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5.700-mal "Ja, ich will"

Für Petra Wießner war jede einzelne Hochzeit einmalig. Nun geht die Zittauer Standesbeamtin in den Ruhestand.

Die Zittauer Standesbeamtin Petra Wießner geht in den Ruhestand.
Die Zittauer Standesbeamtin Petra Wießner geht in den Ruhestand. © Matthias Weber/photoweber.de

Wenn Petra Wießner am 19. Februar ins Zittauer Standesamt geht, wird ihr das nicht leicht fallen. Dieser Freitag ist nach 45 Jahren ihr letzter Arbeitstag und sie weiß jetzt schon, dass ihr nicht nur ihre Kolleginnen und das einmalige Flair dort fehlen werden. Vor allem wird sie „ihre“ Brautpaare vermissen. In ihrer langen Arbeitszeit als Standesbeamtin im Zittauer Rathaus hat sie rund 2.850 Ehen geschlossen und dabei natürlich auch die Brautpaare kennengelernt. Dafür nahmen und nehmen sich die Referatsleiterin und ihre Kolleginnen immer Zeit und dieser Teil ihrer Arbeit gefiel ihr am meisten. „Ich habe mich immer wieder gefreut, wenn ich die Paare begleiten konnte beim Schritt ins Eheleben durch dieses kleine Wörtchen 'Ja'“, sagt sie.

Dabei hat Frau Wießner natürlich auch viel erlebt und wird sich nicht nur an ihrem letzten Tag im Zittauer Rathaus an viele dieser Momente erinnern. An Gänsehautmomente wie den, als eine Braut für ihren zukünftigen Mann das Lied aus dem Aschenbrödel-Film sang. An ungewöhnliche wie die beiden Hochzeiten, bei denen die Braut im schwarzen Kleid und der Bräutigam im weißen Anzug den Bund für Leben schlossen. Und auch an traurige, wenn eine Nothochzeit sie an ein Krankenbett führte. Gott sei dank seien letztere sehr selten gewesen. Bei jeder einzelnen Eheschließung sei sie immer noch aufgeregt wie zu Beginn, sagt sie.

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Auch traurige Momente im Standesamt

Die Faszination habe sie nie verlassen. Sie habe sich damals am Anfang geschworen, wenn es jemals anfange Routine zu werden, werde sie aufhören. Diese Entscheidung brauchte sie jedoch nie zu treffen, denn trotz der schieren Anzahl war für Petra Wießner jede einzelne Hochzeit immer wieder aufs Neue etwas Besonderes. Dabei ist sie eher zufällig zu diesem Beruf gekommen.

Angefangen hat alles im September 1973. Da begann sie ihre Lehre als Facharbeiter für Schreibtechnik bei der Stadt Zittau. Im Rathaus durchlief sie alle Abteilungen und kam im zweiten Lehrjahr ins Standesamt. Dort hat es ihr auf Anhieb gefallen. „Das Flair mit den Kollegen war etwas ganz Besonderes“, sagt sie heute rückblickend. Als der damalige Leiter Kurt Schmidt sie fragte, ob sie bleiben wolle, brauchte sie nicht lange überlegen. Sie machte ihre Sache so gut, dass sie 1992 Referatsleiterin wurde.

Auch wenn die Hochzeiten und alles was dazu gehört, die liebste Aufgabe an ihrem Job sind – die Arbeit im Standesamt besteht bei weitem nicht nur aus Eheschließungen. „Standesamt bedeutet vor allem Personenstand“, sagt die Zittauerin und erklärt, dass hier zum Beispiel auch neugeborene Kinder angemeldet und namensrechtliche Dinge wie zum Beispiel Doppelnamen beantragt oder Vaterschaften anerkannt werden. Auch wer seinen Kirchenaustritt erklären will, ist hier an der richtigen Stelle. Ein weiterer, sehr trauriger Aspekt der Arbeit ist die Anmeldung von Sterbefällen. Das sei besonders im letzten Jahr gravierend gewesen. So etwas wie die durch Corona bedingten unzähligen Sterbefälle habe sie in 45 Arbeitsjahren noch nicht erlebt, sagt sie. Besonders schlimm seien der November und Dezember gewesen. Da haben sie und ihre Kolleginnen sogar Weihnachten und Silvester gearbeitet, um alles ordnungsgemäß zu erfassen.

Abschiedsparty wird nachgeholt

Ein eher kleines Problem ist dagegen, dass sie durch die Corona-Beschränkungen ihre große Abschiedsparty verschieben muss. Trotzdem hofft sie sehr, dass sie die bald nachholen kann, denn sie will sich unbedingt bei ihren Kolleginnen bedanken. Sie haben wesentlich dazu beigetragen, dass Petra Wießner 45 Jahre lang jeden Tag gern zur Arbeit kam. „Dieses einmalige standesamtliche Flair wird mir schon fehlen“, sagt sie. Ihren Kolleginnen wünscht sie vor allem Gesundheit und dass sie so miteinander verbunden bleiben wie bisher. Auch ihrer Nachfolgerin Nora Schaffhirt wünscht sie alles Gute und verspricht, selbstverständlich zu helfen, wenn diese das möchte.

Was sie nun in ihrem Ruhestand machen wird, weiß sie allerdings noch nicht genau. Aber sie werde sich in keinem Fall langweilen, sagt sie. Sie habe einen großen und sehr lieben Freundeskreis und könne durchaus auch mal nichts tun. Für die Zukunft werde ihr ganz sicher etwas einfallen.

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