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"Eine 'offene Zweierbeziehung' wäre für mich eine Herausforderung"

Am Zittauer Theater hat Freitag "Offene Zweierbeziehung" Premiere. Inszeniert wird die Tragikomödie von Amina Gusner, die im Interview mehr zum Stück verrät.

Von Jan Lange
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Maria Weber und Marc Schützenhofer spielen in dem Zwei-Personen-Stück die Hauptrollen.
Maria Weber und Marc Schützenhofer spielen in dem Zwei-Personen-Stück die Hauptrollen. © Pawel Sosnowski

Ihre Uraufführung erlebte die Tragikomödie "Offene Zweierbeziehung" von Dario Fo und Franca Rame 1983. Fast 40 Jahre später wird das Stück nun am Zittauer Theater inszeniert - Freitag ist Premiere. Die SZ sprach vorab mit der Regisseurin Amina Gusner.

Frau Gusner, Sie arbeiten zum ersten Mal am Zittauer Theater. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Den Chefdramaturgen Martin Stefke kenne ich schon lange, zuletzt durch die Inszenierung am Volkstheater Rostock "Szenen einer Ehe". Er bot mir an, "Offene Zweierbeziehung" zu inszenieren. Da ich ihn schätze, habe ich mich auf die Zusammenarbeit gefreut.

War das Stück selber auch ein Grund, die Regie zu übernehmen?

In den 1980er Jahren habe ich das Stück im Deutschen Theater mit Dagmar Manzel gesehen und es gut in Erinnerung. Doch als ich es jetzt gelesen habe, dachte ich, man ist das oll. Dann ging in meinem Freundeskreis eine langanhaltende Ehe nach der anderen kaputt, und weil man sich gerade in diesen Zeiten schlecht trennt, probierten viele meiner Freunde andere Modelle - auch eine "offene Zweierbeziehung". So merkte ich, dass es noch heute sehr relevant ist. Die Erfahrungen meiner Freunde haben mich für diese Inszenierung inspiriert.

Hatten Sie als Gastregisseurin die Möglichkeit, das Stück zu bearbeiten?

Ja, das habe ich vorher erfragt. Martin Stefke hat mir zugesagt, das Stück in meinem Sinne kürzen und leicht bearbeiten zu können, das es auch gewollt sei.

In dem Stück reißt der Ehemann ständig andere Frauen auf, seine Ehefrau Antonia will sich deshalb umbringen. Ist das nicht ein Klischee?

Dass Männer immer Lust haben, ist ein Klischee. Ich kenne es auch andersrum. Das Stück wimmelt von Klischees. Doch werden sie auch oft gelebt. Um die Klischees nicht einfach nur zu wiederholen und damit zu manifestieren, zeigen wir, was sie für Wunden reißen, welcher Schmerz und welche Verlorenheit dahinter stecken. So dass der Zuschauer die Möglichkeit hat, sich auch selbst zu hinterfragen.

Amina Gusner inszeniert das neue Stück "Offene Zweierbeziehung" am Zittauer Theater.
Amina Gusner inszeniert das neue Stück "Offene Zweierbeziehung" am Zittauer Theater. © Theaterpremiere

Wenn Ihr Ehemann Ihnen eine offene Zweierbeziehung anbieten würde, wie würden Sie damit umgehen?

Für mich wäre es eine echte Herausforderung, denn es geht ja um Intimität und Verbindung. Es gab Männer in meinem Leben, mit denen hätte ich das leben können, in der aktuellen würde es für mich nicht passen.

Ist es dann nicht schwierig, ein Stück mit dem Thema zu inszenieren?

Das ist das Schöne am Theater, dass man Dinge durchspielen kann, die man selber nicht durchleben muss.

Ihre Mutter, Iris Gusner, war auch Regisseurin. Hat Ihnen das im Beruf geholfen?

Ich habe viel an westdeutschen Theatern gearbeitet, wo niemand meine Mutter kannte. Ob ich wegen ihr Schauspiel studieren durfte, ich war damals ja erst 16 und das Interesse an dem Studium war groß, weiß ich nicht.

Sie sind als freischaffende Regisseurin tätig. Wie war die Corona-Zeit für Sie?

Ich habe viel gearbeitet. Aber drei Stücke, die von mir inszeniert wurden, kamen nicht zur Aufführung. Da ich jedoch fast mein ganzes Leben als freischaffende Künstlerin gearbeitet habe und damit mein Geld verdienen konnte, habe ich Vertrauen, dass das auch nach der Krise gelingt. Obwohl derzeit die Angebote nicht mehr so zahlreich wie vor der Krise sind. Jetzt freue ich mich erst einmal auf die Premiere hier und bin gespannt, wie die Zuschauer diesen Abend aufnehmen werden.

- Premiere hat "Offene Zweierbeziehung" am Freitag, 19. November, 19.30 Uhr auf der Studiobühne des Zittauer Theaters. Eine weitere Aufführung gibt es am 20. November, ebenfalls um 19.30 Uhr.