merken
PLUS Zittau

Wie Kurtl über seine "Heemte" sinniert

In der Oberlausitz ist Mundart-Rocker Kurtl längst Kult. Auf seiner neuen CD schlägt der 58-Jährige auch ernste Töne an - und wird sogar politisch. Ob das gutgeht?

Kurtl alias Steffen Lindner aus Oderwitz beglückt die Oberlausitz mit einer neuen Scheibe. Diesmal schlägt der kultige Mundart-Rocker auch ernste Töne an.
Kurtl alias Steffen Lindner aus Oderwitz beglückt die Oberlausitz mit einer neuen Scheibe. Diesmal schlägt der kultige Mundart-Rocker auch ernste Töne an. © PR/René Pech

Zugegeben, ein bisschen Bammel hat Kurtl diesmal schon, ob und wie er denn ankommen wird bei seinen Fans. Auf seiner brandneuen Scheibe, die er gerade frisch aus dem Studio geholt hat, schlägt der kultige Oberlausitzer Mundart-Rocker nämlich auch ungewohnt ernste Themen an - und wird ungewohnt politisch.

Wie Kurtl da so sinniert über Kevins und Aishas Deutschland, über deins und meins, über den "Lok Daun" und Bogatynia und über "Grüne, Gale, Schwoarz und Rut" (auf Hochdeutsch: Grüne, Gelbe, Schwarz und Rot), das polarisiert und: Es könnte auch manchem in den falschen Hals geraten. "Wer mich nicht kennt, wer mich vielleicht auch nur oberflächlich hört, der könnte mich falsch verstehen", sagt Kurtl, der im wahren Leben Steffen Linder heißt, in Oderwitz wohnt und eine Malerfirma hat.

PPS Medical Fitness GmbH
Physiotherapie bei PPS Medical Fitness
Physiotherapie bei PPS Medical Fitness

Krankengymnastik, Bewegungsbad, physikalische Therapie, Lymphdrainage, Massagen, Outdoor-Training - PPS Medical Fitness ist für Ihre Unterstützung rundum aufgestellt.

Wenn der sich aber in seinen rot-blauen Trainingsanzug Marke Adi-aus-dem-Kinderfernsehen schmeißt, wenn er sich diese bescheuerte Schiebermütze und die doofe Hornbrille original 1970 aufsetzt und dann schließlich zur Gitarre greift, dann ist Lindner nicht mehr Lindner, der Malermeister, sondern Kurtl, die Kultfigur.

Seit 30 Jahren macht er das schon, tourt zwischen Dorffesten, Geburtstagsfeiern und auch mal einem Auftritt im MDR-Fernsehen, textet zu Selbstkomponiertem, covert ungeniert die Großen seiner Branche und produziert einen heimlichen Hit nach dem anderen. Natürlich alles auf Äberlausitzisch.

Etliche Alben hat Kurtl schon rausgebracht. Und sei's drum, jetzt musste mal das Ernstere raus und an die Öffentlichkeit. "Grüne, Gale, Schwoarz und Rut", eine böse Satire auf die Politik, die "oalls eene Brut" ist, hat er schon vor fast 20 Jahren geschrieben, als der Euphorie der friedlichen Revolution die große Ernüchterung - und der wirtschaftliche Exodus folgten. Jetzt hat er sich getraut, den Song aus der Schublade zu holen.

Die Anregungen für seine Texte liegen quasi auf der Straße, sagt er. Er müsse sich also nur bücken, um sie aufzulesen. Und bei den Cover-Versionen - dazu kommen wir noch - gebe es ja diverse Vorlagen aus Original-Texten, die man "schrecklich arnst nahm' koann oder abm groade ni...", zu hochdeutsch: Die man schrecklich ernst nehmen kann oder eben gerade auch nicht.

Kurtl ist sich selbstverständlich auch auf dieser Scheibe treu geblieben. Unter den 20 Titeln sind etliche seiner berühmten Songs, die er an noch berühmtere Originale aus Pop-, Rock-, Country- und Folk-Songs, denen er einfach einen neuen Text und seine eigene Note verpasst. Ganz klar: Uff Äberlausitzsch. Wie immer hat er keinerlei Berührungsängste - weder vor Bob Dylan, noch vor Pete Seeger, noch vor Roger Waters, ja nicht mal vor der Jugendliebe.

Dem Oberlausitzlied hilft er aus dem angestaubten Volksmusik-Schunkel-Image und rockt es auf. Das hat sich die schöne Hymne auf die Heimat schon lange mal verdient. A propos Heimat. "Heemte", so heißt das neue Album, und Kurtls Heimatliebe spricht nicht nur aus der Mundart. Die Songs lassen sich von Kurtls Internetseite kostenpflichtig herunterladen. Besser aber ist es, sich das Album ganz herkömmlich zu kaufen - vor allem auch dieses witzigen, warmherzigen und sehr hochwertigen Booklets wegen.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen die wichtigsten Nachrichten aus Löbau und/oder Zittau direkt aufs Smartphone gesendet bekommen? Dann melden Sie sich für Push-Nachrichten an.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Sie haben Hinweise, Kritik oder Lob? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an [email protected]ächsische.de oder [email protected]ächsische.de

Mehr zum Thema Zittau