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Zittau

Was beim Theaterfestival 2021 läuft

Stücke aus mehreren Ländern werden vom 17. bis 19. Juni im Zittauer Klosterhof gezeigt. Dabei gibt's auch zwei Premieren zu erleben.

Symbolbild
Symbolbild © Thomas Eichler (Archiv)

Das trinationale Theaterfestival J-O-S läuft dieses Jahr in einer ganz speziellen Form: Die Stücke vom 17. bis 19. Juni werden im Ambiente des Klosterhofs gezeigt - auf einer riesigen LED-Leinwand als Filme. "Entweder mit Untertitel oder simultan übersetzt und kostenlosen Eintritt", berichtet das Theater. Mit "House at the Crossroads" und "Misery" gibt's auch zwei Premieren. Letztere können Besucher auf der Großen Bühne im Theater erleben, diese kostet auch Eintritt. Zu allen Aufführungen ist ein Catering geplant.

Sollte das Wetter nicht mitspielen, sind die Stücke im Foyer des Gerhart-Hauptmann-Theaters zu sehen. Platzkarten lassen sich unter 03581 474747 oder [email protected] reservieren und zu den Öffnungszeiten an der Theaterkasse abholen. Die Eröffnung des Festivals ist am 17. Juni um 18 Uhr.

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Was auf dem Programm steht

17. Juni

18 Uhr: House at the Crossroads (Premiere, 1 Stunde)

Die Geschichte eines fast unmöglichen Theaterprojektes mit Jugendlichen aus Jelenia Góra, Liberec und Zittau in polnischer, tschechischer und deutscher Sprache.

17. Juni

19.30 Uhr: Die Anhörung (2 Stunden, 10 Minuten)

Ab 14 Jahren, in tschechischer Sprache mit deutscher Simultanübersetzung

Das Stück versetzt die Figur von Adolf Eichmann nach Ostrava und konfrontiert sie mit dem lokalen Geschehen. Adolf Eichmann wartet auf einen Termin bei niemand Geringerem als Gott. Seiner Sache ist er sich sicher. Vor dem Publikum erläutert er seine Taten anhand seiner Erinnerungen. Vůjtek stellt Aussagen aus dem Eichmann-Prozess in Jerusalem Gesprächen gegenüber, die Eichmann in Argentinien in jovialem Ton mit Willem Sassen führte.

Der Autor verlegt Eichmanns ‘Geschichte’ in die tschechische Provinz und bringt seine Taten mit dem historischen Geschehen in Ostrava in Verbindung. Außerdem gibt es Vlastička, eine einfache tschechische Frau aus dem Volk, die sich mit jedem Regime arrangiert und jeweils ihren Vorteil daraus zieht. Vůjtek nutzt das Thema für eine Reihe satirischer Momente – so taucht im Stück etwa eine gelungene Persiflage der Wannsee-Konferenz auf. Das Stück endet in der Gegenwart und verweist auf das fortgesetzte antisemitische Denken heute.

Die Anhörung erhielt 2016 als beste Inszenierung des Jahres den „Preis der Theaterzeitung“ (Cena Divadelních novin) und belegte bei dem angesehenen tschechischen „Preis der Theaterkritik“ (Cena divadelní kritiky) gleich dreimal den ersten Platz: als beste Inszenierung des Jahres, bestes uraufgeführtes tschechisches Theaterstück des Jahres und Marek Cisovský in der Rolle des Eichmann als bester Darsteller. Bei dieser Preisverleihung wurde das Theater Komorní scéna Aréna auch zum Theater des Jahres gekürt!

18. Juni

18 Uhr: Pustotan, der Leerstand (1 Stunde)

In polnischer Sprache mit deutschen Untertiteln

Es ist ein Theaterstück für Erwachsene, welches den Weihnachtsabend zum Ausgangspunkt nimmt - ein Fest, von dem wir uns Harmonie und Freude versprechen, aber oft mit dem Gefühl ins Bett gehen, leerer zu sein als sonst. Die Situation am Weihnachtstisch bringt die Beziehungen innerhalb der Familie auf den Punkt: Unverständnis, Streit um nichts. Die einzige Person, die die alte Ordnung, den Frieden, die Gewissheit, die Wärme repräsentiert, ist die Großmutter. Die Figuren sind in viele Schichten und Plattitüden gehüllt, die nichts zur Wahrheit über sie selbst, nichts zu ihren Gefühlen beitragen. Wichtig sind, so der Autor, die Gefühle, die Fähigkeit zu lieben, Gefühle auszudrücken und zu teilen.

Offensichtlich lässt sich der Inhalt des Stücks auf unsere "heutige Zeit" übertragen, wir leben in großen Spannungen, oft verursachen die kleinsten Dinge Streitigkeiten, Missverständnisse, und genau wie in Prześlugas Vorabend "gehen wir schlafen" mit einem Gefühl der Leere, der Angst, mit einer unbewussten Überzeugung von Sinnlosigkeit, Unmöglichkeit, Einsamkeit. Im christlichen Kalender ist WIGILIA (der Heiligabend) ein Tag, der einem wichtigeren Fest mit feierlicher Erwartung vorausgeht; am häufigsten denken wir natürlich im Zusammenhang mit Weihnachten daran.

Aber dieser Kontext ist weiter gefasst. Wir sprechen oft von Heiligabend in einem metaphorischen Sinne, im Sinne eines wichtigen Ereignisses, das irgendeine grundlegende Auswirkung auf unser Leben hatte, irgendeinen Durchbruch im Verhalten, im Denken; wir sagen z. B. "am Vorabend meines Geburtstages - der Geburt meines Kindes - usw." - wir meinen den TAG, an dem irgendeine bedeutsame Wendung eingetreten ist, dass dieser Tag am Vorabend von "diesem Etwas" extrem wichtig, bahnbrechend, unbestreitbar war, Aufmerksamkeit verdiente.

Es ist unser heutiges Leben, das auf eine solche WIGILA wartet. Für einen solchen TAG, der diesen Tag als einen Tag des Durchbruchs definieren wird. Die Wahl dieses Titels ist nicht unbedeutend, denn wir alle warten auf den Heiligen Abend der Umwandlung unseres gegenwärtigen Lebens in ein Leben vor der Pandemie. Wir sehnen uns nach "Normalität", nach etwas, das uns so vertraut ist, und vor allem nach einem Gefühl der Sicherheit und Ruhe.

18. Juni

19.30 Uhr: Rebhuhn, Strudel, Tanz & mehr (2 Stunden)

Ab 14 Jahren, in slowenischer Sprache mit deutschen Untertiteln

15. August 1963, ein Dorf im Vipava-Tal. Die Dorfbewohner organisieren zwei Veranstaltungen am gleichen Tag, zur gleichen Zeit - eine Messe für den Großen Marsch mit dem Bischof und eine Feier für den Grenztag der JNA mit dem Genossen Sekretär des Exekutivausschusses des Zentralkomitees. Die Entscheidungen, die sie treffen müssen, sind schwierig. Werden sie loyale Schafe oder gehorsame Kameraden sein? Oberflächlich betrachtet sind „Rebhuhn, Strudel und Tanz“ ein Spiel mit einer historischen Zeit und einem grundlegenden slowenischen ideologischen Schisma. Doch je mehr sich der Fall aufklärt, desto mehr wird er zu einem Porträt der heutigen slowenischen Gesellschaft, in der ideologische Überzeugung leicht durch pragmatische Zweckmäßigkeit ersetzt wird.

Der Text wechselt ständig zwischen Zeiten und Schauplätzen, und das politische Dilemma wird mit Szenen direkter Sexualität gewürzt, in denen jeder selbstlos leckt, wichst, streichelt, knetet und reitet, so viel sowie wen und wann auch immer. Es ist eine textliche Bravourleistung, die einerseits mit dem Genre der Komödie spielt, indem sie die Grenzen des Komischen in Frage stellt, und andererseits mit der bürgerlichen Annahme eines Theaters, das bereit ist, Provokation zuzulassen, aber nur bis zu einem gewissen Grad.

19. Juni

15 Uhr: Tschu. Tschu. Pfiff. Wuff! (40 Minuten)

Für Kinder ab 3 Jahren in Fantasiesprache

Es war einmal ein junger Hund. Und es war einmal ein Hundemädchen. Er bewachte den ganzen Tag seinen Garten, und sie lief hinter dem Zaun, bis ihr Besitzer nach ihr pfiff. Und wie es im Leben nicht nur bei Hunden so ist, haben sich die beiden ineinander verliebt, trotz der hohen Bretter des Zauns, die sie voneinander trennten. Aber sie wollte nicht in einen unbekannten Garten gehen und er konnte seinen Hinterhof nicht verlassen.

Wie kann man sie dazu bringen, zueinander zu kommen? Wie wäre es, wenn ... Ja! Das wird bestimmt funktionieren! Er wird ihr sein geliebtes Spielzeug zeigen: einen winzigen Kreis eines alten Gartengeländers, der durch die Büschel des wachsenden Grases lugt. Und nicht nur das! In seinem Zwinger, der aussieht wie ein kleiner Rangierbahnhof, steigt Rauch aus dem Schornstein einer alten Dampflok auf. Das Hundemädchen springt über den Zaun und fährt mit dem Hundejungen durch den Garten. Jetzt ist sie sein. Und er gehört zu ihr. Aber ... aber was ist das? Warum pfeift ihr Herrchen schon wieder nach ihr? Sind wir irgendwo am Bahnhof? Na ja, eigentlich sind wir... Aber warum setzt er sie in ein Auto? Und wo fährt er mit ihr hin? Oh nein! Nicht jetzt! Das kann doch jetzt nicht wahr sein!

19. Juni

16 Uhr: Odyssee [re]AKTIVIERUNG (40 Minuten)

In polnischer Sprache mit deutschen Untertiteln

Die internationalen Theaterworkshops ODYSEJA, die in Jelenia Góra und Bautzen organisiert wurden, fanden zyklisch zwischen den Jahren 2010 und 2012 statt. Das Hauptziel der Workshops, die mit den Zielen des Projekts "Von Fundamenten zu Gipfeln" korrespondierten, war der Dialog über ein gemeinsames "Zuhause", das sowohl wörtlich als auch im übertragenen Sinne verstanden wurde. In wörtlichen Sinne sollten die Workshop-Treffen eine durch theatrale Ausdrucksmittel vermittelte Suche nach einer gemeinsamen Identität ermöglichen, die allen Stammeskategorien des "von hier" und "von dort" übergeordnet ist, mit der gleichzeitigen Entdeckung aller Implikationen solcher Kategorien, einem Dialog über das Gemeinsame und das Andere.

Dies ist einer der Gründe, warum sich der Name des Projekts auf die Geschichte von Odysseus bezieht, der beharrlich nach seinem "verlorenen" Weg nach Hause sucht. Diese Referenz hat auch einen anderen Sinn, der sich in der Präsentation aller Suche manifestiert, eine Aktivität, die alle Menschen vereint, unabhängig von den Unterschieden, die sie trennen. Streben, Suchen und der Wille zum Lernen werden hier als ein Weg verstanden, den jeder mit jedem teilt, der jeden mit jedem verbindet, der allen Lebewesen gemeinsam ist, innerhalb des Archetyps des homo viator. Dies ist der Hauptsinn der Odyssee

19. Juni

17.30 Uhr: Venus im Pelz (1 Stunde, 35 Minuten)

Ab 16 Jahren, in ungarischer Sprache mit deutschen Untertiteln

Thomas, ein noch junger und talentierter Autor und Regisseur, sucht verzweifelt nach der passenden Besetzung für Wanda, die weibliche Hauptrolle in seinem neuen Stück. "Venus im Pelz", so der Titel seiner Adaption der gleichnamigen Novelle von Leopold von Sacher-Masoch aus dem Jahr 1870. Protagonist der Handlung ist Severin von Kusiemski, der als junger Mann die junge und reiche Witwe Wanda von Dunajew trifft, von deren Schönheit und Ähnlichkeit zu der von ihm verehrten Göttin Venus er fasziniert ist. Den Heiratsantrag Severins will Wanda jedoch nicht annehmen und schlägt ihm stattdessen eine einjährige Probezeit vor, in der Severin der Sklave Wandas wird und sich ihr physisch und psychisch unterwirft.

Am Ende eines Tages voll erfolgloser Vorsprechen schneit eine reichlich gewöhnliche und ziemlich aufgeregte junge Schauspielerin in Thomas’ Probenraum – Wanda Jordan. Wanda will die Rolle und meint, wie geschaffen dafür zu sein. Ganz im Gegensatz zum wenig begeisterten Thomas, denn trotz des Namens könnte sie mit ihrem Lackleder-Outfit und Straßenjargon nicht unpassender sein für die Besetzung der eleganten und kultivierten Figur des Bühnenstücks. Aber Wanda hat nicht nur ungewöhnlich großes Talent, eine raffiniert ausgestattete Garderobe und erstaunliches Hintergrundwissen, sondern auch einen enorm starken Willen, und so wird ihr emotional aufgeladenes Vorsprechen zu einem Katz- und Mausspiel, das die Grenzen zwischen Fantasie und Realität, Verführung und Macht immer mehr auflöst.

"Venus im Pelz" ist lust- und humorvoll, intelligent und subtil, voller Wort- und Situationswitz – und ein großer Broadwayhit: Nina Arianda, die Darstellerin der Wanda, wurde für ihre schauspielerische Leistung mit dem Tony Award 2012 ausgezeichnet.

19. Juni

19.30 Uhr: Misery (Premiere, 2 Stunden mit Pause)

Ab 14 Jahren

Paul Sheldon lässt nach vielen erfolgreichen Jahren die Hauptfigur seiner Romanserie »Misery« sterben. Er glaubt sich befreit, will sich endlich dem Schreiben tiefgründiger Literatur zuwenden. Noch vor Veröffentlichung des finalen »Misery«-Teils verunglückt er mit dem Auto, erwacht in fremder Umgebung und sieht in das Gesicht einer ihm unbekannten Frau. Die hat ihn aus dem Autowrack gezogen und in ihren abgeschiedenen Bauernhof gebracht.

Es stellt sich heraus, dass Retterin Annie nicht nur kompetente Krankenschwester, sondern auch sein leidenschaftlichster Fan, mit einer geradezu überirdischen Liebe zu der Hauptfigur Misery ist. Als sie erfährt, dass die im neuesten Buch gestorben ist, zwingt sie den verletzten Paul, ein neues Buch zu schreiben, in dem sie auferstehen soll. Ein Spiel um zwei Leben beginnt: dass der Romanfigur Misery und das des Romanautors Pauls.

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