingt laut Theater sehr real in einem Deutschland, wo das politische Klima immer rauer wird, Politiker einzelner Parteien vorschlagen, Flüchtlinge mit Waffengewalt loszuwerden und flüchtende Menschen vor lauter Verzweiflung unvorstellbare Risiken auf sich nehmen.

Der Autor Martin Schäuble zeichnet in seinem Roman "Endland" zwar eine fiktive Zukunft, trifft damit aber nach Aussage des Theaters den Zeitgeist. So stehen Deutschland und Äthiopien stellvertretend für viele andere Länder auf der Welt mit ähnlichen Problemen.

Patricia Hachtel ist am Zittauer Haus als Schauspielerin, Regisseurin und Dramaturgin tätig. Sie möchte nach eigener Aussage nicht einfach ein klares Bild von Gut oder Böse aufzeigen, sondern Fragen anregen wie: "Wer entscheidet, welche Gründe für Flucht gerechtfertigt sind und welche nicht? Warum reagieren Menschen so, wie sie reagieren?"

Mit Endland will sie das Publikum anregen, sich selbst Gedanken zu machen. "Denn genau wie der junge Soldat Anton müssen wir entscheiden wofür wir stehen und für welche Werte wir eintreten wollen." (SZ)

Die Termine

  • Sonnabend, 3.10.20, 19.30 Uhr – Premiere
  • Freitag, 9.10.20, 19.30 Uhr
  • Mittwoch, 14.10.20, 19.30 Uhr – Studententag

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