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Wird Zittau doch noch Kulturhauptstadt?

Der Stadtrat hat ein Strategiepapier verabschiedet, in dem eine Bewerbung mit Liberec verankert ist. Und weitere Projekte fürs Zusammenwachsen im Dreiländereck.

Die Rathäuser von Zittau und Liberec.
Die Rathäuser von Zittau und Liberec. © Fotos: SZ-Archiv/PR Liberec

Zittau hat den Traum von der europäischen Kulturhauptstadt offenbar noch nicht aufgegeben. Nach der gescheiterten Bewerbung, den Titel 2025 für Deutschland zu tragen, rücken jetzt die Ambitionen der tschechischen Partnerstadt Liberec (Reichenberg) in den Blickpunkt. Die nordböhmische Metropole will 2028 den Titel nach Tschechien holen. In einer von den Räten beider Städte jüngst beschlossenen "Entwicklungskonzeption für den internationalen Entwicklungsraum Liberec-Zittau 2030" heißt es, dass "die gemeinsame Einreichung des Antrags mehrerer Städte (Tschechien - Polen - Deutschland) einen besonderen Mehrwert und somit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den übrigen Antragstellern haben kann". Als klares Ziel ist in dem Papier benannt: "2028 Europäische Kulturhauptstädte Liberec und Zittau".

Ob den Zittauer Stadträten, die mehrheitlich Kritiker von Zittaus Ambitionen für 2025 waren, dieses Ziel bei ihrem Beschluss so deutlich bewusst war, ist fraglich. Endgültig entschieden ist aber noch nichts. Sie müssten auf alle zum Beispiel dem laut der Konzeption unmittelbar bevorstehenden Aufbau der Organisationsstrukturen zustimmen. Selbst Kai Grebasch, Sprecher der Stadt und maßgeblich verantwortlich für Zittaus 2025er Bewerbung, ist erstaunt. "Bisher habe ich es nicht so gesehen, dass wir uns direkt bewerben", sagte er auf SZ-Anfrage. Man habe sich eigentlich als Partner in der Region Liberec gesehen, die die Bewerbung des großen Nachbarn unterstützt.

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Egal, ob sich Zittau nun direkt bewirbt oder nur als Partner an Liberec' Seite steht: Die Stoßrichtung ist klar. Zittau will näher an den großen Partner heranrücken, enger mit ihm zusammenarbeiten. Schon seit mehreren Jahren sieht die Rathausspitze darin eine der wenigen Entwicklungsmöglichkeiten, die Zittau angesichts der Randlage in Deutschland hat. Nicht umsonst hat Oberbürgermeister Thomas Zenker 2016 öffentlichkeitswirksam eine Weile in Liberec gewohnt und der stellvertretende Stadtchef der Partnerstadt, Jan Korytar, in Zittau. Kurze Zeit später haben sich die beiden Städte auf den Weg gemacht und die Entwicklungschancen eines gemeinsamen Ballungsraums untersuchen lassen. Anfangs gegen den Widerstand des Freistaats Sachsen. Aber die Städte haben sich durchgesetzt. "Für Zittau und unsere Region ist es enorm wichtig, wieder Visionen und Träume zu haben, und darauf hinzuarbeiten", so Zenker.

In der von den Räten jetzt beschlossenen Konzeption stehen die Ergebnisse, Stärken, Schwächen, aber vor allem auch konkrete Schritte, die zum weiteren Zusammenwachsen führen sollen. Neben der eventuellen gemeinsamen Bewerbung um den Kulturhauptstadt-Titel, der dem Dreiländereck unter anderem Aufmerksamkeit und ein besseres Image verschaffen soll, stehen 24 weitere Projekte in neun Handlungsfeldern von "Sprache" bis "Mobilität" auf der Agenda bis 2030. Zum Teil sind sie komplett neu, zum Teil knüpfen sie an bereits Vorhandenes an. So heißt zum Beispiel im Handlungsfeld "Sprache" ein Projekt "Schaffung bilingualer Kitas und Schulen". "Der „Königsweg“ zur Mehrsprachigkeit ist das mehrsprachige Aufwachsen", heißt es zur Begründung. "Es gilt also, die Zeit vor der Einschulung der Kinder für den „kinderleichten“ Spracherwerb einzubeziehen, um das große Lernpotenzial der Kinder dieses Alters zu nutzen."

Ein weiteres Projekt ist die Etablierung eines grenzüberschreitender Wohnungs- und Immobilienmarkts. Während in Zittau Tausende Wohnungen leer stehen, sind Wohnungen in Liberec Mangelware. Das wissen beide Rathausspitzen, haben sich aber bisher gescheut, das Thema offensiv anzugehen, weil Zittau Liberec nicht gezielt Einwohner abwerben will. Ungeachtet dessen leben inzwischen ein paar hundert Tschechen in der Mandau-Stadt.

Auch der Traum der Schnellzugverbindung von Prag über Liberec, Zittau und Görlitz nach Berlin ist in der Konzeption festgeschrieben. Liberec braucht die durchgehende Strecke als Argument, damit Prag eine leistungsfähige Trasse von der Hauptstadt in die Metropole am Rand der Tschechischen Republik baut. Zittau würde nach Jahrzehnten der Abstinenz wieder an das Fernbahnnetz angeschlossen. Und natürlich würde die Schnellbahn die Verbindungen zwischen den beiden Städten verbessern.

Das sind die anderen Projekte:

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