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Restaurierungsfall: Nikolaikirche

Das Gotteshaus in Spitzkunnersdorf ist schon über 300 Jahre alt. Nicht das erste im Ort. Aber eines, das inzwischen wieder im alten Glanz erstrahlt.

Von Rolf Hill
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Die Spitzkunnersdorfer Nikolaikirche auf einer historischen Postkartenansicht.
Die Spitzkunnersdorfer Nikolaikirche auf einer historischen Postkartenansicht. © Rolf Hill

Spitzkunnersdorfs wohl markantestes Bauwerk ist die Nikolaikirche an der Hauptstraße. Vor 305 Jahren, am 18. November 1716, wurde das einladende Gotteshaus seiner Bestimmung übergeben. Auskunft darüber gibt eine Inschrift im inneren Turmportal. Diese besagt, dass „Otto Ludwig von Kanitz und Viktoria Tugendreich von Kanitz geb. von Kyau 1712 den 9. Mai den Grund zur Kirche gelegt haben und diese 1716 den 18. November vom damaligen Pastor Christoph Elger eingeweiht wurde“.

Wie aus den Unterlagen der Diözese Zittau hervorgeht, gab es aber schon vorher in Spitzkunnersdorf eine evangelische Kirche, und das recht frühzeitig im Zuge der Reformation. Leider ist über dieses Gotteshaus nichts mehr bekannt. Ein Neubau erfolgte wohl um 1501. Diese Jahreszahl fand sich zweimal am damaligen Altar. Doch im Laufe der folgenden 200 Jahre setzten Wind und Wetter dem Bauwerk gehörig zu. Trotz verschiedener Restaurierungen an Kirchenschiff und Turm setzte der Zahn der Zeit sein zerstörerisches Werk fort. So begann man notgedrungen am 8. April 1712 mit dem Abriss. Am 17. April fand noch eine letzte Predigt statt. Den Turm ließ man vorerst noch stehen.

Die bereits erwähnte Weihe am 18. November 1716 wurde mit dem Psalm „Gehet hin zu seinen Toren ein mit Danken, zu seinen Vorhöfen mit Loben; danket ihm, lobet seinen Namen!“ zelebriert. Doch auch der zunächst verschont gebliebene Turm war derart desolat geworden, dass man ihm zu Leibe rücken musste. So wurde er am 23. September 1724 auf Betreiben derer von Kanitz zu Hälfte abgebrochen und etwas höher wieder aufgebaut. Nachdem am 17. Oktober der Knopf aufgesetzt wurde, konnte man bereits sechs Tage später die Turmweihe vollziehen. Die Gesamtbaukosten der Kirche beliefen sich auf 4.214 Taler, 18 Groschen und 9 Pfennige. Mehr als die Hälfte davon schenkte die Gutsherrschaft der Kirchgemeinde. Aber auch deren Mitglieder brachten durch ihre Spenden eine beachtliche Summe auf. Außerdem wurden unentgeltlich zahlreiche Fuhr- und Handlangerdienste verrichtet.

Knapp 80 Jahre später machte sich bereits wieder eine größere Reparatur nötig: Ein Sturm hatte 1801 das ganze Kirchendach abgedeckt und dadurch auch den Rest des Gebäudes arg beschädigt hatte. Fünf Jahre später wurde die große Glocke umgegossen. Sie erhielt die Inschrift: „Mit gnädiger Bewilligung und Unterstützung Sr. Exzellenz des Herrn Amtshauptmanns E. A. R. von Kyaw, Erb-, Lehn- und Gerichtsherr auf Hainewalde, Oderwitz und Spitzkunnersdorf ist diese Glocke gegossen worden im Jahre 1806.“ Im Jahre 1816 wurde das 100. Jubiläum der Kirchenweihe begangen.

Die Lutherfeier 1883 war willkommener Anlass zur Anschaffung einer neuen Turmuhr mit Stunden- und Viertelstundenschlag. Sie wurde vom Zittauer Uhrmacher Rödel angefertigt und kostete 1 000 Mark. Die Hälfte dieser Summe konnte durch freiwillige Spenden aufgebracht werden. Eine umfassende Erneuerung des Innenraums erfolgte 1890. Restaurierungen reichten bis in die Neuzeit. Als durch fortschreitende Schäden am Dach auch innen Wasser- und Frostschäden auftraten, wurde 1923 das Dach völlig neu gedeckt.

Zur Unterstützung aller Bemühungen um den Erhalt der Kirche gründete sich 2003 ein Förderverein. Ihm ist es maßgeblich zu verdanken, dass 2010 die Orgel, das Kircheninnere und die gesamte Ausstattung restauriert werden konnten. Als besonderen Schatz betrachten die Spitzkunnersdorfer bis heute die Herrschaftsloge mit Holzschnitzereien des Zittauers Gottfried Jeche. Deren Schönheit wird nur von der Kunst des Bildhauers Franz Bähner aus Gabel (heute Jablonné v P.) übertroffen, der den einmaligen Altar gestaltete.