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Über 100 Jahre alte Räuber-Fichte gefällt

Der Förster hat lange versucht, dem Baum am Querxenland noch eine Chance zu geben, sogar extra "bleibt stehen" an den Stramm geschrieben. Genützt hat es nichts.

Christian Sturm mit seinem Hund Kelly am Baumstumpf der gefällten Räuber-Fichte am Karasek-Ringwanderweg bei Seifhennersdorf. Der Stamm war über einen Meter dick.
Christian Sturm mit seinem Hund Kelly am Baumstumpf der gefällten Räuber-Fichte am Karasek-Ringwanderweg bei Seifhennersdorf. Der Stamm war über einen Meter dick. © Matthias Weber/photoweber.de

Christian Sturm hat sich selber überzeugt und es nun mit eigenen Augen gesehen, was ihm ein Bekannter auf dem Handy als Foto gezeigt hat und er kaum glauben konnte: Die sicher 100 Jahre alte Räuber-Fichte auf dem Karasek-Ringwanderweg ist gefällt worden. "Das ist wirklich sehr schade", sagt er. Und: "War das wirklich notwendig?"

Der 75-Jährige ist mit seinem Hund immer in der Natur unterwegs. Da dreht Christian Sturm auch regelmäßig auf dem Karasek-Ringwanderweg seine Runde. Der führt über 4,5 Kilometer, beginnt und endet am Kindererholungszentrum "Querxenland" in Seifhennersdorf. An den Schauplätzen des damaligen Geschehens mit dem legendären Räuberhauptmann kann der Wanderer dort eine reizvolle Landschaft genießen. Die Räuber-Fichte war ein beliebter Anlaufpunkt. Ihre Info-Tafel steht noch neben dem Baumstumpf.

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Christian Sturm schätzt, dass die Räuber-Fichte bestimmt einen Durchmesser von einem Meter hatte und über 30 Meter hoch war. An ihrem Baumstumpf, der jetzt nur noch von ihr übrig ist, ist nicht zu erkennen, ob der Baum krank war. "Als ich das letzte Mal hier war, sah der Baum nicht krank aus", erzählt der Rentner.

"Bleibt stehen" hatte der Revierförster noch mit blauer Farbe an den Stamm geschrieben.
"Bleibt stehen" hatte der Revierförster noch mit blauer Farbe an den Stamm geschrieben. © privat
Der Standort der Räuber-Fichte am Karasek-Ringwanderweg bei Seifhennersdorf.
Der Standort der Räuber-Fichte am Karasek-Ringwanderweg bei Seifhennersdorf. © privat
Diese Informationstafel steht neben der gefällten Räuber-Fichte. Und sie bleibt auch stehen.
Diese Informationstafel steht neben der gefällten Räuber-Fichte. Und sie bleibt auch stehen. © Matthias Weber

Auch der Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins Seifhennersdorf, Heiner Haschke, bedauert es sehr, dass die Räuber-Fichte nun Holzfällarbeiten zum Opfer gefallen ist. "Als ich 1995 den Karasek-Ringwanderweg angelegt hatte, hatte ich mir extra diese stattliche Fichte als symbolische Räuber-Fichte ausgesucht", erzählt er. Als Räuberhauptmann Karasek verkleidet, führt er seitdem jährlich viele Wandergruppen auf diesem Weg entlang und erzählt an markanten Punkten Wissenswertes über den Räuberhauptmann. "Aber ich weiß, der Baum war krank", sagt er. Und bricht auch gleich eine Lanze für den Revierförster. "Der hat wirklich versucht, die Räuber-Fichte zu retten." Wie Haschke erzählt, hat der Förster extra, als in der Umgebung ringsherum die kranken Fichten gefällt wurden, mit blauer Farbe etwas auf den Stamm geschrieben, damit dieser Baum stehen bleiben soll.

"Bleibt stehen", hatte ich darauf geschrieben, bestätigt Revierförster Patrick Schiffmann. Aber selbst, wenn die Krone noch grün ist und auch unten der Stamm gut aussieht, kann der Baum dennoch krank sein. Das sieht man nur, wenn man genau hinguckt, schildert er. An der Räuber-Fichte gab es ein großes Borkenkäfernest. Das fing ab zehn Metern Höhe an. Ab da war dann auch schon nach oben großflächig die Rinde abgeplatzt. "Die Fichte ist eigentlich schon im Herbst krank gewesen", gesteht der Revierförster. Aber er hat natürlich gesehen, was das für ein Baum ist, und wollte ihm noch eine Chance zum Erholen geben.

Doch die Räuber-Fichte hat sich nicht erholt. "Sie steht genau am Wanderweg. Was ist, wenn ein schwerer trockener Ast auf einen Menschen fällt, der gerade unter ihr steht", schildert er. Dann würde jeder fragen, warum ist gerade dieser Baum am Weg stehen geblieben. Deswegen musste auch die Räuber-Fichte gefällt werden.

Vielleicht kommt eine Weißtanne an den Platz

"Eine Fichte wird hier sehr wahrscheinlich nicht mehr hinkommen. Aber vielleicht eine Weißtanne oder ein anderer Baum dem Borkenkäfer nicht so schnell etwas anhaben können oder der widerstandsfähiger ist", fügt er hinzu. Und in 150 Jahren wird der neue Räuber-Baum auch wieder so groß sein.

Einen neuen Räuber-Baum wünscht sich auch Räuberhauptmann Karasek - alias Heiner Haschke. "Von mir aus könnte es auch eine Eiche sein", sagt er.

Wenn es denn die Corona-Maßnahmen wieder zulassen, würde Patrick Schiffmann gern wieder ein öffentliches Projekt für den Wald starten. Dann könnten sich freiwillige Helfer beispielsweise an Baumpflanzaktionen beteiligen.

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