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Theaterlegende Detlef Lux ist tot

Der gebürtige Berliner spielte über 30 Jahre am Zittauer Theater. Jetzt ist er mit 77 Jahren verstorben.

Detlef Lux gehörte über 30 Jahren zum Ensemble des Gerhart-Hauptmann-Theaters Zittau.
Detlef Lux gehörte über 30 Jahren zum Ensemble des Gerhart-Hauptmann-Theaters Zittau. © Matthias Weber (Archiv)

Es ist nur eine von gut 350 Rollen, aber eine, die auch Jahrzehnte später noch in Erinnerung bleibt: der "Hauptmann von Köpenick". Dieser Wilhelm Voigt war Detlef Lux wie auf den Leib geschrieben. Als Berliner Urgestein brachte Lux schon mal "det Berlinerische" mit, das für diese Figur unverzichtbar ist. Es sei für ihn eine Traumrolle gewesen, offenbarte er später in einem Interview. Und das spürten die Theaterbesucher auch auf der Bühne - Detlef Lux zog in dem Stück, das am 27. November 1999 Premiere hatte, alle Register seines Könnens.

Am Mittwoch ist Detlef Lux im Alter von 77 Jahren verstorben, wie vonseiten seiner Familie bekannt wurde. Über 30 Jahre gehörte er dem Zittauer Schauspielensemble an. Für seine Verdienste ernannte ihn das Gerhart-Hauptmann-Theater 2008 zum Ehrenmitglied. Den gleichen Titel verlieh ihn später auch der Verein "Freunde des Zittauer Theaters".

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An seiner Seite im "Hauptmann von Köpenick" spielte auch Christine Gabsch mit.
An seiner Seite im "Hauptmann von Köpenick" spielte auch Christine Gabsch mit. © Thomas Eichler
Der "Hauptmann von Köpenick" gehört zu den bekanntesten Rollen von Detlef Lux.
Der "Hauptmann von Köpenick" gehört zu den bekanntesten Rollen von Detlef Lux. © Thomas Eichler
Der gebürtige Berliner bezeichnete den "Hauptmann von Köpenick" selbst als eine Traumrolle.
Der gebürtige Berliner bezeichnete den "Hauptmann von Köpenick" selbst als eine Traumrolle. © Thomas Eichler
Als Berliner Urgestein brachte Lux schon mal "det Berlinerische" für die Rolle mit.
Als Berliner Urgestein brachte Lux schon mal "det Berlinerische" für die Rolle mit. © Thomas Eichler
Im "Hauptmann von Köpenick" konnte er alle Register seines Könnens ziehen.
Im "Hauptmann von Köpenick" konnte er alle Register seines Könnens ziehen. © Thomas Eichler

Den gebürtigen Berliner nur auf den "Hauptmann von Köpenick" zu reduzieren, wird seinem enormen Rollenspektrum nicht gerecht. Detlef Lux wirkte in zahllosen Erfolgsstücken mit, arbeitete dabei mit vielen bekannten Kollegen zusammen. So stand er gemeinsam mit Shenja Lacher, heute ein erfolgreicher Film- und TV-Darsteller, oder mit der DDR-Schauspiellegende Ursula Karusseit auf der Bühne.

Auch wenn der "Hauptmann von Köpenick" eine Traumrolle war, so schwärmte Lux ebenso von anderen Rollen wie dem Alfred Doolittle in „My Fair Lady“, dem Harpagon in „Der Geizige“, dem Wilhelm Giesecke im „Weißen Röss’l“ und Heinrich in „Beckett oder Die Ehre Gottes“. Zu seinen Lieblingsfiguren zählte der 1943 geborene Mime auch den Penner in „Linie 1“ oder die Transsexuelle Zaza im „Käfig voller Narren“. Unvergessen ist er ebenso als Räuber Hotzenplotz in der gleichnamigen Waldbühnen-Inszenierung.

Mehr als 30 Jahre gehört Detlef Lux dem Zittauer Schauspielensemble an.
Mehr als 30 Jahre gehört Detlef Lux dem Zittauer Schauspielensemble an. © Theater
Für seine Verdienste wurde er zum Ehrenmitglied des Theaters und des Vereins "Freunde des Zittauer Theaters" ernannt.
Für seine Verdienste wurde er zum Ehrenmitglied des Theaters und des Vereins "Freunde des Zittauer Theaters" ernannt. © Theater

Dass er am Theater landete, daran hat die Schauspielerin Käthe Reichel einen Anteil. Ihr Spiel in der Besson-Inszenierung vom „Guten Mensch von Sezuan“ am Berliner Ensemble (BE) gab Detlef Lux den entscheidenden Anstoß, selbst zum Theater zu gehen. Die Mitarbeit in Laienspielgruppen bestärkte den Entschluss. Doch er lernte zunächst Tischler und arbeitete danach in den Werkstätten der Staatstheater in Berlin.

Der Versuch, mit 18 Jahren an die Schauspielschule zu gehen, scheiterte. Lux wurde abgelehnt und arbeitete in der Folge als Dekorateur und Requisiteur am BE. So war er immerhin am Theater tätig, wenn auch hinter der Bühne. Eine zweite Bewerbung an der Schauspielschule scheiterte, weil er nicht über den Abschluss der 10. Klasse verfügte. Er wurde Gießereiarbeiter und holte den Zehn-Klassen-Abschluss in der Abendschule nach.

Mittlerweile 30 Jahre alt, bewarb er sich erneut an der Schauspielschule – diesmal mit Erfolg. Nach dem dreijährigen Studium wurde er 1976 direkt nach Zittau engagiert.

Über die Gegend hatte ihm seine Großmutter einiges erzählt, die hier bei ihrer Flucht aus Ostpreußen im Auffanglager in der Schokoladenfabrik Niederoderwitz gelandet war, bevor sie nach Berlin kam und sich um ihren Enkel kümmerte. Seine Mutter musste arbeiten und der Vater war kurz vor seiner Geburt in Stalingrad vermisst. Die Familie wohnte einige Zeit in Berlin-Weißensee und zog dann nach Berlin-Mitte, damals eine ziemlich verrufene Gegend. Die Straßennamen, die er dort kennenlernte – August- und Mulackstraße – begegneten ihm später in Gerhart Hauptmanns „Ratten“ wieder.

Über 50 Mal wurde das Stück "Aber, Herr Preil" gespielt - mit Detlef Lux als Rolf Herricht (neben Wolfgang Adam als Hans-Joachim Preil).
Über 50 Mal wurde das Stück "Aber, Herr Preil" gespielt - mit Detlef Lux als Rolf Herricht (neben Wolfgang Adam als Hans-Joachim Preil). © Thomas Eichler
Detlef Lux mit Kerstin Wachmann (links) und Caroline Kahmann in "Aber Herr Preil".
Detlef Lux mit Kerstin Wachmann (links) und Caroline Kahmann in "Aber Herr Preil". © Thomas Eichler
Mit Wolfgang Adam (rechts) im "Käfig voller Narren".
Mit Wolfgang Adam (rechts) im "Käfig voller Narren". © Thomas Eichler
Auf der Waldbühne Jonsdorf war er auch als "Räuber Hotzenplotz" zu erleben.
Auf der Waldbühne Jonsdorf war er auch als "Räuber Hotzenplotz" zu erleben. © Thomas Eichler
Lux neben Film- und Theaterstar Ursula Karusseit in "Die Ratten".
Lux neben Film- und Theaterstar Ursula Karusseit in "Die Ratten". © Thomas Eichler
Mit Sabine Krug stand er in "Der zerbrochene Krug" gemeinsam auf der Bühne.
Mit Sabine Krug stand er in "Der zerbrochene Krug" gemeinsam auf der Bühne. © Thomas Eichler
Auch der früh verstorbene Robert Wittmers (Mitte) gehörte zu den Bühnenpartnern von Detlef Lux.
Auch der früh verstorbene Robert Wittmers (Mitte) gehörte zu den Bühnenpartnern von Detlef Lux. © Thomas Eichler
Szene aus "Was ihr wollt" mit Helmuth Meier.
Szene aus "Was ihr wollt" mit Helmuth Meier. © Thomas Eichler
Auch mit dem inzwischen aus Film und Fernsehen bekannten Schauspieler Shenja Lacher (links) stand Detlef Lux zusammen auf der Bühne.
Auch mit dem inzwischen aus Film und Fernsehen bekannten Schauspieler Shenja Lacher (links) stand Detlef Lux zusammen auf der Bühne. © Thomas Eichler

Dem Zittauer Publikum stellte er sich als Ruprecht in „Der zerbrochene Krug“ vor. Ein paar Mal habe er überlegt, an andere Häuser zu wechseln, erzählte er später. Letztlich blieb er der Zittauer Bühne treu – auch wegen der Vielfalt der Stücke, die er spielen konnte. Wichtig fand er dabei immer, nie stehenzubleiben. Ständig auf der Suche zu sein. Für sich, mit den Regisseuren, mit den Kollegen auf der Bühne.

2008 musste er pausieren – aus gesundheitlichen Gründen. Ein Jahr später kehrte er auf die Bühne zurück – spielte noch mal eine Hauptrolle in „Das Herz eines Boxers“ sowie den Kammerdiener in „Kabale und Liebe“. Etwas Muffensausen hatte er vor seiner Rückkehr auf die Zittauer Bühne, gestand er damals. Schon nach ein paar Minuten Probe waren die Zweifel verflogen und Lux merkte, dass er es noch kann.

Am liebsten waren ihm die Figuren, die Bezüge zur Gegenwart hatten. Er wolle mit diesem Beruf „ein Stück Welt reflektieren und verändern“, meinte er vor einigen Jahren.

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